Vena cava inferior
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Loslegenvon lateinisch: cavum - Höhlung, inferior - untere(r)
Synonym: untere Hohlvene
Englisch: inferior vena cava, inferior caval vein
Definition
Die Vena cava inferior ist eine großlumige Körpervene, die von kaudal kommend in den rechten Vorhof einmündet. Sie wird wie die Vena cava superior als „Hohlvene" bezeichnet.
Anatomie
Verlauf
Die Vena cava inferior entsteht aus dem Zusammenfluss der rechten und linken Vena iliaca communis i.d.R. auf Höhe des 5. Lendenwirbelkörpers. Die Vereinigungsstelle liegt auf der rechten Seite der Wirbelsäule und hinter der rechten Arteria iliaca communis.
Anschließend zieht die Vene retroperitoneal und rechts neben der Aorta schräg an der hinteren Bauchwand zum Centrum tendineum des Zwerchfells auf. In der Leber liegt sie im Sulcus venae cavae und wird dort durch das Ligamentum venae cavae fixiert. Sie durchstößt das Foramen venae cavae und tritt in die Brusthöhle ein, wo sie im Mediastinum entlang der medialen Seite der rechten Pleurahöhle zum Herzen verläuft.
Im Herzbeutel mündet sie nach wenigen Millimetern in den Sinus venarum cavarum des rechten Herzvorhofes.
Zuflüsse
- Vena sacralis mediana: mündet in den Teilungswinkel der Vena cava inferior oder in die linke Vena iliaca communis und leitet u.a. das Blut aus dem Glomus coccygeum ab.
- Venae hepaticae dextra, intermedia et sinistra: münden dicht unter dem Zwerchfell in die untere Hohlvene (Lebervenenstern). Über diese Venen fließt das Blut des Portalkreislaufes (aus Magen, Darm, Pankreas und Milz über Vena portae).
- Vena renalis dextra et sinistra: Die linke Nierenvene nimmt i.d.R. die Vena suprarenalis sinistra, die linken Venae testiculares bzw. Venae ovaricae sowie die linke Vena phrenica inferior auf.
- Vena suprarenalis dextra
- Vena testicularis bzw. Vena ovarica dextra
- Vena phrenica inferior dextra
- Venae lumbales I-IV
Anastomosen
Zwischen der Vena cava inferior und der Vena cava superior bestehen einige Verbindungen, die man als kavokavale Anastomosen bezeichnet.
Funktion
Die Vena cava inferior transportiert desoxygeniertes, venöses Blut aus der unteren Körperhälfte (Bein-, Becken- und Bauchregion) zum Herzen.
Embryologie
Die Vena cava inferior entsteht während der Embryonalentwicklung nicht aus einem einzigen Gefäß, sondern aus einer Serie von Anastomosen zwischen paarigen embryonalen Venensystemen: den Venae cardinales posteriores, den Venae subcardinales und den Venae supracardinales. Der suprarenale Abschnitt entwickelt sich überwiegend aus der rechten Vena subcardinalis, der infrarenale Abschnitt aus einer Anastomose zwischen rechter Vena subcardinalis und rechter Vena supracardinalis, während der kurze hepatische Abschnitt aus der rechten Vena vitellina hervorgeht. Aus dieser komplexen Entstehung erklären sich die klinisch relevanten Anlagevarianten der Vena cava inferior, etwa die Doppelanlage, eine linksseitige Vena cava inferior oder die Azygos-Kontinuität bei fehlender Ausbildung des infrarenalen bzw. hepatischen Abschnitts.
Klinik
Vena-cava-Kompressionssyndrom
In Rückenlage – v.a. in der späten Schwangerschaft – kann der gravide Uterus die Vena cava inferior komprimieren und den venösen Rückstrom zum Herzen vermindern. Klinisch äußert sich das Vena-cava-Kompressionssyndrom durch Hypotonie, Tachykardie, Schwindel und Übelkeit bis hin zur Synkope. Zur Akuttherapie bei symptomatischer Kompression wird eine Linksseitenlage durchgeführt.
Thrombose und Tumorthrombus
Eine tiefe Beckenvenenthrombose kann sich in die Vena cava inferior fortsetzen. Bei malignen Tumoren mit venöser Ausbreitung, insbesondere dem Nierenzellkarzinom und dem hepatozellulären Karzinom, kann ein Tumorthrombus (Cavazapfen) entlang der Vena renalis bzw. der Venae hepaticae in die Vena cava inferior einwachsen und bis in den rechten Vorhof reichen.
Vena-cava-Filter
Bei Kontraindikation gegen eine Antikoagulation oder bei rezidivierender Lungenembolie trotz suffizienter Antikoagulation kann ein Vena-cava-Filter perkutan in die infrarenale Vena cava inferior implantiert werden, um eine Embolisation thrombotischen Materials aus den Beinvenen in die Lungenstrombahn zu verhindern.
Budd-Chiari-Syndrom
Eine Abflussbehinderung der Venae hepaticae oder des angrenzenden Abschnitts der Vena cava inferior führt zum Budd-Chiari-Syndrom mit hepatischer Stauung, Aszites und Hepatomegalie.
Anlagevarianten
Anlagevarianten (s.o.) sind meist Zufallsbefunde in der Bildgebung, aber vor abdominal- oder gefäßchirurgischen Eingriffen relevant.
Sonographie
Die Vena cava inferior lässt sich im Oberbauchlängs- und querschnitt gut sonographisch darstellen. Durchmesser und atemabhängiger Kollaps dienen als nichtinvasiver Parameter zur Abschätzung des Volumenstatus. Ein enges, atemvariables Gefäß spricht für einen niedrigen, ein weites, kaum atemvariables Gefäß für einen erhöhten zentralen Venendruck. Darüber hinaus wird die Sonographie zur Detektion von Cava-Thrombosen und Tumorthromben (z.B. bei Nierenzellkarzinom), zur Beurteilung venöser Kongestion sowie zum Nachweis von Anlagevarianten oder zur Lagekontrolle eines Vena-cava-Filters eingesetzt.
Literatur
- Schünke M, Schulte E, Schumacher U. Prometheus – LernAtlas der Anatomie: Innere Organe. 5. Aufl. Thieme; 2018.
- Aumüller G et al. Duale Reihe Anatomie. 5. Aufl. Thieme; 2020.
- Standring S (Hrsg.). Gray's Anatomy: The Anatomical Basis of Clinical Practice. 42. Aufl. Elsevier; 2021.