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FPV-Infektion (Katze)

Synonyme: Feline Parvovirus-Infektion, feline Parvovirose, Katzenseuche, feline Panleukopenie

1 Definition

Als FPV-Infektion, auch feline Parvovirose genannt, bezeichnet man eine Virusinfektion bei der Katze, die vor allem bei Katzenwelpen und Jungtieren schwere Erkrankungs- und auch Todesfälle verursacht.

2 Ätiologie

Das feline Parvovirus (FPV), auch felines Panleukopenievirus genannt, ist ein Virus aus der Familie Parvoviridae und nahe mit dem caninen Parvovirus (CPV) verwandt. FPV ist ein 18 bis 25 nm kleines, unbehülltes und rundes Virus mit linearer ssDNA. Der Erreger repliziert sich im Zellkern seiner Wirtszelle und ist hierbei auf eine Reihe zellulärer Funktionen angewiesen, die vorrangig in Zellen während der Teilungsphase vorliegen.

Das Virus ist aufgrund der fehlenden Lipidhülle äußerst resistent gegenüber natürlichen Umwelteinflüssen und Chemikalien. Bei Raumtemperaturen bleibt es über ein Jahr lang infektiös und übersteht auch Einfrieren und Austrocknen. Die handelsüblichen Desinfektionsmittel zeigen keinen ausreichenden Effekt. Zu den wenigen wirksamen Substanzen gehören neben Natriumhypochlorit auch Formaldehyd und Glutaraldehyd.

Neben dem felinen Parvovirus können in seltenen Fällen auch alle drei Varianten des caninen Parvovirus (CPV-2a, -2b und -2c) zu Erkrankungen bei Katzen führen.

3 Epidemiologie

Erkrankte Tiere scheiden das Virus in der akuten Phase in großen Mengen und in sämtlichen Exkreten und Sekreten aus. Die massive Virusausscheidung mit dem Kot kann bis zu 3 Wochen nach Abklingen der Symptome andauern.

4 Pathogenese

Infektionen finden durch direkten Kontakt und aufgrund der hohen Tenazität auch indirekt durch kontaminierte Gegenstände (z.B. Futtergefäße), Parasiten und Insekten statt.

Die Virusaufnahme erfolgt über die Schleimhäute in der Nase und der Maulhöhle. Nach einer 2 bis 10 Tage andauernden Inkubationszeit findet die Virusreplikation im Nasen- und Rachenraum statt. Ungefähr einen Tag später entwickelt sich eine ausgeprägte Virämie, in der sich die Viren zunächst in lymphatischen und später auch in anderen Organen sowie im Knochenmark manifestieren. Die ersten klinischen Symptome entwickeln sich etwa 3 bis 5 Tage nach der Infektion. Überlebt die Katze diese Phase, halten die Krankheitszeichen für etwa 4 bis 8 Tage an.

Die häufigsten Infektionen finden bei Jungtieren im Alter von 6 Wochen bis 4 Monaten statt. Intrauterine Infektionen führen gelegentlich zu Aborten. In den meisten Fällen jedoch kommt es zur Geburt lebender aber geschädigter Welpen. Asymptomatisch infizierte Kätzinnen geben die Viren an die Feten weiter, sodass es bei diesen zu Entwicklungsstörungen des Kleinhirns (Kleinhirnhypoplasie), Hydrozephalus, Retinadysplasie und Nervus-opticus-Hypoplasie kommt.

Eine Infektion bei einer älteren Katze hingegen führt höchstens zur Ausbildung geringgradiger Symptome – auch dann, wenn die Tiere nicht geimpft sind. Liegt gleichzeitig eine Immunsuppression vor (z.B. infolge einer vorausgegangenen FeLV-Infektion), können ältere Tiere jedoch akut und schwer an Parvovirose erkranken und auch sterben. Klinische Manifestationen entstehen daher immer nur dann, wenn zusätzlich auch mikrobielle sowie haltungsbedingte Faktoren vorliegen, die eine Erkrankung begünstigen.

5 Klinik

FPV-Infektionen führen v.a. bei Jungtieren (bis zum 4. Lebensmonat) zu klinisch manifesten Symptomen. Anhand des Krankheitsverlaufs unterscheidet man zwischen folgenden Verlaufsformen:

Beim perakuten Krankheitsverlauf kommt es binnen weniger Stunden zum plötzlichen Versterben der Tiere, ohne vorausgegangene Symptome. Der akute Verlauf hingegen äußert sich initial durch Apathie, Bewegungsunlust, Anorexie und Fieber. Erkrankte Katzen leiden an Koliksymptomen, erbrechen häufig und zeigen Hypersalivation. Das Fell erscheint matt und das dritte Augenlid ist oft vorgefallen. Bei der Palpation des Abdomens treten heftige Schmerzzeichen auf. Etwa 1 bis 2 Tage nach Krankheitsbeginn kommt es zu dünnflüssigem und in besonders schweren Fällen auch zu blutigem Durchfall. Aufgrund des massiven Durchfalls stellt sich rasch eine schwere Dehydratation ein.

Subakut erkrankte Katzen leiden an mäßig ausgeprägter Apathie mit geringgradigem Durchfall, der mehrere Tage anhalten kann. Infolge einer massiven Zerstörung des Darmepithels kann sich rasch eine bakterielle Sekundärinfektion entwickeln, die einen chronischen und kaum mehr beeinflussbaren Durchfall erzeugt.

6 Immunologie

Etwa 7 bis 8 Tage nach Beginn der Virämie können niedrige Titer von virusneutralisierenden oder hämagglutinationshemmenden Antikörpern nachgewiesen werden, die nach 12 bis 14 Tagen ein Maximum erreichen. Nach der Aufnahme von antikörperhaltigem Kolostrum sind die Jungtiere für mehrere Wochen vor einer FPV-Infektion geschützt. Bei der Mehrzahl der Welpen nimmt der Schutz mit der Zeit jedoch wieder ab, sodass im Alter von 10 Wochen nur noch geringe Konzentrationen von maternalen Antikörpern nachgewiesen werden können.

FPV-Infektionen schwächen das Immunsystem, sodass die Funktion der T-Lymphozyten im Anschluss an eine Infektion für mehrere Tage eingeschränkt ist.

7 Diagnose

Die Diagnose wird anhand labormedizinischer Befunde, zusammen mit der Anamnese, einer klinischen Untersuchung, bildgebender Diagnostik und dem direkten Erregernachweis gestellt.

Bei der Blutuntersuchung dominiert bei 65 bis 75 % der erkrankten Katzen eine schwere Leukopenie (insbesondere Neutropenie und Lymphopenie). Zusätzlich liegen häufig eine stark ausgeprägte Anämie (ca. 50 %) und Thrombozytopenie (ca. 55 %) sowie verschiedene serologische Abweichungen vor (Hypalbuminämie, Hypochlorämie, Hyponatriämie, Hypoproteinämie und eine Erhöhung der AST). Aufgrund der Dehydratation und Hypovolämie kann es durch eine Hypoperfusion von Organen zu einer prärenalen Azotämie mit akuter Nierenschädigungen kommen.

Während positive Antikörperkonzentrationen nicht aussagekräftig sind, ist der Nachweis der Viren oder ihrer Bestandteile (Antigen, DNA) nahezu beweisend für eine Infektion. Aufgrund der engen strukturellen sowie antigenetischen Verwandtschaft von FPV und CPV können für den direkten Erregernachweis auch ELISA-basierte Schnelltests (Snap-Tests) für Hunde verwendet werden. Deutlich sensitiver ist der Nachweis mittels PCR aus Kotproben.

8 Therapie

Die feline Parvovirose ist häufig ein Notfall. Die Behandlung muss unter intensivmedizinischen Bedingungen und strikten Hygienemaßnahmen (Quarantäne) durchgeführt werden. Die Therapie ist aufgrund fehlender Therapiemöglichkeiten vorwiegend symptomatisch:

9 Prophylaxe

Die Impfung ist die wichtigste Schutzmaßnahme vor einer klinisch manifesten Erkrankung. Da die FPV-Impfung eine sogenannte Core-Impfung ist, sollte jedes Tier zu jeder Zeit geschützt sein, um eine weitere Verbreitung der Erkrankung zu unterbinden. Die Welpen können daher schon ab der 8. Lebenswoche grundimmunisiert werden. Die Wiederholungsimpfung ist dann alle 3 Jahre durchzuführen.

Hinweis: Diese Impfintervalle können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Impfempfehlung in der Herstellerinformation.

10 Quellen

11 Literatur

  • Rödler F. Feline Panleukopenie Kleintier konkret 2020; 23: 34–43. doi: 10.1055/a-1180-0215
  • Schmidt V, Horzinek MC (Begr.), Lutz H, Kohn B, Forterre F (Hrsg.). 2015. Krankheiten der Katze. 5., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co KG. ISBN: 978-3-8304-1242-7

Diese Seite wurde zuletzt am 14. Oktober 2021 um 17:50 Uhr bearbeitet.

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