Austreibungsphase
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Synonyme: Austrittsphase, Austreibungsperiode
Definition
Unter der Austreibungsphase, kurz AP, versteht man den auf die Eröffnungsphase folgenden Zeitabschnitt der Geburt, in dem das Kind unter dem Einfluss der Wehen durch den Geburtskanal nach außen geschoben wird. Die Austreibungsphase beginnt mit der vollständigen Öffnung des Muttermunds. Man unterscheidet eine passive Austrittsphase bei vollständig geöffnetem Muttermund ohne Pressdrang und eine aktive Austrittsphase. Letztere ist durch das Sichtbarwerden des Kindes, reflektorischen Pressdrang bei vollständig geöffnetem Muttermund oder aktives Pressen auch ohne reflektorischen Pressdrang gekennzeichnet.[1]
In der Kardiologie bezeichnet die Austreibungsphase den zweiten Teil der Systole, synonym zur Auswurfphase.
Geburtshilfliche Physiologie und Ablauf
Zunächst überwiegt häufig eine passive Absenkungsphase, in der der kindliche Kopf durch die Wehen tiefer in das Becken tritt; erst mit dem Tiefertreten bis auf den Beckenboden setzt meist die aktive Phase mit wirksamen Presswehen ein.[2][3] Dabei kommt es unter dem Einfluss der Wehentätigkeit zur inneren Drehung des Kopfes, zum Fortschreiten durch den Geburtskanal und zum Einschneiden des Kopfes, bis nach Kopf- und Schulterentwicklung die Geburt des Kindes abgeschlossen ist.[2][3]
Dauer
Die Dauer der Austreibungsphase ist vor allem von Parität, fetaler Lage, kindlichem Gewicht und der Verwendung einer Periduralanästhesie abhängig.[4][5] Bei Erstgebärenden liegt sie im Mittel meist im Bereich von etwa 30 bis 60 Minuten, bei Mehrgebärenden deutlich kürzer; unter Periduralanästhesie verlängert sie sich typischerweise um etwa eine Stunde oder mehr.[3][5] Als prolongiert gilt die Austreibungsphase je nach Parität und Analgesie, wenn die üblichen Zeitgrenzen überschritten werden; die geburtshilflichen Leitlinien setzen dafür unterschiedliche Schwellenwerte an.[4][6]
Klinische Bedeutung
Während der Austreibungsphase werden Mutter und Kind eng überwacht, insbesondere durch klinische Beurteilung des Geburtsfortschritts, der Wehen, der mütterlichen Vitalparameter und der fetalen Herzfrequenz.[6][7] Eine protrahierte Austreibungsphase erhöht das Risiko für mütterliche Erschöpfung, Infektion, Blutung und geburtshilfliche Interventionen sowie für fetalen Stress.[6][4] Indikationen für geburtshilfliche Maßnahmen sind unter anderem fehlender Geburtsfortschritt, pathologische fetale Überwachung oder maternale Erschöpfung; dazu zählen je nach Situation operative vaginale Entbindung oder sekundärer Kaiserschnitt.[4][6]
Quellen
- ↑ S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin, AWMF-Registernummer 015-083, Version 1.0, Stand 22.12.2020, abgerufen am 30.10.2026
- ↑ 2,0 2,1 Amboss, Geburtsablauf, abgerufen am 30.10.2026
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Hirsch, Geburtshilfe und Erstversorgung des Neugeborenen, 1. Auflage, Elsevier, 2016
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 ACOG, First and Second Stage Labor Management, abgerufen am 30.10.2026
- ↑ 5,0 5,1 Mercer, Management of Normal Labor, abgerufen am 30.10.2026
- ↑ 6,0 6,1 6,2 6,3 FIGO, FIGO good clinical practice paper: management of the second stage of labour, 2021
- ↑ WHO, management of the second stage of labour, abgerufen am 30.10.2026