Pneumonitis
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LoslegenEnglisch: pneumonitis
Definition
Als Pneumonitis bezeichnet man eine nicht primär infektiöse Entzündung des Lungengewebes.
Nomenklatur
Mikrobiell ausgelöste Entzündungen des Lungengewebes werden traditionell als Pneumonie bezeichnet. Die Bezeichnung "Pneumonitis" dient damit vor allem der ätiologischen Abgrenzung. Teilweise werden die Begriffe auch synonym verwendet.
Allergisch-toxische Lungenveränderungen labelt man häufig als Alveolitis. Die im Lungeninterstitium ablaufenden Entzündungen werden klinisch und histopathologisch unter dem Begriff "interstitielle Lungenerkrankungen" zusammengefasst.
Ursachen
Mögliche Ursachen einer Pneumonitis sind:
- Medikamente:
- Amiodaron
- Fluorchinolone, Nitrofurantoin, Daptomycin
- Chemotherapeutika: Bleomycin, Methotrexat
- Sirolimus, Everolimus
- Tyrosinkinaseinhibitoren: Gefitinib, Erlotinib, Crizotinib, Brigatinib, Osimertinib
- Checkpoint-Inhibitoren: Pembrolizumab, Nivolumab, Atezolizumab, Avelumab, Durvalumab, Cemiplimab, Ipilimumab
- Idelalisib
- Strahlentherapie (Strahlenpneumonitis)
- Exogene allergische Alveolitis
- Inhalation von Metallstäuben: z.B. Beryllium, Kobalt, Chrom, Aluminium, Nickel
- Inhalation von sauren Dämpfen: Schwefelsäure, Salpetersäure
- Herbizide
- Aspiration: z.B. Mekoniumaspirationssyndrom, Mendelson-Syndrom
- Systemerkrankungen: Systemischer Lupus erythematodes, Sjögren-Syndrom, mikroskopische Polyangiitis, Goodpasture-Syndrom, Einschlusskörpermyositis
- eosinophile Pneumonitis (Löffler-Syndrom): z.B. bei Ascariasis oder Strongyloidiasis
- interstitielle Lungenerkrankungen: z.B. desquamative interstitielle Pneumonitis, akute interstitielle Pneumonitis, idiopathische interstitielle Pneumonitis
- Urämie
- bronchiale Obstruktion (obstruktive Pneumonitis z.B. durch Malignome)
Klinik
Das Spektrum der Symptome einer Pneumonitis reicht von leichten Erkältungszeichen bis hin zur respiratorischen Insuffizienz. Meistens beklagen die Patienten Fieber, Dyspnoe und trockenen Husten.
Ohne adäquate Therapie kann sich eine chronische Pneumonitis entwickeln, die zur Lungenfibrose führt.
Diagnostik
Die Diagnostik einer Pneumonitis basiert auf der Anamnese, der klinischen Untersuchung sowie bildgebenden und gegebenenfalls invasiven Verfahren. Von besonderer Bedeutung sind Hinweise auf auslösende Medikamente oder Noxen sowie zugrunde liegende Systemerkrankungen.
Labormedizinisch können je nach Ursache unspezifische Entzündungswerte vorliegen. Ergänzend kommen Autoantikörperdiagnostik oder allergologische Untersuchungsverfahren zum Einsatz.
Die Bildgebung erfolgt primär mittels hochauflösender Computertomographie (HRCT) des Thorax. Typische Befunde sind Milchglastrübungen, retikuläre Veränderungen, Konsolidierungen oder andere Muster interstitieller Lungenerkrankungen.
Zur Beurteilung des Schweregrades werden Lungenfunktionstests einschließlich Diffusionskapazität (DLCO) sowie die Blutgasanalyse eingesetzt. Häufig zeigt sich ein restriktives Ventilationsmuster mit verminderter Diffusionskapazität.
Bei unklarer Genese kann eine Bronchoskopie mit bronchoalveolärer Lavage (BAL) durchgeführt werden. Die zytologische und mikrobiologische Untersuchung der BAL hilft bei der Abgrenzung gegenüber infektiösen Ursachen und kann Hinweise auf eine Hypersensitivitätspneumonitis liefern. In ausgewählten Fällen ist zur Diagnosesicherung eine Lungenbiopsie erforderlich.