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Infektiöse Mononukleose

(Weitergeleitet von Mononucleosis infectiosa)

nach dem deutschen Kinderarzt Emil Pfeiffer (1846-1921)
Synonyme: Pfeiffer-Drüsenfieber, Pfeiffersches Drüsenfieber, Mononucleosis infectiosa
Englisch: infectious mononucleosis, "kissing disease"

1 Definition

Die infektiöse Mononukleose, auch Pfeiffersches Drüsenfieber genannt, ist eine Infektionskrankheit, die durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) verursacht wird.

2 Epidemiologie

Die infektiöse Mononukleose ist weltweit sehr verbreitet. Es handelt sich um eine nicht saisonale Krankheit. Alleiniges Erregerreservoir ist der Mensch.

3 Übertragung

Die Übertragung erfolgt häufig durch Kontaktinfektion, typischerweise mit dem Speichel durch das Küssen. Die Erkrankung wird deshalb im englischsprachigen Raum auch als "kissing disease" bezeichnet. Weitere mögliche Übertragungswege sind Tröpfcheninfektion und Schmierinfektion.

4 Symptome

Zum Krankheitsbild gehören meist:

Es können jedoch eine Reihe weiterer Symptome assoziiert sein. So kann es z.B. im Verlauf zu einem generalisierten Exanthem, oraler Haarleukoplakie, einem Ikterus, einer Splenomegalie, Hepatomegalie oder Hepatosplenomegalie (HSM) kommen.

5 Diagnostik

Der eindeutige Nachweis der Infektion erfolgt serologisch durch den Nachweis von EBV-Antikörpern. Hier stehen verschiedene Testverfahren zur Verfügung, u.a.:

Im Blutbild kommt es häufig zu einer auffälligen Leukozytose mit mononukleären Zellen (daher der Name Mononukleose). Ein Teil der Lymphozyten sind atypisch (reaktiv).

Die Leberenzyme sind in vielen Fällen erhöht.

6 Differentialdiagnosen

7 Komplikationen

Seltene Komplikationen des Pfeifferschen Drüsenfiebers sind:

Patienten mit geschwächtem Immunsystem sind besonders gefährdet. Bei Transplantatempfängern kann sich durch eine EBV-Infektion ein Posttransplantationslymphom (PTLD) entwickeln. Bei hochgradiger Immundefizienz kann die Erkrankung einen letalen Verlauf nehmen.

Weitere, seltene Folgen einer infektiösen Mononukleose sind:

  • Milzrupturen. Sie treten als Folge der Splenomegalie in etwa 0,1 - 0,5 % der Fälle auf.[1]
  • Entwicklung einer chronisch aktiven EBV-Infektion. Sie ist durch eine andauernde lytische Virusaktivität mit hoher Viruslast chrakterisiert.

8 Spätfolgen

Das auslösende Epstein-Barr-Virus steht im Verdacht, Burkitt- und Hodgkin-Lymphome auszulösen.[2] In westlichen Industrieländern lassen sich im Tumorgewebe von Hodgkin-Lymphomen in 20 bis 50 % der Fälle Virusgene nachweisen. In Entwicklungsländern liegt der Anteil noch höher.[3] Am häufigsten treten EBV-Gene beim MC-Subtyp des Hodgkin-Lymphoms auf.[3]

EBV spielt auch eine entscheidende Rolle in der Pathogenese anaplastischer Nasopharynxkarzinome, da in diesen Tumoren fast durchgängig EBV-DNA nachgewiesen werden kann.

9 Therapie

Die Therapie erfolgt symptomatisch. Hohes Fieber und Schmerzen können durch die Gabe von Paracetamol oder NSAR günstig beeinflusst werden. Eine Behandlung mit Antibiotika ist nur bei Sekundärinfektionen sinnvoll. Die Gabe von Amoxicillin oder Ampicillin sollte vermieden werden, da es bei infektiöser Mononukleose unter diesen Wirkstoffen häufig zu einem generalisierten Exanthem kommt.

Die zur Zeit (2020) verfügbaren Virostatika (z.B. Aciclovir, Penciclovir oder Ganciclovir) zeigen bei infektiöser Mononukleose keine befriedigende Wirkung.[4] Einige Wirkstoffe reduzieren zwar war die Viruslast, der klinische Effekt ist jedoch in der Regel gering. Lediglich bei Patienten mit PTLD ergibt sich ein schwacher Hinweis auf den Nutzen einer antiviralen Prophylaxe.[4]

Bei einer klinisch relevanten Milzvergrößerung sollte nach Abklingen der Symptome für einen Zeitraum von 3-4 Wochen kein Belastungssport betrieben werden.

10 Prophylaxe

Eine Impfung gegen infektiöse Mononukleose ist zur Zeit (2020) nicht verfügbar, aber Gegenstand der Forschung.[5]

11 Quellen

  1. Baker CR, Kona S Spontaneous splenic rupture in a patient with infectious mononucleosis, BMJ Case Rep. 2019 Sep 30;12(9), abgerufen am 03.04.2020
  2. Cohen JI Epstein–barr virus vaccines, Clin Transl Immunology. 2015 Jan; 4(1): e32m abgerufen am 03.04.2020
  3. 3,0 3,1 Flavell KJ, Murray PG Hodgkin's disease and the Epstein-Barr virus, Mol Pathol. 2000 Oct; 53(5): 262–269, abgerufen am 03.04.2020
  4. 4,0 4,1 Joseph S. Pagano, Christopher B. Whitehurst, Graciela Andrei: Antiviral Drugs for EBV Cancers (Basel). 2018 Jun; 10(6): 197. Published online 2018 Jun 13. doi: 10.3390/cancers10060197 PMCID: PMC6025560 PMID: 29899236
  5. Lok SM Inhibiting EBV: The Key to Carefree Smooching, Immunity. 2018 Apr 17;48(4):623-625, abgerufen am 03.04.2020

Diese Seite wurde zuletzt am 18. Juni 2020 um 16:51 Uhr bearbeitet.

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