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Nervus vagus (Veterinärmedizin)

von lateinisch: vagari - umherstreifen, umherschweifen
Synonyme: Nervus X, 10. Hirnnerv
Englisch: vagus nerve

1 Definition

Der Nervus vagus ist der 10. Hirnnerv der Haussäugetiere und führt gemischte Fasern.

2 Anatomie

Der Nervus vagus ist ein gemischter Nerv, der hauptsächlich an der Innervation der meisten Eingeweide beteiligt ist. Von allen Gehirnnerven besitzt er das ausgedehnteste Versorgungsgebiet, weshalb er auch als "der umherschweifende Nerv" bezeichnet wird.

Nachdem er den Nervus laryngeus recurrens abgegeben hat, führt der Nervus vagus hauptsächlich nur noch parasympathische und viszerosensible Fasern für folgende Organe:

Körperabschnitt: Organ:
Thorax Herz
Atmungsapparat
Abdomen Milz
Leber
Bauchspeicheldrüse
Niere
Nebenniere
Magen-Darm-Trakt (exkl. Colon descendens und Rektum)

Aufgrund seines weitreichenden Versorgungsgebietes kann er auch als Hauptrepräsentant des kranialen Teiles des parasympathischen Systems angesehen werden. Es ist jedoch zu beachten, dass der Nervus vagus nicht als Vertreter des parasympathischen Systems dem sympathischen System gegenübergestellt wird. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass der Nervus vagus außerhalb des Kopfgebietes überwiegend ein sensibler Nerv ist. Der zervikale Vagusabschnitt enthält nur noch zu einem Drittel bis zu einem Viertel efferente Fasern.

2.1 Wurzelzellen

2.1.1 Sensibel

Die sensiblen Wurzelzellen des Nervus vagus liegen hauptsächlich im Ganglion proximale, teilweise aber auch im Ganglion distale. Das Ganglion proximale entspricht anatomisch und funktionell einem Spinalganglion. Im Ganglion distale hingegen kommen vereinzelt multipolare Nervenzellen vor, die dem benachbarten Sympathikusganglion (Ganglion cervicale craniale) entstammen. Diese spielen für die Funktion des Ganglion distale keine wesentliche Rolle. Es ist daher (wie das Ganglion proximale) ein sensibles Ganglion.

Die afferenten Wurzelfasern teilen sich - nachdem sie in das verlängerte Mark eingetreten sind - in auf- und absteigende Äste. Diese enden allesamt im Nucleus tractus solitarii und im Nucleus tractus spinalis nervi trigemini. Die aus diesen sensiblen Endkernen hervorgehenden sekundären Neuronen verhalten sich schließlich wie die der übrigen Kiemenbogennnerven.

2.1.2 Motorisch

Die motorischen Wurzelzellen des Nervus vagus liegen im hinteren Teil des Nucleus ambiguus. Vor ihrem Austritt aus der Medulla oblongata bilden sie ein inneres Knie. Den größten Anteil der motorischen Wurzeln bezieht der Nervus vagus jedoch von den Radices craniales nervi acessorii, die deshalb zusammen auch als Nervus accessorius vagi bezeichnet werden.

2.1.3 Parasympathisch

Die parasympathischen Wurzelzellen stammen aus dem hinteren Abschnitt des Nucleus parasympathicus nervi glossopharyngei et nervi vagi. Die Axone enden als präganglionäre Fasern in den intramuralen oder prävertebralen Eingeweideganglien der Brust- und Bauchhöhle und zeichnen sich durch ihre besondere Länge aus. Obwohl der Nervus vagus der Hauptvertreter des parasympathischen Nervensystems ist, führt er auch sympathische Fasern. Diese werden ihm im Kopfbereich vom Ganglion cervicale craniale über den Nervus jugularis sowie weiteren Verbindungsästen zugeführt.

2.2 Abschnitte

Aufgrund des ausgedehnten Verbreitungsgebietes des Nervus vagus wird dieser in der Klinik in einen Kopf-, Hals-, Brust und Bauchteil untergliedert.

2.2.1 Kopfteil

Der Kopfteil (Pars cranialis) des Nervus vagus umfasst den Abschnitt von den Wurzelbündeln bis hin zur Abgangsstelle des Nervus laryngeus cranialis. Da dieser Nerv tierartlich verschieden aus dem Nervus vagus hervorgeht, ist der Kopfteil auch dementsprechend unterschiedlich lang.

2.2.2 Halsteil

Der Halsteil (Pars cervicalis) des Nervus vagus erstreckt sich distal vom Ganglion distale bzw. von der Abgangsstelle des Nervus laryngeus cranialis nach kaudal. Dabei besteht er im wesentlich aus einem kräftigen Nervenstrang, der mit dem Halssympathikus bindegewebig zum Truncus vagosympathicus verbunden ist. Dieser Nervenstrang zieht am dorsomedialen Rand der Arteria carotis communis zum Brusthöhleneingang, wo sich beide Nerven letztendlich wieder voneinander trennen.

2.2.3 Brustteil

Der Brustteil (Pars thoracica) des Nervus vagus beginnt tierartlich verschieden (beim Hund am Ganglion cervicale craniale, bei den übrigen Haussäugetieren schon vorher). Hier teilt sich der Vagusanteil vom Sympathikus und tritt dann unter der Arteria subclavia hindurch ins Spatium mediastini ein.

2.2.4 Bauchteil

Der Bauchteil (Pars abdominalis) des Nervus vagus geht aus dem Truncus vagalis dorsalis und Truncus vagalis ventralis (aus dem Brustteil) hervor. Er verhält sich im weiteren Verlauf beim Wiederkäuer deutlich anders als bei Tieren mit einhöhligem Magen.

3 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band IV: Nervensystem. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004

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