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Ivermectin

Handelsnamen: Stromectol®, Mectizan®
Englisch: Ivermectin

1 Definition

Ivermectin ist ein Arzneistoff aus der Klasse der Antiparasitika, der chemisch zu den Avermectinen zählt.

2 Hintergrund

Avermectine sind von Pilzen produzierte Neurotoxine. Die Wissenschaftler William Campbell und Satoshi Omura wurden 2015 für die Isolierung von Avermectinen mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.

Bei Ivermectin handelt es sich um ein makrozyklisches Lacton-Derivat zur Behandlung von parasitären Onchozerkose-Infestationen, lymphatischen Filariosen und Loiasis, bei der Wirksamkeit nur gegen Mikrofilarien beschrieben ist, sowie bei Strongyloidiasis, kutaner Larva migrans and Skabies.

3 Wirkungsmechanismus

Ivermectin zeigt Wirksamkeit bei der Therapie von humanpathogenen Helminthen durch Aktivierung glutamatabhängiger Chloridkanäle der Parasiten, welches eine neuromuskuläre Blockade auslöst und zu Motilitätsstörungen der sensiblen Mikro- and Makrofilarien führt.

4 Pharmakokinetik

Bei peroraler Gabe wird Ivermectin fast vollständig absorbiert, es kommt zu einer längerfristiger Bindung im Fettgewebe. Der maximale Plasmaspiegel ist nach 4 Stunden erreicht. Die Ausscheidung erfolgt über die Faeces mit einer Eliminationshalbwertszeit zwischen 12 und 35 Stunden.

5 Kontraindikationen

Patienten mit gleichzeitiger Loisasis und Onchozerkose können unter Ivermectin schwere Allergien entwickeln. Bei extrem hoher Mikrofilariämie und Mikrofilarien im Liquor sind Enzephalopathien mit Todesfolge beschrieben worden. Bei hohen Dosen manifestierten sich im Tierversuch teratogene und embryotoxische Wirkung. Strenge Indikationsstellung bei Schwangerschaft.

6 Unerwünschte Nebenwirkungen

Bei Loiasis sowie Onchozerkose mit erhöhter Parasitenlast durch Mikrofilariendichte im Auge sind

Enzephalopathien mit Todesfolge sind beschrieben und verlangen eine einschleichende Dosierung mit gleichzeitiger Steroidgabe und Überwachung. (Stand 2012)

7 Nebenwirkung

Mögliche Nebenwirkungen sind z.B.:

8 Nachuntersuchung

Durch die Abtötung der Parasiten und die resultierende Antigenlast ergibt sich die Gefahr einer Immunreaktion. Ein permanentes Monitoring ist indiziert.

9 Applikationsformen

Tabletten zu 6 mg zur peroralen Gabe.

10 Veterinärmedizin

10.1 Anwendungsgebiet

Ivermectin wird vor allem bei Großtieren als Antiparasitikum verwendet.

Tierart Organsystem  Parasit
Rind Gastrointestinaltrakt Nematoda
Respirationsapparat Dictyocaulus spp.
Haut/Bindegewebe Hypoderma bovis, Hypoderma lineatum, Parafilaria bovicola, Dermatobia hominis, Mikrofilarien von Onchocerca spp., Zecken, Fliegen, Läuse
Augen Thelazia lacrymalis
Schaf Gastrointestinaltrakt Nematoda
Respirationsapparat Dictyocaulus filaria, Muellerius capillaris, Protostrongylus rufecens, Oestrus ovis-Larven
Haut/Bindegewebe Psoroptes ovis, Sarcoptes-Milben, Psorergates ovis, Melophagus ovinus, Lucilia cuprina-Larven
Ziege Gastrointestinaltrakt Haemonchus spp., Ostertagia spp., Trichostrongylus spp., Cooperia spp., Oesophagostomum spp., Nematodirus spp., Bunostomum spp., Trichuris spp., Strongyloides papillosus-Larven
Respirationsapparat Dictyocaulus filaria, Muellerius capillaria, Protostrongylus rufecens, Oestrus ovis
Haut/Bindegewebe Przhevaskiana silenus-Larven, Demodex caprae
Pferd Gastrointestinaltrakt Strongylus vulgaris, Strongylus equinus, Strongylus edentatus, kleine Strongyliden, Oxyuris equi, Parascaris equorum, Strongyloides westeri, Trichostrongylus axei, Habronema muscae, Gasterophilus spp.
Respirationsapparat Dictyocaulus arnfieldi, Gasterophilus nasalis-Larven
Herz-Kreislaufsystem Strongylus vulgaris
Haut/Bindegewebe Habronema spp., Draschia spp., Mikrofilarien von Onchocerca, Mikrofilarien von Parafilaria multipapillosa, Mikrofilarien von Setaria equina, Sarcoptes- und Psoroptes-Milben, Läuse
Schwein Gastrointestinaltrakt Hyostrongylus spp., Oesophagostomum spp., Ascaris spp., Strongyloides spp., Trichuris spp., Trichinella spiralis, Strongyloides ransomi
Respirationsapparat Metastrongylus spp.
Urogenitaltrakt Stephanurus dentatus
Muskulatur Trichinella spiralis (Muskelstadien)
Haut/Bindegewebe Haematopinus suis, Sarcoptes scabiei

10.2 Kontraindikation

Ivermectin darf nicht bei laktierenden Kühen, deren Milch für den menschlichen Verzehr bestimmt ist, angewendet werden. Aufgrund unzureichender Erkenntnisse sollte Ivermectin bei Schweinen nicht bis zum 40. Tag sowie bei Pferden nicht bis zum 45. Tag der Trächtigkeit verwendet werden.

Besondere Vorsicht gilt bei Hunden - insbesondere bei Collies, Collie-Mix, Shelties, Bobtails, Australischen Schäferhunden, Shetland Sheepdogs sowie verwandten Rassen - da aufgrund des MDR1-Defekts Ivermectin zu schweren Nebenwirkungen führen kann. Bei Kleintieren werden Selamectin-haltige Präparate empfohlen.

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