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Respiratorische Insuffizienz

Synonyme: respiratorisches Versagen, Atemversagen, Ateminsuffizienz, Atmungsinsuffizienz
Englisch: respiratory failure

1 Definition

Als respiratorische Insuffizienz bezeichnet man eine Störung des pulmonalen Gasaustausches mit pathologisch veränderten Blutgaswerten. Die respiratorische Insuffizienz führt zu einer Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff (Hypoxämie) und ggf. zu einer erhöhten Konzentration von Kohlendioxid im Blut (Hyperkapnie).

2 ICD10-Codes

  • J96 - Respiratorische Insuffizienz, anderenorts nicht klassifiziert
    • J96.0 - Akute respiratorische Insuffizienz, anderenorts nicht klassifiziert
    • J96.1 - Chronische respiratorische Insuffizienz, anderenorts nicht klassifiziert
    • J96.9 - Respiratorische Insuffizienz, nicht näher bezeichnet
    • J98.4 - Sonstige Veränderungen der Lunge
    • J95.1 - Akute pulmonale Insuffizienz nach Thoraxoperation
    • J95.2 - Akute pulmonale Insuffizienz nach nicht am Thorax vorgenommener Operation
    • J95.3 - Chronische pulmonale Insuffizienz nach Operation

3 Einteilung

3.1 ...nach Schweregrad

3.1.1 Hypoxische respiratorische Insuffizienz

Die hypoxische respiratorische Insuffizienz, früher als "respiratorische Partialinsuffizienz" bezeichnet, ist eine isolierte arterielle Hypoxämie mit Verminderung des Sauerstoffpartialdrucks unter einen Grenzwert von 60 mmHg (8,0 kPa) bei normalem bis verringertem Kohlendioxid (Normokapnie).

Ursache ist meist eine Störung der Gasaustausches in der Lunge, weshalb man auch von einer pulmonalen Insuffizienz bzw. einem Parenchymversagen spricht. Typische Ursachen für diese Form der respiratorischen Insuffizienz sind das Lungenödem und die Pneumonie. Therapeutisch steht zunächst eine Sauerstoffgabe im Vordergrund.

3.1.2 Hyperkapnische respiratorische Insuffizienz

Bei der hyperkapnischen respiratorischen Insuffizienz liegt zusätzlich zur Hypoxämie eine Hyperkapnie, d.h. eine Erhöhung des Kohlendioxidpartialdruckes über 45 mmHg (6,0 kPa) vor. Die ältere Bezeichnung ist "respiratorische Globalinsuffizienz". Bei dieser Form der respiratorischen Insuffizienz ist die Elimination des im Stoffwechsel gebildeten Kohlendioxids (CO2) vermindert. Ursächlich ist meist eine Störung der Atemmechanik, die dazu führt, dass Sauerstoff (O2) nicht genügend ein- und Kohlendioxid nicht genügend ausgeatmet werden kann. Man spricht deshalb auch von einer ventilatorischen Insuffizienz bzw. einem Pumpversagen. Die Retention des Kohlendioxids führt zu einer respiratorischen Azidose. Therapeutisch steht die Unterstützung der Atmung durch eine künstliche Beatmung im Vordergrund.

3.2 ...nach Verlauf

3.3 ...nach Manifestation

  • Latente respiratorische Insuffizienz: Nur unter Belastung feststellbar
  • Manifeste respiratorische Insuffizienz: In körperlicher Ruhe auftretend

4 Pathophysiologie

Der Gasaustausch (O2-Aufnahme, CO2-Abgabe) findet in den Alveolen statt und wird als "äußere Atmung" bezeichnet. Einer Ateminsuffizienz liegt eine Störung eines oder mehrerer der 4 Teilprozesse des Gasaustausches zugrunde:

Ursachen können u.a. in der Verlegung der Atemwege, in zentraler oder peripherer Atemdepression oder in einer veränderten (auch altersphysiologischen) Lungenmorphologie liegen. Darüber hinaus tritt eine respiratorische Insuffizienz auch bei Sauerstoffmangel in der Umgebung, z.B. beim Aufenthalt in großen Höhen auf.

4.1 Ventilation und Perfusion

Störungen der Ventilation und Perfusion können bedingt sein durch:

Bei restriktiven Lungenerkrankungen ist die Lungenoberfläche reduziert. Obstruktive Lungenerkrankungen führen zur Erhöhung des Strömungswiderstandes in den Atemwegen.

4.2 Diffusion

Diffusionsstörungen können bedingt sein durch:

4.3 Distribution

Störungen der Distribution (Verteilungsstörungen) verändern das Ventilations-Perfusions-Verhältnis. Ursächlich sind z.B.:

5 Klinik

Die Klinik der respiratorischen Insuffizienz ist abhängig von ihrem Verlauf. Bei einer akuten respiratorischen Insuffizienz sind die Symptome in der Regel ausgeprägter, während bei einer chronischen respiratorischen Insuffizienz Kompensationsmechanismen einsetzen, welche die Symptome abmildern.

5.1 Frühphase

In der Frühphase versucht der Körper durch Steigerung der Atemfrequenz (Tachypnoe), des HZV (Tachykardie) und des Blutdrucks die Ateminsuffizienz zu kompensieren. Das Atemzugvolumen nimmt ab. Zusätzlich setzt der Patient die Atemhilfsmuskulatur ein. Vegetative Symptome wie Schwitzen und gesteigerte psychomotorische Erregbarkeit als Zeichen eines erhöhten Sympathikotonus können ebenfalls auftreten.

In Abhängigkeit von der Ursache sind ggf. zusätzliche Symptome wie Stridor oder Rasselgeräusche vorhanden.

5.2 Verlauf

Im Verlauf nimmt die Dyspnoe zu und der Patient wird zyanotisch. Die fortschreitende Hypoxie verursacht eine Abnahme des HZV (Bradykardie) und des Blutdrucks.

5.3 Spätphase

Die Spätphase ist gekennzeichnet durch eine zunehmende Hyperkapnie mit Erschöpfung, Bradypnoe und Bradykardie mit Blutdruckabfall. Es kommt zum Versagen einzelner Organsysteme. Als neurologische Symptome treten Unruhe, Verwirrtheit, Krampfanfälle, Flapping tremor und Bewusstseinsstörungen (CO2-Narkose) bis zum Koma auf.

6 Diagnose

Die Diagnostik beinhaltet unter anderem labordiagnostische Tests und Funktionstests (arterielle BGA, Spirometrie, Ganzkörperplethysmografie) sowie die Beurteilung der Röntgenmorphologie (Röntgen-Thorax im Stehen und im Liegen). Die Art der gewählten Maßnahmen ist von der Akuität des Krankheitsbildes abhängig.

Von einer arteriellen Hypoxie spricht man bei einem paO2 < 60 mmHg. Eine Hyperkapnie liegt bei einem paCO2 > 45 mmHg, eine Hypokapnie bei einem paCO2 < 35 mmHg vor.

7 Therapie

Die Therapie richtet sich primär nach der zugrunde liegenden Erkrankung bzw. Ursache. Diese wird entsprechend behandelt, um die Lungenfunktion zu verbessern. Abhängig von der Art der respiratorischen Insuffizienz muss eine Sauerstoffgabe (z.B. HFOT) oder eine künstliche Beatmung (z.B. NIV, BIPAP) durchgeführt werden.

Diese Seite wurde zuletzt am 6. April 2021 um 13:20 Uhr bearbeitet.

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