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Nosokomialinfektion

(Weitergeleitet von Nosokomiale Infektion)

von griechisch: νοσοκομιον - Krankenlager
Synonym: nosokomiale Infektion, Hospitalinfektion, Krankenhausinfektion
Abkürzung: NI
Englisch: hospital acquired infection, healthcare associated infection (HAI), nosocomial infection

1 Definition

Als Nosokomialinfektion bezeichnet man jede durch Mikroorganismen hervorgerufene Infektion, die in zeitlichem bzw. kausalem Zusammenhang mit einer stationären oder ambulanten medizinischen Maßnahme steht - soweit die Infektion nicht bereits vorher bestand. Im erweiterten Sinn sind auch Infektionen, die in Pflegeeinrichtungen erworben werden, Nosokomialinfektionen.

2 Häufigkeit

In einer Studie aus dem Jahr 2013[1] waren die 3 häufigsten Nosokomialinfektionen:

3 Risikofaktoren

Besonders prädisponiert für eine Nosokomialinfektion sind Personen mit

4 Unterscheidung

Man unterscheidet zwei Typen von nosokomialen Infektionen:

  • Endogene Infektion (70-80 %): Standortwechsel des Erregers im Patienten selbst (z.B. Beatmungspneumonie, Gasbrand nach OP)
  • Exogene Infektion (20-30 %): Übertragung des Erregers von außen auf den Patienten, Kreuzinfektion

5 Nosokomiale Erreger

Nosokomiale Erreger sind häufig fakultativ pathogener Bestandteil der normalen bakteriellen Flora von Haut, Nasenrachenraum und Darm, d.h. sie entwickeln ihre Pathogenität erst bei Vorliegen von Immunschwäche, Stress oder Standortwechsel (z.B. Escherichia coli aus der Darmflora bei nosokomialen Pneumonien).

Besonders bedeutsam sind multiresistente Erreger (MRE), die ca. 5-10 % aller nosokomialen Infektionen ausmachen (Stand 2017).

Zu den wichtigsten nosokomialen Erregern gehören:

siehe auch: ESKAPE

Bei Infektionen des Personals handelt es sich streng genommen nicht um nosokomiale, d. h. "krankheitsbegleitende" Infektionen, sondern um eine Berufskrankheit.

6 Übertragung

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen:

  • Nass- bzw. Pfützenkeime (z.B. Pseudomonas, Legionellen): Übertragung z.B. über Waschbecken und Beatmungsschläuche
  • Trocken- bzw. Luftkeime (z.B. Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus aureus): Übertragung durch medizinisches Personal z.B. bei insuffizienter Händedesinfektion, über Kontaktflächen oder über die Raumluft

Die häufigste Infektionsquelle sind "belebte Quellen", sprich Personal, andere Patienten, Besucher. Meist werden die Erreger über die Hände übertragen. Nosokomiale Erreger können sich jedoch auch in unbelebten Reservoiren finden. Dazu zählen z.B. Türklinken, Flaschen, Waschbecken, Eiswürfel, Blumen, etc.

Mögliche Infektionswege sind:

7 Gegenmaßnahme

Die wichtigste Gegenmaßnahme ist eine gute Hygiene, sprich sorgfältige Desinfektion und Sterilisation. Weiterhin können baulich-funktionelle Maßnahmen sowie organisatorische Maßnahmen hilfreich sein.

8 Quellen

  1. Behnke M et al: Nosokomiale Infektionen und Antibiotika-Anwendung: Zweite nationale Prävalenzstudie in Deutschland. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(38): 627-33.

Diese Seite wurde zuletzt am 27. Mai 2020 um 13:15 Uhr bearbeitet.

Fixed
#2 am 06.05.2020 von Bijan Fink (Arzt | Ärztin)
Die im Flexikon verwendete Definition von nosokomial ist gefährlich FALSCH! Gemäß Gesetz zur Neuordnung seuchenrechtlicher Vorschriften (SeuchRNeuG) vom 20.07.2000 oder auch dem aktuellen Infektionsschutzgesetz - IfSG ist eine nosokomiale Infektion in der *gesetzlichen* Begriffsbestimmung (§2 von 07/2000) wie folgt definiert: "eine Infektion mit lokalen oder systemischen Infektionszeichen als Reaktion auf das Vorhandensein von Erregern oder ihrer Toxine, die im (neu: zeitlichen) Zusammenhang mit einer stationären **oder einer ambulanten** medizinischen Maßnahme steht, soweit die Infektion nicht bereits vorher bestand," Eine Korrektur des Texts ist im Rahmen der aktuell geplanten Änderung des Infektionsschutzgesetzes besonders wichtig.
#1 am 05.05.2020 von Dr. Martin Roth (Arzt | Ärztin)

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