Mikrotrauma
Synonym: Mikroläsion
Englisch: microtrauma
Definition
Ein Mikrotrauma ist eine geringfügige, subklinische Gewebeschädigung (Trauma), die durch äußere oder innere Einwirkung entsteht. In der Psychologie wird der Begriff genutzt, um psychische Schäden durch wiederholte emotionale oder psychische Belastungen zu beschreiben.
siehe auch: Mikrotrauma (Psychologie)
Physiologie
Mikrotraumata entstehen durch mechanische Grenzbelastungen eines Gewebes, die zu minimalen zellulären und extrazellulären Strukturschäden führen. Betroffen sind vor allem Muskel-, Sehnen- und Knochengewebe. Bei starker Inanspruchnahme des Bewegungsapparats sind sie ein physiologisches Phänomen, das sich zum Beispiel als Muskelkater bemerkbar macht.
Typische morphologische Korrelate sind Mikrorupturen von Muskelfasern oder Kollagenfasern und die Freisetzung intrazellulärer Enzyme (z. B. Kreatinkinase). Diese Vorgänge triggern eine lokale Entzündungsreaktion mit Aktivierung von Zytokinen und Prostaglandinen sowie Rekrutierung von Entzündungszellen (z. B. Makrophagen)
Im Rahmen der Gewebereparatur kommt es zu einer Neusynthese von Kollagen (v. a. Typ-I-Kollagen in Sehnen) und zu einem belastungsinduzierten Remodelling. Dadurch erfolgt eine funktionelle Anpassung des Gewebes an die erhöhte Belastung, die man als adaptive Superkompensation bezeichnet.
Pathophysiologie
Bei unzureichender Regenerationszeit oder chronischer Überlastung akkumulieren die Gewebeschäden – die Gewebereorganisation wird gestört. Rezidivierende Mikrotraumen können so – wenn sie über einen ausreichend langen Zeitraum auf Gewebestrukturen einwirken – klinisch relevante Veränderungen auslösen, ohne dass vorher Warnsignale (z.B. Schmerzen) aufgetreten sind. Die Folge sind degenerative Veränderungen, die klinisch z.B. als Tendinopathie manifest werden. Im Knochengewebe induzieren Mikrotraumata ein Ungleichgewicht zwischen Osteoklasten- und Osteoblastenaktivität, was bei anhaltender Belastung zu Stressfrakturen führen kann.
Trivia
Als Pluralformen sind laut Duden sowohl "Mikrotraumen" als auch "Mikrotraumata" zulässig.