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Pansen

Synonym: Rumen

1 Definition

Der Pansen ist der erste und zugleich größte Abschnitt des mehrhöhligen Magens der Wiederkäuer.

2 Funktion

Als größte Abteilung des Vormagensystems dient der Pansen hauptsächlich als Gärkammer. Durch die im Pansen vorhandenen Mikroorganismen (Pansenflora) erfolgt eine Aufbearbeitung der Zellulose und anschließende Resorption der entstandenen kurzkettigen Fettsäuren (SCFA).

Der Pansen ist zudem - zusammen mit dem Netzmagen - für die Rejektion grober Futterbestandteile (in den Ösophagus sowie dem Weitertransport ausreichend zerkleinerter Nahrungsbestandteile (in den Blättermagen) zuständig. Aufgrund der engen Beziehung beider Vormagenabteilungen werden sie funktionell auch als Reticulorumen bezeichnet.

3 Embryologie

Der mehrhöhlige Magen der Rinder, Schafe und Ziegen entwickelt sich ursprünglich aus einer einfachen und spindelförmigen Anlage. Bei einem 2 Monate alten Embryo sind die einzelnen Magenabteilungen schon voneinander abgeschnürt. Eine endgültige Ausformung ist somit zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht abgeschlossen, sondern setzt sich bis zum Ende des Körperwachstums fort.

4 Anatomie

Der Magen ausgewachsener Hauswiederkäuer besteht aus einem dreiteiligen Vormagen (Proventriculus) und einem Labmagen (Drüsenmagen). Das Vormagensystem ist mit einer drüsenlosen Schleimhaut, der Labmagen hingegen mit einer Drüsenschleimhaut ausgekleidet. Aufgrund der unterschiedlichen Auskleidung der verschiedenen Magenabteilungen besteht der Wiederkäuermagen aus einem mehrhöhlig-zusammengesetzten Magen.

Das Größenverhältnis zwischen dem Vormagen und dem Drüsenmagen beträgt beim Rind in etwa 10:1.

4.1 Außenarchitektur

4.1.1 Flächen und Ränder

Am Pansen kann man folgende Oberflächenstrukturen beschreiben:

4.1.2 Furchen

Der Pasen wird durch äußerlich sichtbare Furchen gekennzeichnet. Diese werden ja nach Verlauf und Körperseite bezeichnet:

  • Sulcus longitudinalis sinister: auf der Facies parietalis verlaufende Längsfurche
  • Sulcus longitudinalis dexter: auf der Facies visceralis verlaufende Längsfurche
  • Sulcus accessorius sinister: von der linken Längsfurche ausgehende, nach dorsal ziehende Nebenfurche, die sich nach kurzer Strecke verliert
  • Sulcus accessorius dexter: dorsale Furche der zweigeteilten Nebenfurche der rechten Längsfurche, die sich jedoch kaudal wieder vereinigen und so ein inselförmiges Feld - die Panseninsel (Insula ruminis) - abgrenzen
  • Sulcus cranialis: kraniale Furche, die beide Längsfurchen miteinander verbindet
  • Sulcus caudalis: kaudale Furche, die beide Längsfurchen miteinander verbindet
  • Sulcus ruminoreticularis: hochgestellte Furche, die den Saccus dorsalis vom Netzmagen (Retikulum) abtrennt
  • Sulcus coronarius dorsalis: dorsale Kranzfurche; ungeschlossen und bei Schaf und Ziege nur angedeutet
  • Sulcus coronarius ventralis: geschlossene Kranzfurche

Durch den Sulcus cranialis und caudalis entsteht eine mehr oder weniger horizontal gelagerte Ringfurche, die den Pansen äußerlich in einen dorsalen (Saccus dorsalis) und ventralen Pansensack (Saccus ventralis) abtrennt.

4.1.3 Abteilungen

Durch die verschiedenartigen Furchen wird der Pansen in seine unterschiedlichen Abteilungen untergliedert:

  • Saccus dorsalis: große, dorsale Pansenabteilung; steht im Inneren durch das Ostium intraruminale mit dem ventralen Pansensack in Verbindung
  • Saccus ventralis: große, ventrale Pansenabteilung; ragt etwas mehr in die rechte Körperhälfte als die dorsale Abteilung
  • Saccus caecus caudodorsalis: kaudodorsal gelegener Blindsack an der Extremitas caudalis; wird durch den Sulcus coronarius dorsalis und den Sulcus caudalis vom Saccus dorsalis abgegrenzt
  • Saccus caecus caudoventralis: kaudoventral gelegener Blindsack an der Extremitas caudalis; wird durch den Sulcus coronarius ventralis und den Sulcus caudalis vom Saccus ventralis abgegrenzt

Beim Rind reichen der kaudodorsale und kaudoventrale Blindsack gleich weit nach kaudal, wobei der kaudodorsale in manchen Fällen größer ausgebildet sein kann. Beim kleinen Wiederkäuer ist der kaudoventrale Blindsack stets größer. Da die Extremitas cranialis des Pansens in der dorsalen und ventralen Etage sehr unterschiedlich gestaltet sind, unterscheidet man folgende zwei Abteilungen:

  • Saccus cranialis: durch den tiefen Sulcus cranialis vom dorsalen Pansensack abgetrennter Sack, der aufgrund seiner Funktion auch als Schleudermagen oder Pansenvorhof (Atrium ruminis) bezeichnet wird; steht mit dem Ösophagus und mit der Haube in Verbindung und ist äußerlich durch den Sulcus ruminoreticularis von der Haube getrennt; die innere Öffnung wird durch das Ostium ruminoreticulare markiert
  • Recessus ruminis: Da die kraniale Ausbuchtung des ventralen Pansensacks keine Abgrenzung besitzt, wird hier nicht von einem Blindsack, sondern von einer Pansenbucht (Recessus ruminis) gesprochen

4.2 Innenarchitektur

Die innere Oberfläche des Pansens wird durch zwei hervorstechende Strukturen charakterisiert:

4.2.1 Pansenzotten

Die Pansenzotten (Papillae ruminis) erscheinen als lanzett-, blatt- oder zungenförmige Erhebungen der Schleimhaut. Sie sind zwischen 3 und 6 mm, zum Teil jedoch auch 10 mm, hoch. Aufgrund ihrer großen Anzahl wird die resorbierende Schleimhautoberfläche drastisch erhöht.

Ein besonders dichter Besatz an Pansenzotten findet man im Schleudermagen (Atrium ruminis). Beim Rind bleibt das Dach des dorsalen Pansensackes frei von Pansenzotten. Hier befindet sich im allgemeinen eine über dem Futterbrei schwebende Gasblase, die während der Pansengärung entsteht. Die Pansenpfeiler sind ebenfalls zottenfrei.

4.2.2 Pansenpfeiler

Als Pansenpfeiler (Pilae ruminis) bezeichnet man die ins Lumen vorspringende schleimhautüberzogene Muskelbalken. Sie befinden sich auf gleicher Höhe wie die Pansenfurchen und stellen verstärkte Duplikaturen der Muskelhaut dar. Besonders kräftig ausgebildet sind der kraniale und kaudale Pfeiler, die der kranialen und kaudalen Furche (Sulcus cranialis und caudalis) entsprechen. Der kraniale Pfeiler (Pila cranialis) teilt dabei das Atrium ruminis vom Recessus ruminis, wohingegen der kaudale Pfeiler (Pila caudalis) als Querwulst zwischen die Zugänge zum kaudodorsalen und kaudoventralen Blindsack vorspringt. Der rechte Längspfeiler (Pila longitudinalis dextra) geht wiederum aus dem kranialen Pfeiler hervor. Beim Schaf (Rind und Ziege manchmal) vereinigt er sich letztendlich mit dem kaudalen Pfeiler.

Dorsal von diesem verläuft der rechte Hilfspfeiler (Pila accessoria dextra), der den kranialen mit dem kaudalen Pfeiler verbindet und mit dem rechten Längspfeiler wiederum die Panseninsel begrenzt. Der linke Längspfeiler (Pila longitudinalis sinistra) geht aus dem kaudalen Pfeiler hervor, ist jedoch kurz ausgebildet, sodass er den kranialen Pfeiler nicht erreicht. Der linke Hilfspfeiler (Pila accessoria sinistra) entstammt aus dem kranialen Pfeiler. Er zieht an der linken Wand des dorsalen Pansensacks nach dorsal, ohne Kontakt mit dem linken Längspfeiler aufzunehmen.

Vom kaudalen Pfeiler entspringen die beiden Kranzpfeiler (Pilae coronariae), die entsprechend dem Verlauf der Kranzfurchen ziehen. Dabei umfasst der ventrale Kranzpfeiler ringförmig die Basis des ventralen Blindsacks, während der dorsale Kranzpfeiler sich dorsal nicht zum Ring schließt. Aufgrund dessen grenzt er den dorsalen Blindsack gegen den dorsalen Pansensack nur unvollständig ab. Bei den kleinen Wiederkäuern fehlt der dorsale Kranzpfeiler gänzlich.

Die Pansenpfeiler sind v.a. für eine ausreichende Durchmischung des Panseninhalts zuständig.

4.3 Gefäßversorgung

Der gesamte Wiederkäuermagen wird über Arterien der Arteria coeliaca versorgt. Zu den drei Hauptästen, der Arteria gastrica sinistra, hepatica und lienalis kommen noch eine Arteria ruminalis dextra (aus der Arteria lienalis), sinistra (aus der Arteria coeliaca direkt) und eine Arteria reticularis (aus der Arteria ruminalis sinistra) hinzu. Die gleichnamigen Venen münden in die Vena portae.

Die regionären Lymphknoten gehören zum Lymphocentrum coeliacum. Sie entlassen die Lymphe über den Truncus gastricus in den Truncus visceralis und anschließend in die Lendenzisterne (Cisterna chyli).

4.4 Innervation

Die Innervation erfolgt über den Truncus vagalis dorsalis bzw. ventralis (Nervus vagus) sowie den Plexus coeliacus. Hierfür sind v.a. der Plexus gastricus, Plexus ruminalis dexter und sinister zuständig.

5 Topographie

Der Pansen ist die weitaus größte Abteilung des Vormagens der Wiederkäuer. Er nimmt als gewaltiger uns seitlich abgeflachter Sack die linke Bauchhöhlenhälfte für sich in Anspruch. In seiner Maximalausdehnung breitet er sich über die Medianebene zum Teil auch in die rechte Hälfte der Bauchhöhle aus. Er erstreckt sich vom Zwerchfell bis zum Beckeneingang.

6 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band II: Eingeweide. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.
  • Breit, Sabine, Künzel, Wolfgang. Bau und Funktion der Harn und Verdauungsorgane I (Verdauungsorgane), SS 2015.

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