Geburt
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LoslegenSynonym: Partus, Niederkunft, Entbindung
Englisch: childbirth, labour, delivery
Definition
Die Geburt umfasst den Vorgang des Ausstoßens des Fötus aus dem Mutterleib unter Wehentätigkeit. Die Durchführung der Geburt durch eine Hebamme oder einen Arzt wird als Entbindung bezeichnet. Die Geburt findet in der Regel in einem Kreißsaal statt, kann aber auch an einem anderen Ort, z.B. in einem Geburtshaus oder zu Hause, durchgeführt werden.
Einteilung
...nach Geburtsdauer
...nach Geburtsort
...nach Geburtszeitpunkt
...nach Vitalzustand des Fötus
Geburtstermin
Der Geburtstermin lässt sich mit Hilfe der Naegele-Regel berechnen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass nur ein kleiner Teil der Kinder (ca. 4 %) genau zum errechneten Termin zur Welt kommt, sondern meistens innerhalb eines Zeitraums von ±10 Tagen.
Verlauf der Geburt
Die Geburt wird in drei Phasen eingeteilt:
Eine Geburt beginnt mit dem Einsetzen regelmäßiger Wehentätigkeit und endet etwa 2 Stunden nach der Abstoßung der Plazenta.
Normale Geburt
Von einer normalen Geburt ist auszugehen bei:
- einer termingerechten Schwangerschaft zwischen der 37+0. und 41+6. Schwangerschaftswoche (SSW)[1]
- Geburtsdauer zwischen 3 und 18 Stunden
- Blasensprung während der Eröffnungsphase
- Blutverlusten unter 500 ml
- Einlingsschwangerschaft
Dabei sollte es während der Geburt nicht zu Komplikationen oder nennenswerten Beeinträchtigungen der mütterlichen und kindlichen Gesundheit kommen.
Eröffnungsphase
Den Beginn der Eröffnungsphase markieren die ersten regelmäßigen Wehen. Zuvor treten in den letzten Wochen der Schwangerschaft die sogenannten Senkwehen ein. Sie dienen zusammen mit den Vorwehen in den letzten Tagen vor der Geburt dazu, den kindlichen Kopf in den Beckeneingang zu drücken.
Sobald dies geschehen ist, gehen die Vorwehen in die Geburtswehen über. Die Geburtswehen beginnen mit den Eröffnungswehen, übergehend in die Austreibungswehen. Die Wehen dienen der Kontraktion der Gebärmutter und damit der aktiven Austreibung der Leibesfrucht. Gleichzeitig mit den Eröffnungswehen beginnt der Muttermund unter dem Einfluss von Prostaglandinen weiter zu werden (Zervixreifung), bis die Portio (vaginalis uteri) schließlich verstrichen ist und er mit etwa 10 cm ganz offen ist.
Die Eröffnungsphase beträgt bei erstgebärenden Müttern bis zu 12 Stunden, bei Mehrgebärenden bis zu 8 Stunden. Die längere Zeit bei Erstgebärenden ist auf die längere Dauer der initalen Weitung des Muttermundes (bis 2 cm) zurückzuführen. Diese Zeit wird auch als Latenzperiode bezeichnet. Die weitere Öffnung des Muttermundes (bis 10 cm) läuft bei Erst- und Mehrgebärenden gleich schnell ab und wird auch als Aktivphase bezeichnet.
Im Zuge der Öffnung des Muttermundes wird die Uterushöhle enger und die Wand der oberen Uterusabschnitte dicker. Dadurch gerät das Ungeborene unter einen stetig steigenden Druck und drückt mit seinem vorangehenden Teil gegen die Zervix. Ab einer Weite der Zervix von etwa 10 cm wölben sich Teile der Fruchtblase in die Vagina vor. In dieser Phase ereignet sich normalerweise der Blasensprung. Erfolgt der Blasensprung früher, ist von einem vorzeitigen Blasensprung zu sprechen.
Austreibungsphase
Die Austreibungsphase beginnt mit der vollständigen Öffnung des Muttermundes und endet mit der vollständigen Geburt des Kindes.
Das Kind bewegt sich nun in der sogenannten Führungslinie im Geburtskanal, der sowohl aus Knochen- wie auch aus Weichteilen besteht. Zunächst ist beim Kind in vorderer Hinterhauptslage (häufigste Einstellung) die Pfeilnaht gerade und die kleine Fontanelle in Führung zu tasten (d.h. das Gesicht des Kindes ist nach dorsal, zum mütterlichen Kreuzbein, gerichtet) – so erreicht das Köpfchen auch den längsovalen Beckenausgang.
Bei jeder Wehe tritt das Köpfchen des Kindes tiefer, bis man es während einer Wehe an der Vulva sehen kann. Diesen Punkt nennt man Einschneiden des Kopfes. Nun wird der Damm der Mutter beim weiteren Pressen geschützt bzw. ein Dammschnitt durchgeführt. Nachdem das Köpfchen, beginnend mit Hinterhaupt und Scheitel, geboren ist, treten die Schultern nun quer ins Becken ein. Das Köpfchen tritt dabei meist in schräger Einstellung in den Beckenausgang ein und muss sich um etwa 45 Grad drehen, bei ursprünglich querer Einstellung um bis zu 90 Grad, um den Schultern die Passage des Beckenausganges zu ermöglichen.
Nach der Rotation werden nun die Schultern des Kindes nacheinander geboren. Da die Schultern nach dem Kopf der breiteste Teil des Kindes sind, kann der Rest des Kindes nun mit Hilfe der Hebamme problemlos zur Welt kommen.
Nachgeburtsphase
Die Nachgeburtsphase beginnt nach der Geburt des Kindes und endet mit der Abstoßung von Plazenta und Eihäuten, wenn der Uterus danach genügend Kontraktilität aufweist.
Die Geburtswehen gehen in die Nachgeburtswehen über. Nach 5 bis 20 Minuten wird dann in der Regel auch die Plazenta unter leichtem Zug an der Nabelschnur geboren. Die Plazenta wird sofort auf ihre Vollständigkeit überprüft.
Während und auch einige Stunden nach der Nachgeburtsphase besteht für die Mutter erhöhte Blutungsgefahr.
Geburtshilfliche Aspekte
Während der Geburt kann es in allen Phasen zur Notwendigkeit geburtshilflicher Manöver kommen. Findet die Geburt ungeplant außerhalb einer klinischen Einrichtung statt, gelten besondere Grundsätze der Versorgung.
siehe auch: Notgeburt
Kindliche Lage
Entscheidend für den Verlauf und die Entscheidung zur spontanen Geburt bzw. zum Kaiserschnitt sind die vom Geburtshelfer festzustellenden Parameter:
- kindliche Lage (Lage der kindlichen Längsachse zur mütterlichen)
- kindliche Stellung (Lage des kindlichen Rückens innerhalb des Uterus)
- kindliche Haltung (Verhältnis der kindlichen Teile zueinander, normal Flexion)
- kindliche Einstellung (Verhältnis des vorangehenden Kindsteils zum mütterlichen Becken)
Dabei sind im Überblick zu unterscheiden:
- Schädellagen
- hintere Hinterhauptslage
- vordere Hinterhauptslage
- Vorderhauptslage
- Stirnlage
- Gesichtslage
- Beckenendlagen
- Querlagen
Die Geburtsmechanismen und das geburtshilfliche Vorgehen je nach Lage soll an gesonderter Stelle besprochen werden. Eine orientierende Untersuchung der Lage kann mit den Leopold-Handgriffen erfolgen.
Phasenspezifische Geburtshilfe
In der Eröffnungsphase kann die Gebärende bei nicht zu starken Wehen umhergehen, in die Hocke gehen oder auch sitzen. Bewegung und aufrechte Positionen werden gefördert; bei stärker werdenden Wehen ist eine liegende Position in Linksseitenlage möglich, um eine Kompression der Vena cava inferior (Vena-cava-Kompressionssyndrom) durch die Rückenlage zu vermeiden.
Frauen mit geringem Risiko für Geburtskomplikationen dürfen unter der Geburt trinken (isotonische Getränke sind gegenüber Wasser zu bevorzugen) und leichte, faserarme Kost zu sich nehmen, sofern keine Opioide verabreicht wurden und keine Risikofaktoren für eine Vollnarkose bestehen.[1] Eine generelle Nahrungskarenz ist nicht indiziert, sondern nur bei Vorliegen entsprechender Risikofaktoren sinnvoll, um die Möglichkeit einer Narkose bei Komplikationen offen zu halten. Bei längeren Geburtsverläufen sollte in jedem Fall eine ausreichende parenterale Volumensubstitution angestrebt werden (Erhaltungsbedarf).
Die Schwangere und das Ungeborene werden einem Monitoring zugeführt:
- Bei Niedrig-Risiko-Geburten: intermittierende Auskultation der kindlichen Herzfrequenz
- Bei Vorliegen von Risikofaktoren (z.B. mütterliches Fieber, grünes Fruchtwasser, Hypertonie, Wehenmittelgabe): kontinuierliche Kardiotokographie[1]
- Körpertemperatur (stündlich)
- Blutdruck (halbstündlich)
- Puls (halbstündlich)
- Manuelle Kontrolle der Zervixreifung
- Stand des kindlichen vorangehenden Teils
In der Austreibungsphase stehen bei der spontanen Geburt an:
- die Anleitung zum Mitpressen
- Dammschutz
- unter Umständen Anlage eines Dammschnittes
- Entwicklung der kindlichen Körperteile (Kopf, Schultern, Becken)
In der Nachgeburtsphase steht neben der Erstversorgung des Neugeborenen die Überwachung der Lösung der Plazenta und ihr Abgang im Vordergrund.
Die Lösung der Plazenta kann durch die Gabe von Oxytocin unterstützt werden. Die gelöste Plazenta kann durch Anwendung der Bauchpresse ausgestoßen oder durch Handgriffe des Geburtshelfers entwickelt werden. Dabei sollte die Plazenta nur entfernt werden, wenn die Lösung sicher nachzuweisen ist. Zur Verifizierung gibt es geburtshilfliche Zeichen, unter anderem:
Zur Entfernung stehen verschiedene Techniken zur Verfügung, unter anderem:
Nach Entfernung der Plazenta kann die Tonisierung des Uterus unterstüzend die Gabe von Methylergometrin erfolgen. Dies vermindert auch das Risiko von Nachblutungen.
Schmerztherapie
Die Schmerzen unter der Geburt können mit nicht-medikamentösen und medikamentösen Verfahren gelindert werden. Zu den nicht-medikamentösen Methoden zählen Bewegung und angepasste Gebärpositionen, Wärmeanwendungen, Massage, Atemtechniken sowie die kontinuierliche Betreuung durch eine Begleitperson.
Unter den medikamentösen Verfahren gelten rückenmarknahe Verfahren als wirksamste Methode der geburtshilflichen Analgesie. Etabliert ist die Periduralanästhesie (PDA), die mit niedrig dosierten Lokalanästhetika und einem Opioid durchgeführt wird. Steht ein rückenmarknahes Verfahren nicht zur Verfügung oder wird es abgelehnt, kann als systemische Alternative eine patientenkontrollierte intravenöse Analgesie (z.B. mit Remifentanil) unter kontinuierlicher Überwachung eingesetzt werden.[2]
Als inhalative Option kann ein Lachgas-Sauerstoff-Gemisch (50 %/50 %) verwendet werden, das die Gebärende selbst über eine Maske mit bedarfsgesteuertem Ventil inhaliert. Es wirkt rasch, flutet schnell wieder ab und erfordert keine Nüchternheit, ist rückenmarknahen Verfahren in der analgetischen Wirksamkeit jedoch unterlegen.[3]
siehe Hauptartikel: Geburtshilfliche Analgesie und Anästhesie
Weblink
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi). S3-Leitlinie: Die vaginale Geburt am Termin. AWMF-Registernummer 015-083. 2020. Verfügbar unter: S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin.
- ↑ AWMF. S1-Leitlinie: Die geburtshilfliche Analgesie und Anästhesie. AWMF-Registernummer 001-038. Version 2.0, 2026. Verfügbar unter: S1-Leitlinie Geburtshilfliche Analgesie und Anästhesie.
- ↑ Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM). Einsatz von Lachgas zur Schmerztherapie unter der Geburt. Gemeinsame Stellungnahme. Verfügbar unter: Stellungnahme Lachgas in der Geburtshilfe.