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Hepatitis C

Synonym: Hep C
Englisch: Hepatitis C

1 Definition

Die Hepatitis C ist eine Virushepatitis, welche meistens chronisch verläuft. Sie war vor Entdeckung ihres Erregers im Jahr 1990 für eine Vielzahl von transfusionsbedingten Hepatitiden verantwortlich, da sie mit Blutprodukten übertragen wurde (sog. Posttransfusionshepatitis).

2 Erreger

Erreger der Hepatitis C ist das Hepatitis-C-Virus (HCV). Es ist ein RNA-Virus und gehört zur Gruppe der Flaviviridae. Beim Hepatitis-C-Virus sind 7 Genotypen und über 100 verschiedene Subtypen mit modifizierten Eigenschaften bekannt. Eine Mehrfachinfektion mit verschiedenen Subtypen ist möglich, eine einmalige Infektion schützt daher nicht vor erneuter Infektion.

Durch die immunologischen Besonderheiten eines RNA-Virus bedingt ist die Entwicklung einer wirksamen Impfung gegen Hepatitis C bisher nicht gelungen. Es befinden sich aber einige vielversprechende Impfstoffe in der Entwicklung.

3 Übertragung

Die Übertragung des HCV erfolgt durch Blut und andere Körperflüssigkeiten. Mögliche Infektionswege sind daher unter anderem der Kontakt mit Blut- und Blutprodukten - z.B. durch intravenösen Drogenkonsum mit gebrauchten Kanülen, nicht ausreichend sterilisierte medizinische Instrumente oder Nadelstichverletzungen. Auch in nicht professionell arbeitenden Tattoo- oder Piercing-Studios kann eine Infektion erworben werden.

Die Gefährdung im Rahmen von Bluttransfusionen und Organtransplantationen konnte durch die routinemäßige Testung der Spender massiv minimiert werden. Ein geringes Restrisiko besteht für Blutspenden, die von frisch infizierten Spendern stammen. Patienten, die vor 1992 eine Bluttransfusion erhalten haben, sollten einem HCV-Screening unterzogen werden.

Die Möglichkeit eines HCV-Erwerbs durch Geschlechtsverkehr wird kontrovers diskutiert. Wechselnde Sexualpartner und Sexualpraktiken, die mit Verletzungen einhergehen können (z.B. Analverkehr) sind mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden. Das Risiko bei heterosexuellem Verkehr mit einem Partner wird als gering eingestuft. Personen, die mit HCV infiziert sind, sollten durch Verwendung von Kondomen die Weitergabe ihrer Infektion verhindern.

Bei Schwangeren, die mit HCV infiziert sind, kommt es in etwa 5-10% der Fälle zu einer perinatalen Infektion des Neugeborenen. Die Gefährdung einer Ansteckung durch Stillen ist deutlich geringer, jedoch sollten Mütter mir hoher Viruslast vom Stillen absehen.

Häufig bleibt der genaue Infektionsmechanismus einer Hepatitis C ungeklärt. Die Inkubationszeit liegt zwischen 2 Wochen und 6 Monaten.

4 Epidemiologie

Die Hepatitis C ist weltweit verbreitet. Weltweit sind Schätzungen zufolge etwa 130–200 Millonen Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert, jährllich kommt es zu über 10 Millionen Neuinfektionen. Die meisten Fälle betreffen Afrika und Asien. In Deutschland liegt die Prävalenz unter 1%. Innerhalb von Europa ist ein Süd-Nord-Gefälle bezüglich der Prävalenz festzustellen.

5 Klinik

Beim klinischen Verlauf sind die symptomatischen, akuten Verläufe von den chronischen, zum Teil asymptomatischen Verläufen zu unterscheiden. Symptomatische HCV-Infektionen äußern sich durch Ikterus, Abgeschlagenheit und grippale Krankheitserscheinungen. Asymptomatische HCV-Infektionen, welche über 80 % der Verläufe ausmachen, neigen im weiteren Verlauf zur Chronifizierung. Ca. 40 % der Infektionen heilen spontan aus, fulminante Verläufe kommen praktisch nicht vor.

Eine chronische Hepatitis führt bei ungünstigem Verlauf zu einer fortschreitenden Destruktion der Leber. Ein Fünftel der Patienten entwickelt innerhalb von 20 Jahren eine Leberzirrhose. Patienten mit einer HCV-bedingten Zirrhose entwickeln in einem geringen Prozentsatz ein hepatozelluläres Karzinom.

In Europa sind über die Hälfte aller hepatozellulären Karzinome auf eine HCV-Infektion zurückzuführen. Gleiches gilt für etwa ein Drittel der Leberzirrhosen.

Neben den die Leber betreffenden Manifestationen treten im Rahmen einer Hepatitis C häufig Begleiterkrankungen auf. Unter anderem sind dies:

6 Diagnostik

Die Verdachtsdiagnose einer Hepatitis C ergibt sich bei symptomatischem Verlauf mit Ikterus, Hyperbilirubinämie und erhöhten Transaminasen (AST, ALAT). Die Transaminasen sind jedoch kein sicherer Marker für den tatsächlichen Krankheitsverlauf.

6.1 Labor

Der Nachweis einer frischen Infektion kann direkt nach Infektion durch den Nachweis von HCV-RNA mit Hilfe der mittels Polymerasekettenreaktion (PCR) aus Blut erfolgen. Die spezifischen Antikörper Anti-HCV werden erst nach frühestens 3-4 Wochen positiv.

Der Nachweis von HCV-RNA eignet sich sowohl zum Nachweis einer frischen Infektion, als auch zur Bestimmung der Infektiösität des betroffenen Patienten und zur Verlaufskontrolle unter der Therapie. Persistieren HCV-RNA und Anti-HCV, liegt eine Chronifizierung vor.

Liegt ein sicher positiver Antikörpertest und eine im Abstand von mindestens drei Monaten mehrfach negative PCR vor, kann davon ausgegangen werden, dass die Infektion ausgeheilt ist. Dies wird als "sustained virologic response" bezeichnet.

6.2 Biopsie

Mit Hilfe einer Leberbiopsie können Aussagen über das Ausmaß der Gewebeschädigung getroffen werden.

7 Therapie

Die Standardtherapie der Hepatitis C ist pharmakologisch und richtet sich nach dem jeweiligen HCV-Genotyp. Dabei werden Wirkstoffkombinationen eingesetzt, um das Risiko viraler Resistenzen zu vermindern. Ein früher Therapiebeginn begrenzt den Schaden durch die Hepatitis.

Genotyp Wirkstoffkombination
1 Sofosbuvir und Ledipasvir
2 Sofosbuvir und Ribavirin
3 Sofosbuvir, Ribavirin und Interferon
4 Sofosbuvir und Ledipasvir
5, 6 Ledipasvir, Sofosbuvir und Ribavirin

Der Behandlungszeitraum ist abhängig Genotyp und beträgt in der Regel 12 bis 16 Wochen. Als Alternative kommt bei einigen Genotypen der Einsatz von Paritaprevir, Ombitasvir und/oder Dasabuvir in Frage. Der Einsatz von Nukleotidanaloga wie Sofosbuvir ist teuer. Die Tagestherapiekosten können bei mehreren hundert Euro liegen.

Vor 2011 wurde die Hepatitis C meist mit einer Kombination aus Ribavirin und Interferon-α (z.B. PEG-IFN-α) behandelt. Abhängig vom HCV-Genotyp betrug die Behandlungsdauer zwischen 24 und 48 Wochen. Unter diesem Regime konnte in bis zu 80% der Fälle eine Ausheilung mit fehlendem Nachweis von HCV-RNA erreicht werden. Ein Nachteil dieser Therapie war die Häufigkeit von Nebenwirkungen - bei mehr als der Hälfte der Behandelten traten Grippe-ähnliche Symptome auf.

8 Meldepflicht

Neu diagnostizierte Fälle von Hepatitis C sind meldepflichtig.

9 Quellen

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