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Induratio penis plastica

nach François de la Peyronie (1678 bis 1747), französischer Chirurg
Synonyme: Morbus Peyronie, Peyronie-Krankheit, Penisfibromatose, erworbene Penisverkrümmung, IPP
Englisch: Peyronie's disease

1 Definition

Als Induratio penis plastica, kurz IPP, bezeichnet man die flächenhafte, vor allem am Penisrücken (Dorsum penis) vorliegende Vermehrung von Bindegewebe, Collagen und elastischen Fasern, mit einer zunehmenden Verhärtung des Penisschaftes.

2 Symptomatik

Der Patient bemerkt langsam sich entwickelnde Abknickung des Penis während der Erektion. Meist tritt während der Erektion ein punktueller Schmerz von geringer Intensität auf. Die tastbare Verhärtung lässt Paienten oft einen Tumor befürchten und führt ihn zum Arzt. Kohabitationsstörungen stellen sich meist erst später ein.

In ungefähr einem Drittel der Fälle bestehen Erektionsstörungen aufgrund mechanischer Behinderung durch die Narbenplatte. Diese Rate steigt an, je länger die Erkrankung besteht.

3 Verlauf

Die Erkrankung nimmt ihren Ursprung häufig kurz hinter der Glans penis und schreitet gelegentlich bis zur Symphysis pubica fort. Die bindegewebigen Vermehrungen finden sich dabei vor allem in der Tunica albuginea und im Septum penis. Es kann zu Kalkablagerungen im Bindegewebe, zur ektopischen Verknorpelung oder Verknöcherung (Penisknochen) kommen.

Gelegentlich tritt die Induratio penis plastica in Verbindung mit einer Dupuytren-Kontraktur auf.

4 Diagnostik

Die Diagnose wird durch die typische Anamnese und Palpation meist ausreichend gesichert werden. Die Sonographie des Penis ist eine gute Ergänzung. MRT oder CT sind wenig hilfreich, da die Darstellung selbst großer Narbenstrukturen mit diesen Verfahren schwierig ist.

5 Therapie

Da die Ursache der Induratio penis plastica unbekannt ist, haben die meisten konservativen Therapieversuche keine nachvollziehbare Rationale. Viele Wirkstoffe sind nach den vorliegenden klinischen Studien entweder völlig oder nahezu wirkungslos. Von den 2012 aktualisierten Leitlinien der EAU werden sie folgerichtig nur noch sehr vorsichtig empfohlen.[1]

Das Narbenstadium stellt bereits den Endpunkt der Erkrankung dar, die Pathomechanismen laufen vermutlich bereits deutlich früher ab. Daher kommt die konservative Therapie wahrscheinlich in der Regel zu spät.

5.1 Konservative Therapie

5.1.1 Medikamentöse Therapie

Am Anfang kann bei Vorliegen von Schmerzen eine symptomatische Besserung mit Diclofenac, Vitamin E oder Enzympräparaten (z.B. Bromelain, Hyaluronidase) erreicht werden. Therapieziel bei dieser Behandlung ist die Schmerzfreiheit, ohne dass sich die IPP deutlich zurückbildet. Bei rein entzündlicher Genese können sich die Verhärtungen und die Verbiegung unter Umständen zurückbilden.

Weitere systemische medikamentöse Therapieansätze sind:

Lokal als Injektion kommen zur Anwendung:

5.1.2 Nicht-medikamentöse Therapie

  • Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT, Verfahren in Erprobung): Die ESWT kann helfen, starke Schmerzen zu lindern. Sie sollte jedoch mit Vorsicht angewendet werden, da bei falscher Anwendung zusätzliche Gewebeschäden resultieren können.
  • Ultraschalltherapie
  • Strahlentherapie: Diese belastet den Körper - gerade in der Nähe der Hoden - mit Strahlung und sollte aufgrund der unbefriedigenden Ergebnisse nicht mehr eingesetzt werden.

5.2 Operative Therapie

5.2.1 Indikationsstellung

Die Entscheidung zum operativen Vorgehen ist maßgeblich vom Leidensdruck des Patienten abhängig, sollte aber nicht in den ersten 6 Monaten nach Erstmanifestation erfolgen. Es darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass die Therapie schwieriger wird, je länger die Narbenplatte besteht. Ein zügiges Vorgehen kann in schweren Fällen angezeigt sein, um die Organfunktion zu erhalten.

Wie bei anderen Operationen besteht neben den allgemeinen Operationsrisiken (Blutung, Infektionen usw.), die Gefahr der Verschlechterung des Befundes und die Möglichkeit von Rezidiven.

5.2.2 Verfahren

Als OP-Verfahren kommen u.a. zum Einsatz:

  • Raffplastiktechniken (z.B. Raffplastik nach Nesbit): Diese Korrigieren alleine das Symptom der Verkrümmung durch Einkürzen der längeren Penisseite. Der Erkrankungsherd bleibt vollständig bestehen. Es kommt zum Teil zu erheblicher Penisverkürzung.
  • Inzisionsbehandlung (Operation nach Devine und Horton; modifiziert nach Egydio). Auch hier wird der Erkrankungsherd vollständig belassen, jedoch die verkürzte Seite verlängert.

Sowohl Rafftechniken als auch Inzisionsbehandlung haben den Vorteil der recht einfachen Durchführbarkeit auch ohne Spezialisierung des Operateurs, allerdings den entscheidenden Nachteil, dass die Narbenplatte belassen wird. Diese neigt zu weiterem mechanischen Wachstum und zum erneuten Hervorrufen von Symptomen.

Die Langzeitergebnisse werden im Review als eher schlecht beurteilt. In 39% der Fälle kam es zum Auftreten von Erektionsstörungen. Diese Ergebnisse sind schlechter als bislang angenommen, was an zu kurzen Nachbeobachtungszeiträumen in der Vergangenheit lag.[2]

  • Exzisionsbehandlung mit Rekonstruktion. Mit diesem aufwendigen Verfahren wird die Narbenstruktur entfernt und der Schwellkörper danach mittels Grafting wieder rekonstruiert, der Defekt wird also zunächst entfernt und der Schwellkörper mittels eines Kollagentransplantats wieder aufgebaut. Dieses wird vom Körper in körpereigenes Gewebe umgewandelt.
  • Korporoplastik mit Penisprothese. Diese Methode wird angewendet, wenn der Patient bereits an deutlichen Erektionsstörungen leidet. Da eine Prothesenimplantation ein endgültiger Schritt ist, muss diese Therapiemöglichkeit mit dem Patienten abgewogen werden.

6 Quellen

  1. Internationale Leitlinien der EAU
  2. Florian Wimpissinger: Therapie per induratio penis plastica: Tempus fugit, morbus manet? Urologik, 29.03.2011

Fachgebiete: Urologie

Danke für den Hinweis. Links erneuert.
#2 vor 8 Tagen von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
alle drei links funktionieren leider nicht aber die Studie der KAR habe ich hier gefunden http://wimpissinger.net/downloads/articles/03.pdf
#1 vor 17 Tagen von Niklas Karazman (Student der Humanmedizin)

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