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Arterielle Hypertonie

Synonym: Bluthochdruck
Abkürzung: aHT
Englisch: hypertension, arterial hypertension

1 Definition

Nach WHO-Kriterien spricht man von einer arteriellen Hypertonie, wenn dauerhaft und situationsunabhängig ein systolischer Blutdruck höher als 140 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck größer als 90 mmHg vorliegt.

Ein systolischer Blutdruck höher als 120 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck höher als 80 mmHg gilt als grenzwertig.

2 Epidemiologie

Die Prävalenz der arteriellen Hypertonie in westlichen Industrieländern ist relativ hoch. Die Angaben in den verschiedenen epidemiologischen Studien weichen jedoch teilweise deutlich voneinander ab. Eine Studie aus dem Jahr 2003, die in 6 Europäischen Ländern, Kanada und den USA durchgeführt wurde, gibt die Prävalenz der Hypertonie in Europa mit 44% der Bevölkerung über 35 Jahre an. Für die USA wird eine Prävalenz von 28% angegeben. Als grobe Näherung lässt sich sagen, dass

  • im Alter zwischen 45-54 Jahren 20-30%,
  • im Alter zwischen 55-64 Jahren 30-40% und
  • im Alter zwischen 65-74 Jahren 40-50%

der Bevölkerung in Europa unter Bluthochdruck leiden.

Blutdruckmessung

3 Einteilung

Die arterielle Hypertonie lässt sich nach sehr vielen verschiedenen Aspekten einteilen, die teils eher pathophysiologisch, teils eher klinisch geprägt sind.

3.1 Einteilung nach Ursache

Primäre Hypertonie: Hypertonie, die ohne erkennbare Ursachen entsteht. Sie wird auch als essentielle Hypertonie bezeichnet. Sie stellt den überwiegenden Anteil der Hypertonie-Fälle bei Erwachsenen dar (ca. 85%). Bei Kindern ist genau das Gegenteil der Fall.

Sekundäre Hypertonie: Darunter versteht man eine Hypertonie, die als Folge einer anderen Grunderkrankung auftritt, bzw. von nachweisbaren Faktoren ausgelöst wird. Die sekundäre Hypertonie stellt den kleineren Anteil der Fälle bei Erwachsenen dar (ca. 15%). Bei Kindern ist genau das Gegenteil der Fall. Mögliche Ursachen sind:

Nicht zur chronischen arteriellen Hypertonie werden vorübergehende Blutdruckerhöhungen gezählt, die u.a. durch folgende Ursachen ausgelöst werden:

3.2 Einteilung nach ESH

Die ESH ("European Society of Hypertension", Europäische Hochdruck-Gesellschaft) nimmt eine Einteilung der Hypertonie nach der Höhe des Blutdruckwerts vor:

Grad Systolischer RR Diastolischer RR
Grad 1 (mild) 140-159 mmHg 90-99 mmHg
Grad 2 (moderat) 160-179 mmHg 100-109 mmHg
Grad 3 (schwer) ≥ 180 mmHg > 110 mmHg

3.3 Einteilung nach WHO

Die Hypertonie läßt sich je nach Organschädigung von Gefäßen, Augen, Herz, Nieren etc. in nach den Empfehlungen der WHO in 3 Grade einteilen:

Grad Organschädigung
Grad I Hypertonie ohne Endorganschäden
Grad II Hypertonie mit Endorganschäden (z.B. Fundus hypertonicus (Grad I und II), Plaquebildung in größeren Gefäßen)
Grad III Hypertonie mit manifesten kardiovaskulären Folgeerkrankungen (z.B. Angina pectoris, Herzinfarkt, Hirninfarkt, pAVK)

3.4 Einteilung nach AWMF

Die Definition und Klassifikation der Blutdruckwerte in den Leitlinien zur Behandlung der arteriellen Hypertonie folgen den WHO-Definitionen.

Kategorie systolisch (mmHg) diastolisch (mmHg)
Optimaler Blutdruck < 120 < 80
Normaler Blutdruck 120–129 80–84
Hoch-normaler Blutdruck 130–139 85–89
Milde Hypertonie (Grad 1) 140–159 90–99
Mittlere Hypertonie (Grad 2) 160–179 100–109
Schwere Hypertonie (Grad 3) ≥ 180 ≥ 110
Isolierte systolische Hypertonie > 140 < 90
  • Fallen bei einem Patienten systolischer und diastolischer Blutdruck in unterschiedliche Kategorien, sollte die höhere Kategorie angewendet werden.
  • Die isolierte systolische Hypertonie sollte in Abhängigkeit von der Höhe des systolischen Blutdrucks in drei Grade eingeteilt werden:
    • Grad 1: 140-159
    • Grad 2: 160-179
    • Grad 3: ≥180 mmHg
  • Bei isolierter systolischer Hypertonie ergibt sich bei auffällig niedrigem diastolischen Blutdruck (z.B. 60-70 mmHg) ein besonderes Risiko.

3.5 Weitere Einteilungen

  • Form der Blutdruckerhöhung
    • Isolierte systolische Hypertonie
    • Isolierte diastolische Hypertonie
    • Kombinierte systolisch-diastolische Hypertonie
  • Zeitlicher Verlauf der Hypertonie

4 Pathogenese

Die Pathogenese der primären Hypertonie ist so komplex, dass sie bislang nicht vollständig geklärt werden konnte. Ein Grund dafür ist, dass der Blutdruck von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Dazu zählen unter anderem das zirkulierende Blutvolumen, die Blutviskosität, das Herzzeitvolumen, die Gefäßelastizität, der Gefäßquerschnitt und die hormonelle (Renin) und neuronale Stimulation des Gefäßtonus.

Pathogenetisch lassen sich folgende Formen differenzieren:

4.1 Herzzeitvolumenhochdruck

Hier wird das Herzzeitvolumen durch nicht vom Herzen ausgehende Einflüsse erhöht. Prominent ist der Herzzeitvolumen-Hochdruck bei der Hyperthyreose. Hierbei regen die Schilddrüsenhormone zur vermehrten Expression von beta-Rezeptoren an, wodurch der Angriff von Katecholaminen auf entsprechende Rezeptoren am Herzen (deutlich) vereinfacht wird.

4.2 Widerstandshochdruck

Dabei wird der Blutdruck durch Vasokonstriktion erhöht. Dies ist unter anderem bei Nierenerkrankungen der Fall, wo das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System verstärkt aktiviert wird.

4.3 Elastizitätshochdruck

Bei dieser Form des Bluthochdruckes liegt eine Abnahme der Elastizität im arteriellen System vor - bei normalem peripherem Widerstand. Der Volumenelastizitätskoeffizient des arteriellen Gefäßsystems ist vergrößert, seine Windkesselfunktion nimmt ab. Dadurch sinkt die Fähigkeit des Gefäßsystems, das Blutvolumen zu speichern. Klinisch zeigt sich das durch eine vergrößerte Blutdruckamplitude: Der systolische Blutdruck steigt, während der diastolische eher niedrig bleibt. Ein Elastizitätshochdruck liegt z.B. bei einer Arteriosklerose der Aorta und der großen Arterien vor.

4.4 Volumenhochdruck

Im Falle des Volumenhochdruckes steigt der Blutdruck in Folge einer Erhöhung des Blutvolumens innerhalb des Gefäßsystems. Das ist von den Ödemen abzugrenzen, bei denen sich Flüssigkeit extravasal ansammelt. Bei Nierenversagen kommt es z.B. in Folge der zunehmenden Unfähigkeit zum Flüssigkeitsabtransport (= Filterfunktion der Niere) zum Volumenhochdruck.

5 Risikofaktoren

6 Symptome

Eine Hypertonie verläuft meist asymptomatisch und verursacht bei mäßig erhöhten Blutdruckwerten oft nur uncharakteristische Beschwerden:

Bei stark erhöhten Blutdruck können hinzutreten:

Wird die Hypertonie nicht durch ein Kontrolle des Blutdrucks entdeckt, macht sie sich häufig erst durch ihre Spätschäden bemerkbar (silent death).

7 Diagnostik

Die Diagnose "Hypertonie" ergibt sich in erster Linie durch die wiederholte Blutdruckmessung an beiden Armen. Als Grenzwerte werden dabei entsprechend einer Definition von der WHO (s.o.) für den systolischen Blutdruck ein Wert über 140 mmHg und für den diastolischen ein Wert von 90 mmHg angegeben. Allerdings berechtigt eine einmalige Messung oberhalb dieser Normwerte noch nicht zur Stellung der Diagnose einer Hypertonie. Sie ist erst gesichert, wenn bei dreimaliger Messung zu unterschiedlichen Tageszeiten, an 3 verschiedenen Tagen immer wieder erhöhte Werte oberhalb der angegebenen Norm auftreten. Jede Messung des Blutdrucks sollte dabei in Ruhe erfolgen, d.h. nach ca. 3 - 5 Minuten Sitzen des Patienten. Zu beachten ist außerdem, dass die beiden Arme auf Herzhöhe gelagert sind.

Des Weiteren umfasst das Basisprogramm der Hypertonie-Diagnostik:

8 Therapie

8.1 Kausale Therapie

Bei der Kausaltherapie versucht man die Ursachen zu beseitigen, die für den Bluthochdruck verantwortlich sind. Eine entscheidende Rolle bei dieser Therapieform spielen lebensstil-ändernden Maßnahmen. Hierzu gehören u.a.:[1]

  • Einschränkung der Kochsalzzufuhr
    • 5-6 Gramm pro Tag
  • Beschränkung des Alkoholkonsums
    • nicht mehr als 20-30 Gramm Alkohol pro Tag bei Männern
    • nicht mehr als 10-20 Gramm Alkohol pro Tag bei Frauen
  • Erhöhter Konsum von Gemüse, Früchten und Milchprodukten
    • Bewährt hat sich hier die so genannte "DASH-Diät" (dietary approach to stop hypertension)[2]
  • Gewichtsreduktion
    • BMI < 25 kg/m²
    • Taillenumfang von < 102 cm bei Männern und < 88 cm bei Frauen
  • Regelmäßige Bewegung
    • Mindestens 30 Minuten moderates dynamisches Training an 5 - 7 Tagen pro Woche
  • Nikotinverzicht

8.2 Medikamentöse Therapie

Die folgende Tabelle zeigt medikamentöse Differentialtherapien der arteriellen Hypertonie.[3]

Indikation Therapie
Hypertoniker im mittleren Lebensalter ohne Begleiterkrankungen Betablocker, ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten
Hypertoniker im höheren Lebensalter ohne Begleiterkrankungen Thiazid-Diuretika, Kalziumkanalblocker vom Dihydropyridin-Typ
A) Gesicherte zusätzliche Wirkungen/Indikationen
Diabetes mellitus mit Proteinurie ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten
Herzinsuffizienz ACE-Hemmer, Diuretika, Betablocker (einschleichend dosieren!)
Isolierte systolische Hypertonie Diuretika (bevorzugt), Kalziumantagonisten (langwirksame)
Myokardinfarkt Betablocker (ohne ISA), ACE-Hemmer und AT1-Antagonisten (bei systolischer Dysfunktion und Linksherzhypertrophie. ACE-Hemmer und AT1-Antagonisten beugen zusätzlich dem Remodeling und der Fibrosierung von ischämischen Myokardbezirken vor).
B) Günstige Wirkungen möglich:
Angina pectoris Betablocker ohne ISA, Kalziumantagonisten (Cave: Dihydropyridine bei instabiler Angina pectoris kontraindiziert)
Vorhoftachykardie, Vorhofflimmern Betalocker, Clonidin, Kalziumantagonisten (von Verapamil und Diltiazem Typ)
Diabetes mellitus ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten, kardioselektive Betablocker (niedrig-dosiert), alpha-Rezeptorenblocker
Migräne Betablocker (ohne ISA), Kalziumkanalblocker
Niereninsuffizienz ACE-Hemmer (Cave: renosvaskuläre Hypertonie und Serumkreatinin ≥ 3mg/dl)
C) Nachteilige Wirkungen möglich:
Obstruktive Ventilationsstörungen Betablocker
Diabetes mellitus (nichtselektive) Betablocker, hochdosierte Diuretika, Kalziumantagonisten
Gicht Diuretika
Herzinsuffizienz Kalziumantagonisten
AV-Überleitungsstörungen Betablocker, Kalziumantagonisten vom Verapamiltyp
pAVK (nichtselektive) Betablocker
Niereninsuffizienz kaliumsparende Mittel, Thiazide (nicht bei Serumkreatinin >2 mg/dl)
Nierenarterienstenose ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten

siehe auch: Antihypertensive Therapie

9 Quellen

  1. Leitlinien für das Management der arteriellen Hypertonie. ESC Pocket Guidelines
  2. Your Guide to Lowering Blood Pressure National Institutes of Health
  3. The Sixth Report Of The Joint National Committee On Prevention; Detection, Evaluation, and Treatment Of High Blood Pressure (JNC VI) (National Institutes of Health, Lung and Blood Institute, National High Blood Pressure Education Program, NIH Publication No. 98-4080, November 1997)

10 Literatur

11 Weblinks

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