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Marasmus

von griechisch: μαρασμός - schwach werden
Englisch: marasmus

1 Definition

Marasmus ist eine schwere Erkrankung, die in Folge einer chronischen quantitativen Mangelernährung entsteht, also durch eine dauerhaft ungenügende Kalorienzufuhr. Bei den betroffenen Patienten besteht ein schwerer Protein- und Energiemangel.

ICD-10-Code: E41 und E42

2 Vorkommen

Betroffen sind hauptsächlich Kinder unter 5 Jahren in den Entwicklungsländern, doch auch ältere Kinder und Erwachsene können betroffen sein. In Industrieländern kann der Marasmus auch in Folge von Essstörungen auftreten.

3 Klinik

3.1 Symptome

Die Kinder sind massiv untergewichtig, sozusagen nur noch „Haut und Knochen“. Unterhautfettgewebe sowie Depot- und Baufett sind kaum noch vorhanden. Das Gesicht ist eingefallen (fehlender Wangenfettpfropf) und wirkt vorgealtert (Bulbuseinfall). Ausserdem besteht häufig durch das fehlende Fett ein Analprolaps.

Die Gelenke wirken durch die dünnen Arme und Beine aufgetrieben. Die Haut ist trocken und am Gesäß bilden sich herunterhängende Falten (Tabaksbeutelgesäß oder Baggy Pants genannt). Durch Meteorismus, Wurmbefall und/oder durch den abfallenden Muskeltonus der Bauchdecke ist das Abdomen oft vorgewölbt. Die Kinder sind wach, reagieren adäquat auf äußere Reize und äußern Hungergefühle.

3.2 Begleiterkrankungen bzw. -symptome

4 Therapie

4.1 Akuttherapie

4.2 Hypoglykämie

Mit 10% Glucoselösung kann begonnen werden. Danach ist es nötig, das Kind mindestens einen Tag lang alle zwei Stunden (auch nachts) zu füttern, um einer weiteren Hypoglykämie vorzubeugen.

4.3 Dehydratation

Die Dehydratation kann nicht mit der Standard-WHO-ORS-Lösung behandelt werden, da sie zu viel Natrium enthält. Mangelernährte Kinder sind latent herzinsuffizient, so dass zuviel Natrium das Herz zu stark belasten würde. Es muss eine modifizierte Lösung (wenig Natrium, viel Kalium) wie zum Beispiel ReSoMal oral gegeben werden.

4.4 Hypothermie

Es müssen Kleidung und Decken gegeben werden. Da die Hypothermie ursächlich durch die mangelnde Verbrennung von Nährstoffen entsteht, ist die Fütterung nötig. Bei mangelernährten Kindern kann eine Hypothermie auch Zeichen einer Infektion sein.

4.5 Therapie 1. – 7. Tag

  • Elektrolythaushalt: Im Falle von Entgleisungen müssen diese entsprechend behandelt werden.
  • Infektionen: Da das Immunsystem stark geschwächt ist, sind Infektionen häufig schwer zu erkennen. Deshalb sollten alle mangelernährten Kinder mit einem Breitspektrumantibiotikum behandelt werden.
  • Spurenelemente: sollten vom ersten Tag an kontinuierlich gegeben werden, anfangs ohne Eisen, ab der zweiten Woche etwa dann mit Eisen.
  • Zuwendung: Es ist wichtig, dass das Kind mit äußeren Reizen stimuliert wird, zum Beispiel durch Spielen
  • Anfangsfütterung: Entweder man nimmt fertige Produkte (zum Beispiel F-75), oder falls diese nicht zur Verfügung stehen, kann man auch einen Möhren-Reisbreischleim kochen. Die Mengen müssen langsam gesteigert werden.
    • häufige Fütterung an den ersten zwei Tagen alle zwei Stunden, auch nachts
    • nur orale Gabe oder über Nasensonde, keine parenterale Gabe
    • anfangs nicht mehr als 100 kcal/ kg/ Tag
    • 1-1,5g Proteine/ kg/ Tag
    • 130 ml Flüssigkeit /kg/ Tag

4.6 Therapie ab der 2. Woche

Die Protein- und Kalorienzufuhr muss weiter gesteigert werden, so dass eine für das entsprechende Alter normale Körpergröße erreicht werden kann (Catch-up).


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