Anorexie
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LoslegenSynonyme: Appetitlosigkeit, Inappetenz
Englisch: anorexia
Definition
Anorexie, wörtlich "Appetitlosigkeit", ist ein Allgemeinsymptom, das den weitgehenden oder vollständigen Verlust des Verlangens nach Nahrungsaufnahme beschreibt. Es kann im Rahmen zahlreicher somatischer und psychischer Erkrankungen auftreten.
Terminologie
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff häufig – fachlich inkorrekt – als Synonym für die Anorexia nervosa verwendet; diese stellt jedoch ein eigenständiges Krankheitsbild dar, bei dem trotz vorhandenem Hungergefühl die Nahrungsaufnahme aktiv eingeschränkt wird.
siehe auch: Inappetenz
Hintergrund
Regulation von Hunger und Appetit
Die Steuerung von Hunger- und Sättigungsgefühl erfolgt über ein komplexes Zusammenspiel zentraler und peripherer Signale, deren Integrationszentrum im Hypothalamus liegt. Periphere orexigene (appetitsteigernde) und anorexigene (appetithemmende) Hormone wie Ghrelin und Leptin modulieren dort die neuronale Aktivität. Bei chronisch-entzündlichen und malignen Erkrankungen setzen Immunzellen proinflammatorische Zytokine (u. a. TNF-α, IL-1, IL-6) frei, die zentral appetithemmend wirken und wesentlich zur Tumoranorexie beitragen.[1]
Ursachen
Anorexie kann als Begleitsymptom bei einer Vielzahl von Erkrankungen auftreten, u. a. bei:
- psychischen Störungen: Depression, Magersucht, Angststörungen
- Infektionskrankheiten (z. B. Tbc, HIV)
- Tumorerkrankungen (Tumorkachexie) oder anderen auszehrenden Erkrankungen
- endokrinen Störungen (z. B. Hyperthyreose, Nebenniereninsuffizienz)
- chronischen Organinsuffizienzen (Herz-, Nieren-, Leberinsuffizienz)
- neurodegenerativen Erkrankungen (z. B. Chorea Huntington, Demenz)
- Medikamenteneinahme (z. B. Chemotherapeutika, Opioide, Digoxin, SSRI)
- schwerem Drogenmissbrauch
In höherem Alter kann eine Anorexie als Altersanorexie physiologisch sein.[2]
Diagnostik
Die Abklärung erfolgt anhand einer ausführlichen Anamnese (Dauer, Gewichtsverlauf, Medikamente, psychosoziale Situation) sowie einer körperlichen Untersuchung. Ergänzend werden je nach Verdacht Laborwerte (u. a. Elektrolyte, Albumin, TSH, Blutbild) sowie eine gezielte Bildgebung zum Ausschluss maligner oder infektiöser Ursachen veranlasst.
Komplikationen
Eine anhaltende Anorexie kann lebensgefährliche Folgen haben. Sie ruft einen Nährstoffmangel hervor, der zu einem kompensatorischen Abbau von Körpergeweben führt; hält dieser Zustand über einen längeren Zeitraum an, kommt es zu einem Marasmus. Parallel dazu entsteht häufig ein Elektrolytmangel, der u. a. Herzrhythmusstörungen auslösen kann.
Bei rascher Wiederernährung nach längerer Anorexie besteht das Risiko eines Refeeding-Syndroms mit potenziell lebensbedrohlichen Elektrolytverschiebungen.
Therapie
Im Vordergrund steht die Behandlung der auslösenden Grunderkrankung. Unterstützend kommen ernährungstherapeutische Maßnahmen (z. B. Anpassung der Kostform, orale Trinknahrung, ggf. enterale oder parenterale Ernährung) sowie – in ausgewählten Fällen, insbesondere bei Tumoranorexie – medikamentöse Appetitstimulanzien (z. B. Gestagene, Kortikosteroide) zum Einsatz.[3]
Quellen
- ↑ Ezeoke und Morley, Pathophysiology of anorexia in the cancer cachexia syndrome, J Cachexia Sarcopenia Muscle, 2015
- ↑ Martone et al., Anorexia of aging: a modifiable risk factor for frailty, Nutrients, 2013
- ↑ AWMF-Leitlinie 073-006OL, abgerufen am 02.09.2026