Schlundbogen
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LoslegenSynonyme: Viszeralbogen, Branchialbogen, Pharyngealbogen, Arcus branchialis, Arcus pharyngeus
Englisch: branchial arch, visceral arch, pharyngeal arch
Definition
Die Schlundbögen bzw. Kiemenbögen sind paarige, segmental angeordnete Vorwölbungen an der Seitenfläche des embryonalen Kopfes. Sie bestehen außen aus Ektoderm, innen aus Endoderm und enthalten Neuralleisten- und Mesodermzellen.[1][2]
Terminologie
In der Humanembryologie ist die Bezeichnung "Schlundbogen" treffender als "Kiemenbogen". Sie beschreibt die Lage der Anlagen im Bereich des embryonalen Pharynx, ohne eine spätere Kiemenbildung zu implizieren. Die historisch gebräuchliche Begriff "Kiemenbogen" bezieht sich auf analoge Strukturen aquatischer Wirbeltiere. Beim Menschen entwickeln sich jedoch zu keinem Zeitpunkt Kiemen.[3]
Einteilung
Die Schlundbögen werden wie folgt eingeteilt:
- 1. Schlundbogen (Mandibularbogen)
- 2. Schlundbogen (Hyoidbogen)
- 3. Schlundbogen (Pharyngobranchialbogen)
- 4. Schlundbogen
- 6. Schlundbogen
Die lückenhafte Nummerierung basiert auf der Annahme eines transienten 5. Schlundbogens, dessen Existenz jedoch nie zweifelsfrei nachgewiesen wurde. Einige Autoren schlagen daher vor, die bestehenden Schlundbögen einfach in aufsteigender Reihenfolge als 1 bis 5 neu zu nummerieren.[4] Alternativ wird eine deskriptive Bezeichnung als mandibulärer, hyoidaler, karotider, aortaler und pulmonaler Bogen gefordert.[1][2]
Entstehung
Die Schlundbögen entstehen durch Wucherungen des Mesenchyms zwischen der 3. und 5. Woche der Embryonalentwicklung. Von außen werden die Bögen durch vier ektodermale Schlundfurchen (Sulci pharyngei), von innen durch vier endodermale Schlundtaschen (Sacci pharyngei) gegliedert; Schlundfurchen und Schlundtaschen liegen einander gegenüber.[5][2] In sie wandern Zellen der ebenfalls segmental gegliederten Rhombomere der Neuralleiste ein.
Beim Menschen entstehen fünf Schlundbögen. Zunächst bilden sich der 1. und 2. Schlundbogen, danach der 3. und 4. Schlundbogen aus. Der 2. Schlundbogen überwächst im Laufe der 6. Woche den 3. und 4. Schlundbogen, die passager den Boden des Sinus cervicalis bilden.
Derivate
Die Schlundbögen bestehen aus äußerem Ektoderm, innerem Endoderm, Neuralleistenzellen und Mesoderm. Ihnen sind segmental jeweils Schlundbogennerven und Schlundbogenarterien zugeordnet. Eigenständige Knorpel- und Muskelanlagen sind jedoch nicht für alle Bögen nachweisbar, insbesondere nicht für die kaudalen Schlundbögen.[6][2] Diese branchiogenen Strukturen bleiben zum Teil erhalten und können einem Schlundbogen zugeordnet werden. Dabei existieren in der Literatur jedoch widersprüchliche Angaben. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über ihre Zuordnung zu den verschiedenen Schlundbögen (KB).
Aus dem Entoderm der vier Schlundtaschen entstehen folgende Derivate:
- Tuba auditiva
- primäre Paukenhöhle
- Trommelfell (teilweise)
- Tonsilla palatina
- Glandula parathyreoidea
- Thymus
- C-Zellen der Schilddrüse
Das Ektoderm der ersten Schlundfurche entwickelt sich zu äußerem Gehörgang und Teilen des Trommelfells. Die zweiten bis vierten Schlundfurchen werden in den Sinus cervicalis verlagert und obliterieren.
Aus dem Ektoderm und Entoderm des ersten Schlundbogens entwickeln sich außerdem die Schleimhaut und Drüsen der vorderen zwei Drittel der Zunge. Das hintere Drittel entsteht aus der Fusionsstelle des zweiten und dritten Schlundbogens (Copula) und aus Anteilen des vierten Schlundbogens. Es besteht nur aus endodermalen Anteilen.
Innervation
Die efferente Innervation der Schlundbogenmuskulatur wird als speziell-viszeromotorisch bzw. branchiomotorisch bezeichnet. Afferent werden die Schlundbogenderivate speziell-viszerosensibel innerviert.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Terminologia Embryologica, 2. Auflage, abgerufen am 08.09.2026
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Graham et al., A revised terminology for the pharyngeal arches and the arch arteries, Journal of Anatomy, 2023
- ↑ Graham A et al. A revised terminology for the pharyngeal arches and the arch arteries. J Anat. 2023;243(4):564–569.
- ↑ Graham A, Poopalasundaram S, Shone V, Kiecker C. A reappraisal and revision of the numbering of the pharyngeal arches. J Anat. 2019 Dec;235(6):1019-1023. doi: 10.1111/joa.13067. Epub 2019 Aug 11. PMID: 31402457; PMCID: PMC6875933.
- ↑ Terminologia Embryologica, 2. Auflage, Sacci pharyngei, abgerufen am 08.09.2026
- ↑ 6,0 6,1 6,2 6,3 Poopalasundaram et al., Diminution of pharyngeal segmentation and the evolution of the amniotes, Zoological Lett, 2019
- ↑ 7,0 7,1 7,2 de Bakker BS et al., The development of the human hyoid-larynx complex revisited, Laryngoscope, 2018