Ernährung
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LoslegenEnglisch: nutrition
Definition
Als Ernährung bezeichnet man die Aufnahme und Verwertung von Nahrung, Nährstoffen und Wasser durch einen Organismus. Sie ermöglicht ihm die Aufrechterhaltung (Homöostase) seiner Lebensfunktionen sowie sein Wachstum und seine Regeneration. Mit den physiologischen Grundlagen der Ernährung befasst sich die Ernährungsphysiologie, mit Prävention und Therapie die Ernährungsmedizin.
Ernährungsformen
Biologisch werden Organismen nach der Art der aufgenommenen Nahrung eingeteilt:
| Deutsch | Griechisch | Lateinisch |
|---|---|---|
| Allesfresser | Pantophage | Omnivore |
| Fleischfresser | Zoophage | Karnivore |
| Pflanzenfresser | Phytophage | Herbivore |
Beim Menschen bezeichnen Kostformen wie Mischkost, vegetarische und vegane Ernährung, mediterrane Ernährung oder kohlenhydratreduzierte Kostformen dagegen kulturell, ethisch oder therapeutisch motivierte Ernährungsmuster.
Nährstoffe
Die menschliche Ernährung liefert Makronährstoffe, Mikronährstoffe, Ballaststoffe und Wasser. Die folgenden Richt- und Referenzwerte gelten für gesunde Erwachsene nach den D-A-CH-Referenzwerten:[1]
| Bestandteil | Wesentliche Funktion | Richtwert (für Erwachsene) |
|---|---|---|
| Kohlenhydrate | Energieversorgung, Glukosebereitstellung | > 50 % der Energiezufuhr |
| Fette | Energiespeicher, Membranbestandteil, Aufnahme fettlöslicher Vitamine | ca. 30 % der Energiezufuhr |
| Proteine | Aminosäurenquelle für Strukturproteine, Enzyme, Transportproteine, Immunsystem | 0,8 g/kgKG pro Tag, ab 65 Jahren 1,0 g/kgKG pro Tag |
| Ballaststoffe | Stuhlvolumen, Sättigung, Substrat der Darmflora | mind. 30 g pro Tag |
| Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente | Cofaktoren, Hormon- und Knochenbestandteile, Blutbildung | alters- und geschlechtsabhängig |
| Elektrolyte (Natrium, Kalium, Chlorid) | Flüssigkeitshaushalt, Membranpotential, neuromuskuläre Funktion | alters- und geschlechtsabhängig |
| Wasser | Lösungs- und Transportmedium, Thermoregulation | ca. 1,5 l Getränke pro Tag |
Essenziell sind diejenigen Nährstoffe, die der Organismus nicht selbst synthetisieren kann – unter anderem neun Aminosäuren, bestimmte Fettsäuren, Vitamine, Spurenelemente und Wasser. Kohlenhydrate und Fette können sich teilweise als Energieträger ersetzen. Dabei müssen jedoch der Bedarf an essenziellen Fettsäuren sowie weitere physiologische Funktionen der Nährstoffe berücksichtigt werden.
Ein Teil der Ballaststoffe wird im Colon bakteriell fermentiert. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren wie Acetat, Propionat und Butyrat, welche die Enterozyten mitversorgen. Die Ernährung hat entsprechend einen großen Einfluss auf die Darmflora.
Energiehaushalt
Der Energiegehalt der Nährstoffe beträgt:[2]
- Kohlenhydrate und Proteine: je 17 kJ (4 kcal)/g
- Fette: 37 kJ (9 kcal)/g
- Alkohol: 29 kJ (7 kcal)/g
- Ballaststoffe: 8 kJ (2 kcal)/g
Der Energiebedarf setzt sich aus Grundumsatz, Leistungsumsatz und nahrungsinduzierter Thermogenese (ca. 10 % des Gesamtumsatzes, bei Protein am höchsten) zusammen. Zusätzlicher Bedarf besteht bei Wachstum, Schwangerschaft und Stillzeit.
Der Ruheenergieverbrauch (REE) in kcal pro Tag lässt sich nach der Müller-Formel abschätzen:
Die Relation von Energieaufnahme und -verbrauch wird als Energiebilanz bezeichnet. Eine längerfristig positive Bilanz begünstigt eine Zunahme, eine negative Bilanz eine Abnahme der Körpermasse. Körpergewicht und Körperzusammensetzung werden daneben durch hormonelle, genetische, psychosoziale und umweltbedingte Faktoren beeinflusst.
Ernährungsempfehlungen
Die lebensmittelbezogenen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sehen für gesunde Erwachsene vor:[3]
- rund 1,5 l kalorienfreie Getränke täglich, bevorzugt Wasser
- mindestens 5 Portionen Obst und Gemüse täglich
- mindestens 1 Portion Hülsenfrüchte pro Woche, täglich eine Handvoll Nüsse (ca. 25 g)
- Bevorzugung von Vollkornprodukten und pflanzlichen Ölen
- maximal 300 g Fleisch und Wurst pro Woche, 1–2 Portionen Fisch pro Woche
- insgesamt mehr als drei Viertel pflanzliche Lebensmittel
Die Weltgesundheitsorganisation formuliert quantitative Zielwerte: mindestens 400 g Obst und Gemüse pro Tag, Gesamtfett unter 30 %, gesättigte Fettsäuren unter 10 % und Transfettsäuren unter 1 % der Energiezufuhr, freie Zucker unter 10 % (günstiger unter 5 %) sowie weniger als 5 g Salz pro Tag.[4]
Referenzwerte beschreiben den Bedarf auf Gruppenebene; für Lebensphasen wie Kindheit, Schwangerschaft oder höheres Lebensalter sowie bei Erkrankungen gelten abweichende Empfehlungen.[5]
Klinik
Eine von den physiologischen Erfordernissen abweichende Ernährung wird als Fehlernährung bzw. Malnutrition bezeichnet:
| Form | Charakteristikum |
|---|---|
| Mangelernährung | unzureichende Zufuhr oder Verfügbarkeit von Energie, Protein oder anderen Nährstoffen |
| Unterernährung | unzureichende Energiezufuhr im Verhältnis zum Bedarf |
| Überernährung | Energiezufuhr oberhalb des Energiebedarfs |
| Mikronährstoffmangel | unzureichende Versorgung mit einzelnen Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen |
Merke: Die Formen schließen sich nicht aus. Bei Adipositas können gleichzeitig Defizite einzelner Mikronährstoffe bestehen.
Ernährung ist ein modifizierbarer Einflussfaktor unter anderem bei folgenden Erkrankungen:
- Adipositas
- Diabetes mellitus Typ 2
- arterielle Hypertonie
- Dyslipidämie
- metabolisches Syndrom
- kardiovaskuläre Erkrankungen
- Osteoporose
Ein Mikronährstoffmangel entsteht durch geringe Zufuhr, erhöhten Bedarf, Malabsorption, erhöhte Verluste oder medikamentöse Interaktionen. Häufig sind Eisenmangel, Vitamin-B12-Mangel, Folsäuremangel und Vitamin-D-Mangel. Die Abklärung erfolgt über Ernährungsanamnese, klinische Untersuchung und gezielte Labordiagnostik.
Ernährungsmedizin
Ernährungsmedizinische Interventionen richten sich nach Diagnose, Ernährungszustand und individuellem Bedarf. Dazu zählen die Anpassung von Energiezufuhr und Makronährstoffrelation, die Optimierung der Proteinversorgung, die Substitution nachgewiesener Mikronährstoffdefizite sowie krankheitsspezifische Kostformen. Ist eine orale Zufuhr nicht ausreichend möglich, kommen enterale oder parenterale Ernährung zum Einsatz.
Quellen
- ↑ Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, abgerufen am 01.09.2026
- ↑ Deutsche Gesellschaft für Ernährung: FAQ Energiezufuhr, abgerufen am 01.09.2026
- ↑ Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Gut essen und trinken – die DGE-Empfehlungen, abgerufen am 01.09.2026
- ↑ World Health Organization: Healthy diet, abgerufen am 28.08.2026
- ↑ European Food Safety Authority (EFSA): Nährstoffaufnahme-Referenzwerte, abgerufen am 28.08.2026.