Ventrikeldrainage
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LoslegenSynonym: Ventrikulostomie
Englisch: external ventricular drain, EVD
Definition
Bei einer Ventrikeldrainage, im klinischen Alltag meist als externe Ventrikeldrainage, kurz EVD, bezeichnet, wird durch einen implantierten Ventrikelkatheter Liquor aus einem Seitenventrikel kontrolliert nach außen abgeleitet. Im Unterschied zu permanenten Ableitungssystemen wie dem ventrikuloperitonealen Shunt handelt es sich um ein temporäres, extrakorporal angeschlossenes System.
Hintergrund
Die Ventrikeldrainage ermöglicht die therapeutische Liquordrainage zur Senkung eines erhöhten Hirndrucks, insbesondere bei einem Verschlusshydrozephalus.[1] Zudem wird sie zur diagnostischen Messung des intrakraniellen Drucks mittels direkter Manometrie im Seitenventrikel – dem historischen Goldstandard der intrakraniellen Druckmessung – genutzt.
Technik
Der Zugang erfolgt in der Regel über eine Bohrlochtrepanation. Der am häufigsten verwendete Eintrittspunkt ist der Kocher-Punkt, alternativ kommen z.B. der Keen-Punkt, der Frazier-Punkt, der Dandy-Punkt oder ein okzipito-parietaler Zugang infrage.[2] Die Anlage kann freihändig anhand anatomischer Landmarken oder bildgestützt (Ultraschall, Neuronavigation, stereotaktische Führung) erfolgen. Bildgestützte Verfahren verbessern die Treffergenauigkeit und die Erfolgsrate der Erstplatzierung.[3]
Der Katheter wird an ein geschlossenes externes Drainagesystem mit Tropfkammer angeschlossen. Die Nullpunkt-Eichung erfolgt auf Höhe des äußeren Gehörgangs und muss nach jeder Lageänderung des Patienten neu überprüft werden.[1] Eine sterile Anlage sowie eine Tunnelierung, Fixierung oder Silber-/Antibiotikabeschichtung der Drainage senken das Infektionsrisiko.[1]
Indikationen
- Verschlusshydrozephalus jeglicher Genese[1]
- Subarachnoidalblutung mit klinisch unzureichend beurteilbaren Patienten oder sekundärer Vigilanzverschlechterung bei bildgebend gesichertem Hydrozephalus[1]
- Intrazerebrale Blutung mit Hydrocephalus occlusus durch Hämatomkompression oder intraventrikuläre Blutungen mit Liquorzirkulationsstörung, ggf. in Kombination mit intraventrikulärer Fibrinolyse[1]
- schweres Schädel-Hirn-Trauma mit intrakranieller Pathologie – Nutzen der therapeutischen Drainage nicht belegt, aufgrund der geringen Komplikationsrate aber häufig frühzeitig erwogen[1]
- bakterielle Meningitis oder Enzephalitis mit Hydrozephalus oder schwerer Bewusstseinstrübung[1]
siehe auch: Hirndrucktherapie
Vorteile
Die Ventrikeldrainage ist das einzige Verfahren, das eine direkte intraventrikuläre Druckmessung mit einer effektiven therapeutischen Liquordrainage verbindet.[1]
Nachteile
- Eine gleichzeitige Messung und Drainage ist nicht möglich, da ein offenes System den tatsächlichen intrakraniellen Druck nicht korrekt widerspiegelt; nach Verschluss des Systems dauert es mehrere Minuten, bis der angezeigte Wert dem tatsächlichen ICP entspricht.[1]
- Im Vergleich zu intraparenchymatösen Drucksonden (Infektionsrate < 1 %) weist die ventrikuläre Messung eine deutlich höhere Infektionsrate von etwa 5–10 % auf.[1]
- Die Anlage ist bei ausgeprägter Hirnschwellung, Ventrikelkompression oder Mittellinienverlagerung technisch erschwert.[1]
- Die freihändige, landmarkenbasierte Anlage zeigt eine relevante Varianz hinsichtlich Treffergenauigkeit und Komplikationsrisiko.[3]
Komplikationen
- katheterassoziierte Infektion (z.B. Meningitis, Ventrikulitis)
- Blutung entlang des Stichkanals
- Fehllage des Katheters
- Katheterverschluss oder -obstruktion[2]
Bei infratentoriellen raumfordernden Prozessen kann die Anlage einer Ventrikeldrainage den von infratentoriell nach supratentoriell gerichteten Druckgradienten verstärken (sogenannte Aufwärts-Herniation); die Indikation ist hier besonders sorgfältig zu stellen.[1]
Kontraindikationen
Bei vitaler Indikation (z.B. drohende Einklemmung) bestehen in der Regel keine absoluten Kontraindikationen. Als relative Kontraindikationen gelten die allgemeinen Kontraindikationen invasiver neurochirurgischer Eingriffe, insbesondere eine nicht korrigierte Gerinnungsstörung oder eine floride Infektion im Bereich der geplanten Eintrittsstelle.
Quellen
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 AWMF. S1-Leitlinie: Intrakranieller Druck (ICP). AWMF-Registernummer 030/105. Stand 07/2024, gültig bis 13.02.2028. Verfügbar unter: S1-Leitlinie Intrakranieller Druck (ICP).
- ↑ 2,0 2,1 ElBadway MM, Khan MM, Al-Maraghi S, et al. Anatomical Approaches for Insertion Sites of External Ventricular Drainage Catheters. Cureus. 2026;18(5):e109187. doi: 10.7759/cureus.109187
- ↑ 3,0 3,1 Hennen J, Ifrach J, Charcos I, et al. External ventricular drainage in modern neurosurgical practice: optimization, standardization, and emerging guidance technologies. Front Neurol. 2026;17:1807634. doi: 10.3389/fneur.2026.1807634