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Epiduralhämatom

von griechisch: epi - auf; haima - Blut; lateinisch: durus - hart
Synonyme: Epiduralblutung, epidurales Hämatom
Englisch: epidural hematoma

1 Definition

Ein Epiduralhämatom ist eine traumatische intrakranielle Blutung in den physiologischerweise nicht vorhandenen Raum zwischen Schädelknochen und Dura mater (Epiduralraum). Sie ist meist die Folge einer Ruptur der Arteria meningea media. Spinale Epiduralhämatome im Bereich des Rückenmarks kommen nur selten vor.

2 ICD10-Code

  • I62.1: Nichttraumatische extradurale Blutung (incl. nichttraumatische epidurale Blutung)
  • S06.4: Epidurale Blutung (incl. epidurales Hämatom, traumatische extradurale Blutung)
  • S06.7-!: Bewusstlosigkeit bei Schädel-Hirn-Trauma

3 Ätiolopathogenese

Hauptursache für eine epidurale Blutung ist meist ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) mit Fraktur des Pterion der Schädelkalotte. Am häufigsten wird die Hirnhaut-versorgende Arteria meningea media (ein Ast der Arteria maxillaris) verletzt, da sie nach ihrem Austritt aus dem Foramen spinosum direkt an der inneren Wand der Schädelkalotte entlang verläuft. Die Ausbreitung des Hämatoms erfolgt vorwiegend in der Temporalregion.

In seltenen Fällen kann auch die Ruptur einer Meningealvene oder eines Hirnsinus zu einem Epiduralhämatom führen.

4 Epidemiologie

Etwa zwei Drittel der betroffenen Patienten sind jünger als 40 Jahre. Das Verhältnis von Männern zu Frauen ist etwa 5:1.

5 Symptome

Die Symptome eines Epiduralhämatoms können sich direkt nach dem Trauma oder mit einer gewissen Latenz manifestieren. Typisch ist ein sogenanntes freies Intervall für Minuten bis Stunden: Nach initialer kurzer Bewusstlosigkeit und anschließendem Aufklaren kommt es zu erneuter Eintrübung durch den steigenden intrakraniellen Druck.

Neben der Vigilanzstörung (Somnolenz bis Koma) können folgende Symptome auf ein Epiduralhämatoms hindeuten:

Bei Kleinkindern sind Epiduralhämatome nach Schädelverletzungen in den ersten beiden Lebensjahren besonders häufig. Da der kindliche Schädel durch die noch nicht vollständig geschlossenen Fontanellen über eine größere Ausdehnungskapazität verfügt, ist die Vigilanz, vor allem bei Stürzen aus niedriger Höhe, primär oft nicht gestört. In vielen Fällen setzt die Somnolenz erst 6 bis 12 Stunden nach dem Trauma ein. Die Entwicklung einer einseitigen Mydriasis und das Auftreten epileptischer Anfälle sind Spätsymptome, die auf eine ungünstige Prognose hinweisen. Da der Blutverlust durch Einblutung unter die Galea (subgaleatisches Hämatom) erhebliche Ausmaße annehmen kann - auch ohne Entwicklung eines epiduralen Hämatoms - kann das Kleinkind eine Anämie und einen hämorrhagischen Schock erleiden.

6 Diagnostik

6.1 Klinik

Typisch für das epidurale Hämatom ist das freie Intervall mit anschliessendem Übergang zum Koma. Eine beobachtete Anisokorie, die zunehmende Vigilanzstörung und die neu aufgetretene Halbseitensymptomatik weisen auf einen intrakraniellen raumfordernden Prozess mit schneller Progredienz hin.

6.2 Bildgebung

Durch die Computertomographie ist in 90 % der Fälle eine Schädelfraktur mit subgalealem Hämatom nachweisbar. Das epidurale Hämatom zeigt sich im CT-Bild meist hyperdens (nur selten iso- oder hypodens), scharf begrenzt, relativ breit und bikonvex oder plankonvex. Die Suturen werden dabei nicht überschritten, da hier die Dura fester mit der Kalotte verbunden ist. Die Lokalisation ist am häufigsten temporoparietal, die Gehirnmittellinie ist verlagert.

7 Differenzialdiagnosen

8 Therapie und Prognose

Therapie der Wahl ist die sofortige neurochirurgische Intervention durch Eröffnung des Schädels und Ausräumung des Hämatoms. Hat sich bereits ein Bulbärhirnsyndrom oder ein Mittelhirnsyndrom ausgebildet, so ist die Operation meist erfolglos. Bei einem Epiduralhämatom < 30 ml, bei Mittellinienverlagerung < 5 mm und einem Glasgow Coma Score > 8 kann unter engmaschiger Kontrolle ein konservatives Vorgehen erwogen werden.

Die Letalität beträgt etwa 30 bis 40 %. Ungefähr 20 % der Betroffenen tragen eine Behinderung davon, etwa 50 % erlangen wieder volle Erwerbsfähigkeit.

Fachgebiete: Neurochirurgie, Neurologie

Diese Seite wurde zuletzt am 15. Juli 2020 um 11:59 Uhr bearbeitet.

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