Sofosbuvir
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LoslegenHandelsname(n): Sovaldi®
Englisch: sofosbuvir
Definition
Sofosbuvir ist ein Virostatikum aus der Gruppe der Nukleotidanaloga. Es wird zur Behandlung der Hepatitis C eingesetzt.
Chemie
Bei Sofosbuvir ist im Gegensatz zu normalen Nukleotiden der Erbsubstanz die 2'-Stelle des Zuckeranteils sowie der Phosphatrest modifiziert. Die Summenformel lautet C22H29FN3O9P. Das Molekulargewicht beträgt 529,45 g/mol.
Sofosbuvir ist ein Prodrug, das durch Metabolisierung in der Zelle in seine aktive Form Uridin-Analogon-Triphosphat (GS-461203) überführt wird.
Wirkmechanismus
Sofosbuvir hemmt pangenotypisch – das heißt unabhängig vom Genotyp des Hepatitis-C-Virus – die virale NS5B-Polymerase, die zur Virusreplikation benötigt wird. Der aktive Metabolit GS-461203 wird durch die NS5B-Polymerase in die HCV-RNA eingebaut, was zum Kettenabbruch führt. GS-461203 hemmt weder humane DNA- oder RNA-Polymerasen, noch die mitochondriale RNA-Polymerase.[1]
Pharmakokinetik
Sofosbuvir wird rasch absorbiert und im Blutplasma zum Großteil an Proteine gebunden transportiert. In der Leber wird Sofosbuvir zum pharmakologisch aktiven Metaboliten GS-461203 umgewandelt. Der zirkulierende, inaktive Hauptmetabolit GS-331007 entsteht auf einem parallelen Stoffwechselweg und macht mehr als 90 % der systemischen Wirkstoffexposition aus. Der Großteil der aufgenommenen Dosis wird über den Urin, d.h. renal ausgeschieden.[1][2]
Indikationen
Indikation für Sofosbuvir ist die Therapie von Hepatitis C. Eine Monotherapie mit Sofosbuvir wird aufgrund des Risikos einer raschen Resistenzentwicklung nicht empfohlen; der Wirkstoff wird daher in Kombination mit anderen antiviralen Wirkstoffen angewendet, wie zum Beispiel Peginterferon alfa, Ribavirin, Ledipasvir oder Velpatasvir.[1][3]
Darreichungsformen
Sofosbuvir ist als Filmtablette erhältlich. Auch Kombinationspräparate mit Ledipasvir und Velpatasvir sowie Voxilaprevir sind erhältlich.
Dosierung
Die empfohlene Tagesdosis für einen Erwachsenen beträgt einmal 400 mg. Zu beachten ist, dass neben Sofosbuvir auch noch weitere Virostatika angewendet werden, deren Dosisanpassung separat zu erfolgen hat. Bei Kindern und Jugendlichen findet die Dosisanpassung von Sofosbuvir nach dem Körpergewicht statt.[1][2]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Wirksamkeit
Derzeitiger Therapiestandard (2026) ist die orale, einmal täglich einzunehmende Fixkombination aus Sofosbuvir und Velpatasvir (Epclusa®), mit der in Zulassungsstudien bei rund 95–99 % der Patienten nach zwölfwöchiger Therapie eine Viruselimination (SVR12) erreicht wurde.[4] Die deutsche S3-Leitlinie zur Hepatitis-C-Virusinfektion empfiehlt pangenotypische, interferonfreie Sofosbuvir-haltige Kombinationstherapien als Therapiestandard.[5] Die früher gebräuchliche Zweifachtherapie aus Sofosbuvir und Ribavirin erzielte demgegenüber, je nach Genotyp und Regime, SVR-Raten zwischen rund 50 % und 90 %[6] und wurde inzwischen weitgehend durch pangenotypische Kombinationstherapien wie Sofosbuvir/Velpatasvir abgelöst.
Nebenwirkungen
Folgende Nebenwirkungen wurden im Rahmen einer Kombinationstherapie aus Sofosbuvir/Ribavirin häufig dokumentiert. Spezifische Nebenwirkungen für Sofosbuvir wurden hierbei nicht identifiziert:[1][2]
- Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Erschöpfung, Reizbarkeit
- Übelkeit
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Anämien
- Pruritus
- erhöhte Bilirubinkonzentration im Blut
Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnt bei Therapie mit direkt wirkenden antiviralen Mitteln wie Sofosbuvir vor einem erhöhten Risiko für die Reaktivierung einer latenten Hepatitis B-Infektion.[7]
Wechselwirkungen
Arzneimittel, die starke P-gp-Induktoren im Darm sind (Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Rifampicin, Johanniskraut), führen zu einer signifikanten Abnahme der Sofosbuvir-Plasmakonzentration und sind daher kontraindiziert.
Mittelstarke P-gp-Induktoren (z. B. Modafinil, Oxcarbazepin, Rifapentin) können die Plasmakonzentration von Sofosbuvir ebenfalls verringern. Ihre gleichzeitige Anwendung wird nicht empfohlen.
Arzneimittel, die P-gp und/oder BCRP hemmen, können zu einem Anstieg der Sofosbuvir-Plasmakonzentration führen, ohne dass dies klinisch relevant wird – eine gleichzeitige Anwendung ist möglich.[1][2]
Unter Sofosbuvir-haltigen Therapieregimen in Kombination mit Amiodaron wurden Fälle von lebensbedrohlicher Bradykardie und Herzblock beobachtet, teils noch bis zu zwei Wochen nach Therapiebeginn. Eine gleichzeitige Anwendung sollte nur erfolgen, wenn keine Alternativen zur Verfügung stehen, und erfordert eine engmaschige kardiale Überwachung.[1][2]
Anwendungshinweise
- Vor Therapiebeginn sollte auf eine Hepatitis-B-Virusinfektion getestet werden, um das Risiko einer HBV-Reaktivierung abzuschätzen.[1]
- Bei Kombination mit Ribavirin müssen Frauen im gebärfähigen Alter sowie deren Partner eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden, da Ribavirin teratogen wirkt.[1]
- Sofosbuvir sollte nicht zusammen mit den HCV-Proteaseinhibitoren Telaprevir oder Boceprevir angewendet werden, da hierzu keine ausreichenden Daten vorliegen.[1][3]
- Bei diabetischen Patienten kann sich die Blutzuckerkontrolle unter Therapie verbessern, sodass insbesondere in den ersten 3 Monaten ein erhöhtes Hypoglykämierisiko besteht und eine engmaschige Überwachung erfolgen sollte.[1]
- Bei schwerer Nierenfunktionsstörung (eGFR < 30 ml/min/1,73 m²) und bei dialysepflichtigen Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz ist keine Dosisanpassung erforderlich; aufgrund begrenzter Sicherheitsdaten sollte Sofosbuvir hier jedoch nur angewendet werden, wenn keine anderen relevanten Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen.[1]
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile
- Gleichzeitige Anwendung starker intestinaler P-gp-Induktoren (Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Rifampicin, Johanniskraut)[1][2]
Zulassung
Kostenproblematik
In den USA und Europa stoßen die hohen Behandlungskosten, die durch Sofosbuvir-basierte Therapien verursacht wurden, weiterhin auf Kritik. Ursprünglich wurden die Kosten einer zwölfwöchigen Therapie mit 50.000 bis 84.000 US$ angegeben.[8] Durch Generikaverfügbarkeit sind die Kosten in Niedrig- und Mitteleinkommensländern inzwischen auf teils unter 1.000 US$ pro Therapiezyklus gesunken, während Markenpräparate in Hocheinkommensländern weiterhin deutlich teurer sind.
Quellen
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 Sovaldi® Filmtabletten Fachinformation, abgerufen am 31.08.2026
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Sovaldi® 400 mg Filmtabletten Fachinformation, abgerufen am 31.08.2026
- ↑ 3,0 3,1 Sofosbuvir, abgerufen am 31.08.2026
- ↑ Feld et al., Sofosbuvir and Velpatasvir for HCV Genotype 1, 2, 4, 5, and 6 Infection, N Engl J Med, 2015
- ↑ S3-Leitlinie Hepatitis-C-Virus (HCV)-Infektion, abgerufen am 31.08.2026 (aktuell in Überarbeitung)
- ↑ Lawitz et al., Sofosbuvir for previously untreated chronic hepatitis C infection, N Engl J Med, 2013
- ↑ Hepatitis-B-Reaktivierung unter Hepatitis-C-Therapie, abgerufen am 31.08.2026
- ↑ Hill A et al. Potential for generic prices for 12 weeks sofosbuvir treatment to drop below US $300, HIV i-Base, 2015