Mekoniumaspirationssyndrom
Englisch: meconium aspiration syndrome
Definition
Als Mekoniumaspirationssyndrom, kurz MAS, bezeichnet man eine durch Einatmung (Inspiration) von mekoniumhaltiger Amnionflüssigkeit bedingte schwere Atemnot des Neugeborenen.
Ätiopathogenese
Die vorgeburtliche Abgabe von Mekonium erfolgt unter hypoxischen Stresssituationen des ungeborenen Kindes. Kommt es vor oder unter der Geburt zur Fruchtwasseraspiration, dringt das Mekonium in die Lungen ein und verursacht durch eine Verdickung der alveolokapillären Austauschfläche schwere Ventilationsstörungen. Unter Auswaschung des Surfactant und entzündlicher Komplikation (Aspirationspneumonie) kommt es zur Atelektasenbildung bei gleichzeitigem Auftreten obstruktionsbedingter überblähter Lungenareale (Lungenemphysem).
Klinik
- schwere Dyspnoe mit Zyanose (Asphyxie)
- ausgeprägte Atemarbeit: interkostale/subkostale Einziehungen, Nasenflügeln, exspiratorisches "Grunzen"
- Muskelhypotonie bis Apathie
- fakultative Schocksymptomatik
- Tachypnoe
- grobblasige Rasselgeräusche
- asymmetrisch oder vermindert auskultierbare Atemgeräusche
Diagnostik
Die orientierende Diagnostik erfolgt anhand des Befundbildes und dem Nachweis von Mekoniumrückständen an Haut und Schleimhäuten. Zur Abschätzung des Schweregrades und der Verlaufskontrolle dient die Röntgen-Thorax-Untersuchung. Hier zeigen sich typischerweise asymmetrische fleckige Infiltrate, Atelektasebereiche, Konsolidierungen und/oder Hyperexpansionszonen.
Therapie
Das MAS ist ein akut lebensbedrohlicher und potentiell reanimationspflichtiger Notfall. Die Beatmung des Neugeborenen sollte so schnell wie möglich beginnen. Parallel sollte eine regelmäßige Bestimmung der Blutgase erfolgen (BGA).
Vor der Beatmung ist bei vitalen Neugeborenen nach aktuellen Leitlinien (Stand 2026) kein routinemäßiges Absaugen indiziert, da die Mekoniumaspiration häufig intrauterin erfolgt und so postnatal keine effektive Absaugung stattfinden kann. Nur bei sichtbarer Obstruktion oder ineffektiver Beatmung, kann unter direkter Sicht (Laryngoskop) ein Absaugen erfolgen.
Es gibt keine einheitlichen Empfehlungen zur medikamentösen Therapie. Da die Ursache für ein frühzeitiges Ausscheiden von Mekonium eine intrauterine Infektion sein kann, kann eine Antibiotikatherapie erwogen werden. Sie ist auch im Falle einer Neugeborenenpneumonie von Vorteil.
Darüber hinaus kann bei mangelhafter Oxygenierung unter maschineller Beatmung oder bei radiologischen Hinweisen für einen Surfactant-Mangel eine Surfactantsubstitution erwogen werden.
Inhalatives Stickstoffmonoxid (iNO) kann bei einer nicht ausreichenden maschinellen Beatmung mit erhöhtem Risiko für eine Persistierende Pulmonale Hypertonie des Neugeborenen (PPHN) indiziert sein.
Da Schmerzen und Stress die Beatmung des Neugeborenen zusätzlich erschweren und auch das Risiko für andere Komplikationen erhöhen, kann eine Analgosedierung mit Morphin oder Fentanyl (Off-Label) erwogen werden.
Supportiv sollte auf eine leichte Oberkörperhochlagerung, bevorzugt in Bauchlage, geachtet werden.
Komplikationen
- Persistierende pulmonale Hypertonie des Neugeborenen (PPHN)
- Hypoxie bis Atemversagen
- Respiratorische Azidose oder gemischte Azidose
- Pneumothorax, Pneumomediastinum
- Sekundäre bakterielle Infektionen
- Hypoxisch-ischämische Organschäden bei schwerer Asphyxie
siehe auch: Atemnotsyndrom des Neugeborenen
Quellen
- Universitätsklinikum Heidelberg, Leitfaden Neonatologie, 2020
- S2k-Leinlinie, Betreuung von Neugeborenen in der Geburtsklinik, 2021
- Radiopedia.org, Meconium aspiration, 2024