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Liquordiagnostik

(Weitergeleitet von Liquoranalyse)

Synonyme: Liquoruntersuchung, Liquoranalyse
Englisch: cerebrospinal fluid diagnostic, CSF diagnostic, CSF analysis

1 Definition

Unter Liquordiagnostik bzw. Liquoruntersuchung versteht man eine labormedizinische Untersuchung des Liquor cerebrospinalis.

2 Indikationen

Nicht alle Krankheiten, die das ZNS betreffen, können durch eine Blutuntersuchung nachgewiesen werden. Dies liegt an der Blut-Liquor-Schranke, die verhindert, dass bestimmte Stoffe frei zwischen Blut und ZNS wechseln können. Eine Liquordiagnostik ist unter anderem indiziert bei:

3 Vorgehen

Der zu untersuchende Liquor wird durch eine Liquorentnahme (i.d.R. mittels einer Lumbalpunktion) gewonnen. Anschließend wird er im Labor makroskopisch, mikroskopisch und laborchemisch analysiert. Für die Diagnostik entzündlicher Prozesse im ZNS ist die isoelektrische Fokussierung von Liquorproteinen die Methode der Wahl.

4 Befunde

4.1 Übersicht

Parameter Messmethode Normalbefund
Beschaffenheit Inspektion klar, farblos
Zellzahl manuelle Zählung (Lichtmikroskopie, Fuchs-Rosenthal-Kammer) < 5 Leukozyten/µl
Differenzialzellbild manuell (Lichtmikroskopie, Pappenheim-Färbung) lymphomonozytär (Verhältnis 2:1 bis 3:1)
Gesamtprotein Nephelometrie, Turbidimetrie  < 500 mg/l
L-Laktat enzymatisch 0,9 - 2,7 mmol/l (altersabhängig)
Glukose enzymatisch > 0,50 Ratio Liquor/Serum
Albumin Nephelometrie < 5-10 Liquor/Serum x 10-3 (altersabhängig)
Immunglobulin-Synthese im ZNS Nephelometrie kein Nachweis
Erregernachweis Gramfärbung, Kultur, Mikroskopie, PCR, Antigennachweis kein Nachweis
Erregerspezifische Antikörper Enzymimmunoassay Kein Nachweis
Hirnspezifische Proteine Enzymimmunoassay

4.2 Zytologie

Normalerweise enthält der farblose Liquor nur wenige kernhaltige Zellen (v.a. Lymphozyten und Monozyten). Bei bluthaltigem Liquor finden sich vermehrt Erythrozyten. Die Drei-Gläser-Probe ermöglicht dabei eine Unterscheidung zwischen artifizieller Blutbeimengung und Subarachnoidalblutung. Eine erhöhte Zellzahl (Pleozytose) findet sich bei entzündlichen Prozessen:

4.3 Glukose und Laktat

Eine Verringerung von Glukose und ein Anstieg von Laktat sprechen für eine bakterielle oder Pilzinfektion. Dabei ist die Messung von Laktat diagnostisch aussagekräftiger, da seine Konzentration nicht so stark von der Serumkonzentration abhängig ist.

4.4 Proteine

Eine Erhöhung des Proteingehalts bzw. der Immunglobuline im Liquor kann zwei Ursachen haben:

4.4.1 Immunglobulin-Konstellationen

Folgende Konstellationen intrathekal synthetisierter Immunglobuline können einen Hinweis auf die Ursache geben:

IgG IgA IgM
Ein-Klassen-Reaktionen (überwiegend)
multiple Sklerose +
HSV-Enzephalitis +
Neurolues +
HIV-Enzephalitis +
Zwei-Klassen-Reaktionen (überwiegend)
eitrige Meningitis + +
tuberkulöse Meningitis + +
FSME + +
Drei-Klassen-Reaktionen (überwiegend)
Neuroborreliose + + +
Mumps-Meningoenzephalitis + + +
opportunistische Infektionen (z.B. bei AIDS) + + +

4.4.2 Delpech-Lichtblau-Quotient

Um die Ursache weiter zu differenzieren, wird der Delpech-Lichtblau-Quotient (DLQ) berechnet. Er gibt das Verhältnis des Liquor-Serum-Quotienten von IgG (QIgG) zum entsprechenden Quotienten von Albumin (QAlb) an:

  • DLQ = (Liquor-IgG × Serum-Albumin) / (Liquor-Albumin × Serum-IgG)

Eine Erhöhung des Delpech-Lichtblau-Quotienten über 0,7 spricht für eine – im Vergleich zu Albumin – erhöhte Anzahl an IgG im Liquor und somit eher für eine intrathekale Synthese von Immunglobulinen. Dies liegt darin begründet, dass Albumin nicht intrathekal gebildet wird. Wenn im Liquor eine relativ zur Serumkonzentration erhöhte Albuminkonzentration vorliegt, besteht i.d.R. eine Blut-Liquor-Schrankenstörung. IgG hingegen kann sowohl bei einer Schrankenstörung als auch bei intrathekaler Synthese im Liquor erhöht sein.

Diese Parameter können graphisch in einem Quotientendiagramm (Reiber-Schema) dargestellt werden. Dabei ergeben sich vier Situationen:

  • QAlb und QIgG niedrig: Normalbefund
  • QAlb erhöht, QIgG normal: Schrankenstörung (z.B. Guillain-Barré-Syndrom)
  • QAlb normal, QIgG erhöht: intrathekale IgG-Synthese (z.B. multiple Sklerose)
  • QAlb und QIgG erhöht: Schrankenstörung und intrathekale IgG-Synthese (z.B. akute Neuroborreliose, Neurotuberkulose)

Das Quotientendiagramm ist auch auf IgA und IgM übertragbar.

4.5 Oligoklonale Banden

Oligoklonale Banden (OKB) finden sich als unspezifisches Zeichen bei subakut- und chronisch-entzündlichen ZNS-Erkrankungen. Man unterscheidet fünf verschiedene Befundmuster, wobei Typ 2 und 3 für eine intrathekale Immunglobulinsynthese sprechen:

  • Typ 1: Normalbefund
  • Typ 2: OKB im Liquor
  • Typ 3: identische OKB im Liquor und Serum, zusätzliche isolierte OKB im Liquor
  • Typ 4: OKB mit identischer Verteilung im Liquor und Serum
  • Typ 5: Monoklonale Banden (i.d.R. identisch im Liquor und im Serum). Hinweis auf monoklonale Gammopathie.

5 Komplikationen

Bei der Entnahme des Liquors kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen. Häufig treten selbstlimitierende postpunktionelle Kopfschmerzen auf. Seltene Komplikationen sind Infektionen (z.B. epiduraler Abszess) oder Blutungen.

Bei erhöhtem Hirndruck kann es zur zerebralen Einklemmung kommen. Daher muss bei entsprechendem klinischem Verdacht eine Bildgebung (meist mittels Computertomographie) vor der Lumbalpunktion durchgeführt werden.

6 Literatur

Diese Seite wurde zuletzt am 19. Februar 2021 um 12:24 Uhr bearbeitet.

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