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Gasbrand

Synonyme: Gasödem, Gasphlegmone, Clostridiummyositis und -zellulitis, clostridiale Myonekrose, Gasgangrän
Englisch: gas gangrene, clostridial myonecrosis, emphysematous gangrene

1 Definition

Der Gasbrand ist eine mit Gasbildung einhergehende nekrotisierende Infektion der Weichteile, die hauptsächlich auf eine Wundkontamination mit dem Bakterium Clostridium perfringens zurückzuführen ist. Ein Zehntel der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten verstarben an Gasbrand bzw. den Folgen des Gasbrandes.

2 Erreger

Der Gasbrand ist auf eine Infektion mit Clostridien, insbesondere Clostridium perfringens zurückzuführen. Dabei handelt es sich um ein grampositives, sporenbildendes, obligat anaerobes Stäbchen, mit ubiquitärem Vorkommen. Weitere, mögliche Erreger des Gasbrandes sind Clostridium histolyticum, Clostridium septicum, Clostridium novyi, Clostridium fallax.

3 Pathogenese

Clostridien breiten sich bei größeren Weichteilschädigungen rasant im geschädigten Gewebe aus. Eine schlechte Durchblutung des Wundgebiets begünstigt dabei die Ausbreitung. Besonders nach großflächiger Weichteilverletzung, bei offenen Frakturen, aber auch nach Schuss- und Stichverletzungen mit Gewebeuntergang und Mangeldurchblutung ist die Gefahr einer Infektion mit Clostridien groß.

Nach einer variablen Inkubationszeit von 1-4 Tagen entwickeln sich schwere Nekrosen der Muskulatur des infizierten Bereichs. Durch Übertritt bakterieller Toxine in den systemischen Kreislauf kann es zusätzlich zur Schädigung lebenswichtiger Organe kommen (z.B. Herz, Niere).

4 Symptomatik

4.1 Lokale Symptome

Das betroffene Wundareal ist nekrotisch zerfallen und knistert bei Kompression durch die Freisetzung der gebildeten Gase ("Krepitation"). Die Wunde ist stark schmerzhaft und stinkt verfault. Die betroffene Extremität ist ödematös aufgetrieben, die Haut im betroffenen Gebiet rot-braun verfärbt.

4.2 Allgemeinsymptome

Durch die rasche Ausbreitung des Erregers und seiner Toxine kommt es zum schnellen Fortschreiten der Infektion mit Ausbildung einer Sepsis, die sich unter anderem durch folgende Symptome äußert:

Die Sepsis kann in einen septischen Schock mit akutem Nierenversagen münden.

5 Therapie

5.1 Chirurgische Therapie

Lebensrettend ist die schnellstmögliche chirurgische Sanierung des Wundgebietes mit einem großzügigen Debridement nekrotischer Areale, Gewebespaltungen, ausgiebigen Spülungen und Drainagen zur Ausschwemmung des erregerhaltigen Sekrets. Bei drohender Ausbreitung des Erregers kann eine Amputation die einzig sichere lebensrettende Maßnahme darstellen.

5.2 Antibiose

Die antibiotische Therapie wird aufgrund der vitalen Gefährdung des Patienten begonnen, bevor das Ergebnis eines Antibiogramms vorliegt. Da meist eine Mischinfektion besteht, werden Kombinationen von hochdosierten Breitbandantibiotika und Antibiotika mit Wirksamkeit gegen Anaerobier eingesetzt, zum Beispiel Penicillin G und Metronidazol.

5.3 Hyperbare Oxygenierung

Nach Möglichkeit ist eine hyperbare Sauerstofftherapie durchzuführen, bei der in einer Überdruckkammer ein sauerstoffreiches Milieu geschaffen wird. Dadurch sterben die obligat anaeroben Erreger ab. Aufgrund der schlechten Transportfähigkeit der Patienten und der schlechten Verfügbarkeit von Überdruck-Kammern ist diese Therapieoption jedoch häufig nicht verfügbar.

6 Prognose

Auch unter Therapie beträgt die Letalität des Gasbrandes bis zu 50 %.

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