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Thymus

Synonyme: Bries, "Thymusdrüse"
Englisch: thymus

1 Definition

Der Thymus ist ein primäres lymphatisches Organ, das im oberen Mediastinum liegt.

2 Anatomie

Der Thymus besteht aus zwei asymetrischen Lappen, die miteinander in Verbindung stehen. Er liegt im oberen Mediastinum hinter dem Sternum und ventral dem Herzbeutel auf. Beim Neugeborenen wiegt der Thymus ca. 10-15 g und erreicht in der Pubertät, mit dem Höhepunkt seiner Entwicklung, ein Gewicht von 35-50 g. Nach der Pubertät verfettet der Thymus (Thymusinvolution) und bildet sich im Laufe der Jahre zunehmend zurück, so dass er beim Erwachsenen makroskopisch meist nicht mehr klar abgegrenzt werden kann (Thymusfettkörper). Entsprechend unterscheidet man histologisch 3 Entwicklungstadien des Thymus:

  • Thymus epithelialis (Embryo)
  • Thymus lymphaticus (Geburt bis zur Pubertät)
  • Thymus adiposus bzw. Corpus adiposum retrosternale (nach der Pubertät bzw. Erwachsenenalter)

2.1 Gefäßversorgung

Die arterielle Versorgung des Thymus erfolgt über die Rami thymici aus der Arteria thoracica interna. Für den venösen Abfluss sind die Venae thymicae verantwortlich.

2.2 Lymphabfluss

Die efferenten Lymphbahnen münden in die mediastinalen Lymphknoten.

2.3 Innervation

Die Innervation ist überwiegend sympathisch (noradrenerg). Die Zellkörper der efferenten Nervenzellen sind in den Halsganglien des Truncus sympathicus lokalisiert.

3 Histologie

Der Thymus ist von einer Organkapsel aus kollagenem Bindegewebe umgeben. Im fetalen Thymus ist die Gliederung in Rinde und Mark deutlich erkennbar. Die dunklere Rindenzone ist von dicht gelagerten Lymphozyten besiedelt, die sich hier differenzieren. Im helleren Mark befinden sich reife T-Lymphozyten, Makrophagen und Epithelzellen. Letztere ordnen sich häufig in typischen Gruppen an und bilden die sog. Hassall-Körperchen.

Nach der Pubertät wird das Parenchym durch Fettgewebe ersetzt (Thymusinvolution). Die Gliederung in Läppchen und die Abgrenzung in Rinde und Mark ist nur noch schwer möglich.

Merkhilfe
"Helles Mark, und dunkle Rinde - gibt's im Thymus, von 'nem Kinde.

In Pseudoläppchen unterteilt: das Mark, in dem Hassall verweilt.
Im Epithele - groß und hell - bildet aus: die Ammenzell'!"

4 Embryologie

Ab der 6. Schwangerschaftswoche entwickeln sich aus der 3. und 4. Schlundtasche des Entoderms zwei Thymusanlagen, die miteinander verschmelzen und vom Halsbereich ins Mediastinum absteigen. Die ersten Lymphozyten wandern Ende der 10. Woche aus dem Dottersack in den Thymus ein und proliferieren hier.

Im Gegensatz zu den übrigen lymphatischen Organen, die mesodermaler Herkunft sind, entwickelt sich der Thymus aus allen drei Keimblättern. Er wird daher als lymphoepitheliales Organ bezeichnet.

5 Funktion

Der Thymus dient der Ausreifung und Differenzierung der T-Lymphozyten. Während der Fetalzeit wandern Lymphozyten aus dem Knochenmark in den Thymus ein und erhalten hier durch Interaktion mit Thymusepithelzellen ihre immunologische Prägung. Dieser Prozess wird als Thymopoese bezeichnet. Hier finden zwei Selektionsschritte statt:

  • Positive Selektion: Thymozyten, die eine schwache Bindung mit MHC-Molekülen eingehen, überleben; alle anderen werden apoptotisch abgebaut. Die Interaktion reifer T-Lymphozyten mit MHC-Molekülen ist für ihre Funktion essentiell.
  • Negative Selektion: Positiv selektierte Thymozyten, die körpereigene Peptide binden, werden apoptotisch abgebaut.

Bei diesem Vorgang sterben mehr als 90% der Zellen. Der Rest verlässt den Thymus als naive T-Lymphozyten, die zu diesem Zeitpunkt noch keinen Kontakt zu Antigenen hatten. Sie wandern über das Blut in die sekundär lymphatischen Organe und stehen dort in den T-Zell-Regionen im Dienste der Immunabwehr. Die Blut-Thymus-Schranke verhindert während der Ausreifung den Kontakt zu körperfremden Antigenen.

6 Klinik

6.1 Erkrankungen

Zu den Erkrankungen des Thymus zählen unter anderem:

6.2 Pharmakologie

Aus dem Thymus können verschiedene Peptide isoliert werden. Zu ihnen zählen unter anderem Thymomodulin, Thymostimulin (TP-1), Thymopentin (TP-5), Thymus-Serum-Faktor (THF) und Thymosine (z. B. Thymosin α1, Thymosin β4). Ihre therapeutische Wirkung ist zur Zeit (2011) Gegenstand der klinischen Forschung.

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