Flupredniden
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Synonyme: Fluprednidenacetat, Flupredniden-21-acetat
Englisch: fluprednidene acetate, fluprednidene
Definition
Flupredniden ist ein fluoriertes Glukokortikoid, das topisch zur Behandlung entzündlicher und allergischer Hauterkrankungen eingesetzt wird. In der in Europa gebräuchlichen Klassifikation nach Niedner zählt es zu den mittelstark wirksamen topischen Glukokortikoiden (Klasse II).[1]
Chemie
Flupredniden ist ein synthetisches Prednisolon-Derivat mit einem Fluoratom in 9α-Position und einer Methylengruppe an C16. Die Hydroxygruppe an C21 ist mit Essigsäure zu Flupredniden-21-acetat verestert. Die Summenformel lautet C24H29FO6, die molare Masse beträgt 432,5 g/mol.
Wirkmechanismus
Flupredniden wirkt antiphlogistisch und antiallergisch sowie in vergleichsweise geringerem Maß antiproliferativ. Nach Diffusion in die Zelle bindet es an den zytoplasmatischen Glukokortikoidrezeptor. Der Wirkstoff-Rezeptor-Komplex wird in den Zellkern transportiert und bindet dort an glukokortikoid-responsive Elemente (GRE) der DNA. Dadurch wird die Transkription spezifischer Gene moduliert.
Unter anderem wird die Synthese von Lipocortinen (Annexin A1) induziert. Diese hemmen die Phospholipase A2 und damit die Freisetzung von Arachidonsäure aus Membranphospholipiden. In der Folge sinkt die Bildung von Prostaglandinen, Leukotrienen, Thromboxan und PAF. Zusätzlich hemmen Glukokortikoide die Funktion von T-Zellen, B-Zellen und Langerhans-Zellen sowie die Synthese von Interleukinen wie IL-1 und IL-2.
Im Vasokonstriktionstest ist Flupredniden schwächer wirksam als Betamethasonvalerat und stärker als Dexamethason. Die Kollagenbiosynthese wird im Vergleich zu Betamethasonvalerat nur gering beeinflusst, sodass das Risiko einer ausgeprägten Hautatrophie als gering gilt. Bei langfristiger oder großflächiger Anwendung kann es dennoch zu atrophischen Hautveränderungen kommen.
Pharmakokinetik
Flupredniden dringt nach topischer Applikation rasch in die Hornschicht ein und bildet vor dem Stratum lucidum ein Depot, das nur langsam resorptiv aufgelöst wird. Durch Esterasen in Haut und Blut wird der Ester in den freien Fluprednidenalkohol gespalten.
Die transkutane Resorption ist gering und verzögert. Nach offener Anwendung war bei Probanden bis 8 Stunden nach Applikation keine Radioaktivität in Blut und Urin nachweisbar. Unter Okklusion wurden innerhalb von 3 Tagen etwa 10 % der applizierten Dosis im Urin wiedergefunden. Bei großflächiger okklusiver Anwendung kann der Plasma-Cortisolspiegel sinken, ohne jedoch den physiologischen Bereich zu unterschreiten.
Indikationen
Flupredniden ist zur Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen zugelassen, bei denen ein mittelstark wirksames topisches Glukokortikoid angezeigt ist. Dazu zählen vor allem:
- Neurodermitis (atopisches Ekzem)
- Kontaktekzeme
In fixen Kombinationen wird Flupredniden zusätzlich bei infizierten Dermatosen eingesetzt:
| Kombinationspartner | Indikation |
|---|---|
| Gentamicin | Hauterkrankungen, die ein mittelstarkes Glukokortikoid erfordern, bei gleichzeitiger Infektion mit Gentamicin-empfindlichen Erregern |
| Miconazolnitrat | Initialtherapie oberflächlicher entzündlicher Dermatomykosen durch Dermatophyten und Hefepilze sowie von Ekzemen, die durch Pilze und/oder Miconazol-empfindliche grampositive Bakterien superinfiziert sind |
Darreichungsformen
Flupredniden wird ausschließlich auf die Haut aufgetragen. Im Handel sind folgende Zubereitungen:
| Zubereitung | Wirkstoffgehalt pro g |
|---|---|
| Creme | 1 mg Flupredniden-21-acetat (0,1 %) |
| Salbe | 0,5 mg Flupredniden-21-acetat (0,05 %) |
| Creme mit Gentamicin | 1 mg Flupredniden-21-acetat + 1 mg Gentamicin (als 1,67 mg Gentamicinsulfat) |
| Creme mit Miconazol | 1 mg Flupredniden-21-acetat + 20 mg Miconazolnitrat |
Für die Intervall- und Nachbehandlung steht eine wirkstofffreie Basiscreme zur Verfügung.
Dosierung
Flupredniden wird dünn auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Die Anwendungshäufigkeit und -dauer richtet sich nach der Zubereitung:
| Zubereitung | Häufigkeit | Anwendungsdauer |
|---|---|---|
| Creme 0,1 % | 1- bis 3-mal täglich | solange ein entzündlicher Befund besteht, bei Kindern max. 2 Wochen |
| Salbe 0,05 % | 1-mal täglich | max. 4 Wochen, bei Kindern max. 2 Wochen |
| Kombination mit Gentamicin | 1- bis 2-mal täglich | 4–8 Tage, behandelte Fläche max. 10 % der Körperoberfläche |
| Kombination mit Miconazol | 2-mal täglich | in der Regel max. 1 Woche |
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Eine Langzeitanwendung, eine Anwendung auf mehr als 10 % der Körperoberfläche und eine Anwendung unter Okklusion sollen generell unterbleiben. Im Gesicht ist die Haut besonders empfindlich, eine Langzeittherapie ist dort zu vermeiden. Bei Kindern ist die perkutane Resorption erhöht, weshalb eine Langzeitbehandlung vermieden werden soll.
Cave: Eine Anwendung am Augenlid ist zu vermeiden, da sie unter Umständen ein Glaukom auslösen kann.
Nebenwirkungen
Bei bestimmungsgemäßer, kurzfristiger Anwendung ist Flupredniden gut verträglich. Bei großflächiger (≥ 10 % der Körperoberfläche) oder länger dauernder Anwendung (über 2–4 Wochen), insbesondere unter Okklusion oder in intertriginösen Arealen, sind folgende Nebenwirkungen möglich:
- Hautatrophie
- Teleangiektasien
- Striae distensae
- Steroidakne
- rosazeaartige Dermatitis
- Hypertrichose
- Depigmentierung
- Suppression der Nebennierenrindenfunktion, insbesondere bei Kleinkindern
Bei Überempfindlichkeit gegen Bestandteile des Präparats kann es zu lokalen Reizerscheinungen wie Rötung, Brennen und Juckreiz sowie zu einer Kontaktsensibilisierung kommen. Mit unbekannter Häufigkeit tritt verschwommenes Sehen auf. Mögliche Ursachen sind Katarakt, Glaukom oder eine zentrale seröse Chorioretinopathie. In diesem Fall soll eine augenärztliche Abklärung erfolgen.
Unter den Kombinationspräparaten wurden zusätzlich Ekchymosen, Photosensibilisierung, Follikulitiden und mykotische Sekundärinfektionen beschrieben. Bei wiederholter großflächiger Anwendung gentamicinhaltiger Zubereitungen sind oto-, vestibulo- und nephrotoxische Wirkungen möglich.
Wechselwirkungen
Für das Monopräparat sind keine Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln bekannt. Die Hilfsstoffe Vaselin und Paraffin können bei Anwendung im Genital- oder Analbereich die Reißfestigkeit von Latexprodukten wie Kondomen und Diaphragmen herabsetzen.
Die Kombination mit Gentamicin soll wegen möglicher gegenseitiger Inaktivierung nicht gleichzeitig mit anderen topischen Dermatika angewendet werden. Zwischen Gentamicin und anderen Aminoglykosiden wie Neomycin und Kanamycin bestehen Parallelallergien.
Kontraindikationen
Flupredniden darf in folgenden Situationen nicht angewendet werden:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile
- spezifische Hautprozesse wie Lues oder Hauttuberkulose
- Varizellen
- Vakzinationsreaktionen
- rosazeaartige (periorale) Dermatitis, Rosazea, Akne
- durch Bakterien, Pilze oder Viren verursachte Hauterkrankungen, z.B. Herpes zoster (Monopräparat)
- Anwendung am Auge und an Schleimhäuten
- erstes Trimenon der Schwangerschaft
Auf atrophische Haut, Wunden und Ulzera soll Flupredniden nicht aufgetragen werden. Für Säuglinge und Kleinkinder bis 2 Jahre liegen keine ausreichenden Daten vor. Die Kombinationspräparate sind bei Säuglingen und Kleinkindern kontraindiziert. Die gentamicinhaltige Zubereitung ist zusätzlich in der gesamten Schwangerschaft, bei gleichzeitiger systemischer Aminoglykosidtherapie und bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz kontraindiziert.
Schwangerschaft und Stillzeit
In Tierversuchen zeigte Flupredniden-21-acetat teratogene und embryotoxische Wirkungen, darunter Gaumenspalten, Skelettanomalien und Embryoletalität. Ausreichende Daten zur Anwendung beim Menschen liegen nicht vor. Nach dem ersten Trimenon darf das Monopräparat nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden. Eine großflächige oder langfristige Anwendung sowie okklusive Verbände sind dabei zu vermeiden.
Zum Übertritt in die Muttermilch liegen keine Daten vor. In der Stillzeit soll Flupredniden daher nicht großflächig oder langfristig angewendet werden, andernfalls ist abzustillen. Ein Kontakt des Säuglings mit den behandelten Hautpartien ist zu vermeiden.
Zulassung
Flupredniden ist in Deutschland seit 1969 zugelassen und verschreibungspflichtig. In Österreich ist es ebenfalls als Creme im Handel.
Quelle
- ↑ AWMF. S3-Leitlinie Atopische Dermatitis [Neurodermitis; atopisches Ekzem]. AWMF-Registernummer 013-027. 2023.