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Febantel

1 Definition

Febantel ist ein veterinärmedizinischer Arzneistoff gegen Faden- (Nematoden) und Bandwürmer (Cestoden), der als Anthelmintikum eingesetzt wird.

2 Chemie

Febantel ist ein Probenzimidazol und weist - im Gegensatz zu Benzimidazolen - einen offenen Imidazolring auf. Der vollständige chemische Name von Febantel lautet Dimethyl-[[2-(2-methoxyacetamido)-4-(phenylthio)-phenyl]-imidocarbonyl]-dicarbamat und die Summenformel C20H22N4O6S. Das Molekulargewicht beträgt 446,49 g/mol.

Febantel ist ein farbloses Pulver und in Wasser und Alkohol unlöslich. Der Schmelzpunkt liegt zwischen 129 und 130 °C.

3 Wirkmechanismus

Die Wirkung von Febantel basiert wie die anderer Benzimidazole auf der Bindung an das Tubulin der Parasitenzelle. Durch die Bindung wird die Polymerisation von Tubulin zu Mikrotubuli gehemmt, wobei gleichzeitig eine Depolymerisation am anderen Mikrotubuliende unverändert weiterläuft. Auf diese Weise verlieren die Mikrotubuli an Länge und Struktur, was zu einer Beeinträchtigung lebenswichtiger struktureller und funktioneller Vorgänge innerhalb der Parasitenzelle zur Folge hat. Durch stoffwechselbedingte Veränderungen in den Organismen erfolgt eine Ausschöpfung der Energiereserven. Der Parasit stirbt ab und wird und nach etwa 2 bis 3 Tagen ausgeschieden. Febantel hat eine breites Wirkspektrum gegen Nematoden und Cestoden.

4 Pharmakokinetik

Febantel wird oral verabreicht. Der Wirkstoff wird zu über 40 % enteral resorbiert und schnell und umfangreich zu den wirksamen Metaboliten Fenbendazol und Oxfendazol (Fenbendazolsulfoxid) umgewandelt. Durch einen weiteren oxidativen Schritt entsteht aus Oxfendazol der inaktive Sulfometabolit. Fenbantel ist nach erfolgter Metabolisierung nur in sehr geringen Mengen im Plasma zu finden.

Die maximale Plasmakonzentration der Metaboliten wird beim Schaf nach 6 bis 12 Stunden, beim Rind nach 12 bis 24 Stunden erreicht. Die Plasmahalbwertszeit liegt zwischen 24 Stunden (Schaf) und 3 Tagen (Schwein).

Die Ausscheidung erfolgt über Fäzes und Nieren und nur zu einem äußerst geringen Anteil über die Milch. Maximale Metabolitenkonzentrationen in der Milch werden ca. 12 Stunden nach der Applikation beobachtet. Nach etwa 60 Stunden sind alle Metaboliten in der Milch bis unterhalb der Nachweisgrenze gefallen und somit nicht mehr detektierbar.

Die anthelmintische Wirkung hängt weniger von der maximalen Wirkstoffkonzentration, sondern vielmehr von der Persistenz der Wirkstoffspiegel im Gastrointestinaltrakt und Plasma des Wirtes ab. Eine genügend lange Kontaktzeit des Wirkstoffes mit den Parasiten ist Voraussetzung für die volle Wirksamkeit. Da bei Wiederkäuern und Pferden die Wirksamkeit durch die lange Verweildauer der Ingesta in Pansen und Caecum gewährleistet wird, kann die schnelle Passage durch den Verdauungstrakt bei Monogastriern (v.a. Fleischfresser) problematisch sein.

Aus diesem Grund sind bei Fleischfressern Bezimidazole nach einmaliger Applikation nicht oder nur unzureichend wirksam. Daher empfiehlt es sich bei Monogastriern eine mehrmalige Gabe in relativer hoher Dosierung.

5 Indikationen

Febantel findet bei verschiedenen Tierarten Verwendung. Anbei eine Übersicht empfindliche Parasiten bei den Haussäugetieren:

Pferd
Gastrointestinaltrakt (Nematoden) große & kleine Strongyliden
Parascaris equorum
Oxyuris equi
Trichostrongylus spp. (geringe Wirkung)
Rind
Gastrointestinaltrakt (Nematoden) Haemonchus spp.
Ostertagia spp.
Trichostrongylus spp.
Cooperia spp.
Nematodirus spp.
Bunostomum spp.
Oesophagostomum spp.
Trichuris spp.
Strongyloides sp. (teilweise)
Gastrointestinaltrakt (Cestoden) Moniezia spp.
Respirationsapparat Dictyocaulus spp.
Leber Fasciola hepatica
Kleine Wiederkäuer
Gastrointestinaltrakt (Nematoden) Trichostrongyliden
Haemonchus spp.
Ostertagia spp.
Trichostrongylus spp.
Cooperia spp.
Nematodirus spp.
Bunostomum spp.
Oesophagostomum spp.
Chabertia ovis
Gastrointestinaltrakt (Cestoden) Moniezia spp.
Respirationsapparat Dictyocaulus filaria
Schwein
Gastrointestinaltrakt (Nematoden) Hyostrongylus spp.
Oesophagostomum spp.
Ascaris suum
Trichuris suis
Respirationsapparat Metastrongylus spp. (teilweise)
Hund
Gastrointestinaltrakt (Nematoden) Trichuris vulpis
Toxocara canis
Ancylostoma caninum
Uncinaria stenocephala
Toxascaris leonina
Ancylostoma ceylanicum
Gastrointestinaltrakt (Cestoden) Taenia spp.
Dipylidium caninum
Gastrointestaltrakt (Kokzidien) Giardia spp.
Katze
Gastrointestinaltrakt (Nematoden) Trichuris spp.
Toxocara cati, Ancylostoma sp.
Uncinaria sp.

6 Dosierung

Die Dosis ist abhängig vom vorliegenden Parasiten. Außerdem gibt es deutliche Dosisunterschiede zwischen den einzelnen Tierarten. Dosierungsbeispiele bei den Haussäugetieren sind:

  • Katze: 10 mg/kgKG Febantel + 1 mg/kgKG Praziquantel tgl. über 3 Tage oral
  • Hund: 10 - 25 mg/kgKG 3x im Abstand von 12 Stunden (Jungtier) oder 10 mg/kgKG oral bei Toxocara canis-Befall
  • Pferd: 6 mg/kgKG oral
  • Rind: 5 - 10 mg/kgKG oral
  • Kleine Wiederkäuer: 5 - 10 mg/kgKG oral
  • Schwein: 30 mg/kg Futter über 5 Tage oder 15 mg/kgKG bei Trichuris suis-Befall

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

Aufgrund der schnellen Passage der Nahrung (beim Fleischfresser) erhöht ein zeitgleiches Nahrungsangebot bei der oralen Applikation von Benzimidazolen die Bioverfügbarkeit. Auf diese Weise kann die Wirksamkeit gesteigert werden.

7 Kontraindikation

Febantel sollte nicht bei trächtigen oder säugenden Hündinnen angewendet werden.

8 Nebenwirkungen

Nach einer Behandlung mit Febantel ist eine kurzzeitige Gewichtsabnahme bei Welpen möglich.

9 Toxizität

Febantel verfügt über eine gute Verträglichkeit. Pferde vertragen Einzeldosen von 240 mg/kgKG ohne relevante Nebenwirkungen. Eine tägliche orale Applikation von 24 oder 48 mg/kgKG über 10 Tage hat ebenfalls keine toxischen Effekte.

Die akute orale LD50 für den Hund beträgt mehr als 10 g/kgKG.

Zu den Vergiftungserscheinungen einer Überdosierung (15-fach bei adulten Hunden und Katzen) zählen Salivation, Durchfall, Erbrechen und Anorexie.

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