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Nebenniere (Veterinärmedizin)

Synonyme: Glandula suprarenalis, Glandula adrenalis

1 Definition

Die Nebennieren sind endokrine Organe, die in unmittelbarer Nachbarschaft der Nieren liegen und bei allen Haussäugetieren ausgebildet sind.

2 Anatomie

Die Nebennieren liegen als paarige Organe in unmittelbarer Umgebung der Nieren. Als ebenso retroperitoneal gelegene Organe befinden sie sich entweder kraniomedial oder medial (Pferd) am vorderen Nierenpol. Sie sind mit der jeweiligen Niere durch Binde- und Fettgewebe sowie durch Gefäße verbunden, ohne jedoch funktionell etwas mit ihnen zu tun zu haben.

2.1 Topographie

Entsprechend der Lage der Nieren befindet sich die rechte Nebenniere weiter kranial als die linke. Eine noch engere Beziehung besitzen die Nebennieren zur Aorta abdominalis und zur Vena cava caudalis. Während die linke Nebennieren mit ihrem medialen Rand der Aorta direkt benachbart liegt, ist die rechte Nebenniere mit der Vena cava caudalis bindegewebig verbunden bzw. beim Rind sogar mit ihrer Wand verwachsen. Dies ist auch der Grund, weshalb die Nebennieren im Falle einer verlagernden Nieren (z.B. Wanderniere oder linke Niere der Wiederkäuer) der entsprechenden Niere nicht folgt, sondern an ihrem ursprünglichen Ort verbleibt.

2.2 Morphologie

Die Nebennieren zeigen nicht nur eine tierartlich unterschiedliche Gestalt, sondern unterliegen großen Varietäten innerhalb einer Rasse, sodass die linke Nebenniere in ihrer Form und Ausprägung meist nicht der rechten gleicht. Ihre Konsistenz kann als derb-elastisch beschrieben werden und ihre Farbe ist bei den Fleischfressern gelblich-weiß, weshalb sie oft kaum vom umliegenden Fettgewebe unterschieden werden können. Beim Wiederkäuer, Pferd und Schwein sind sie hell- bis dunkelbraun gefärbt, wobei die Oberfläche häufig mehr oder weniger stark gefurcht ist.

Die Nebennieren können anhand ihrer frischen Schnittfläche eindeutig indentifiziert werden. Sie besitzen stets eine meist hellere, gelb-bräunlich gefärbte und radiär gestreifte Rinde (Cortex) und ein dunkleres, rot-braun oder bräunlich gefärbtes und blutreiches Mark (Medulla). Neben den auffallenden makroskopischen Unterschiede zwischen Rinde und Mark, weisen die Nebennieren auch einen sehr verschiedenen histologischen Feinbau auf. Beide Organanteile haben entwicklungsgeschichtlich einen unterschiedlichen Ursprung und zeichnen sich funktionell durch völlig verschiedene Aufgabenbereiche aus. Demzufolge handelt es sich eigentlich um zwei morphologisch zwar eng verbundene, funktionell aber völlig selbstständige Drüsen.

2.3 Größe und Gewicht

Das Gewicht und die Größe der Nebennieren einer Art schwanken individuell. Faktoren wie das Alter, Geschlecht, der Ernährungszustand und die Rasse beeinflussen die Nebennieren beträchtlich. Grundsätzlich kann behauptet werden, dass die linke Nebenniere schwerer als die rechte ist, wobei es beim Pferd als einzige Ausnahme genau andersherum ist. Die Nebennieren der Katzen sind in etwa gleich groß.

Das Nebennierengewicht ist eindeutig vom Geschlecht abhängig, da es bei weiblichen Tieren stets höher liegt als bei männlichen und bei Kastraten. Nur der Kater besitzt schwerere Nebennieren als die Kätzin. Außerdem wirken sich Trächtigkeit und Laktation wachstumsfördernd auf die Nebennieren aus. Mit zunehmendem Alter nehmen das absolute und relative Gewicht ebenso zu, wobei gut genährte Tiere ein relativ niedriges, schlecht konditionierte ein höheres Nebennierengewicht aufweisen.

2.4 Gefäßversorgung

2.4.1 Arteriell

Die Nebennieren werden arteriell über mehrere sich verzweigende Gefäße versorgt, die als kleine Rami suprarenales an die Organe herantreten. Diese gehen individuell aus einem oder mehreren der folgenden Gefäße ab:

Nachdem die dünnen Gefäße die Nebenniere erreicht haben, teilen sie sich auf und durchbohren die Bindegewebskapsel. Anschließend vernetzen sie sich in den äußersten Rindenschichten oberflächenparalell in größere Stammgefäße, um von hier aus als zarte Nebenästchen durch die Rinde markwärts zu ziehen.

2.4.2 Venös

Der venöse Blutabfluss erfolgt erfolgt anfangs durch äußerst dünnwandige, sinusoide Kapillaren. Sie ziehen radiär in Richtung Markzentrum, um von hier aus in die größere, die Marksubstanz in der Längsrichtung durchziehende Vena centralis einzumünden. Aus der Zentralvene gehen wiederum 1 bis 2 (Pferd und Wiederkäuer) bzw. 5 bis 8 (Hund) Venae suprarenales hervor, welche die Nebenniere am hohlvenenseitigen Hilus verlassen. Im weiteren Verlauf münden sie tierartlich sowie links und rechts variierend in die Vena renalis sowie Vena cava caudalis ein.

2.4.3 Lymphgefäße

Die Lymphe tritt über die organeigenen Lymphgefäße am Hilus aus, die anschließend in die Lymphonodi renales bzw. Lymphonodi lumbales aortici einmünden. Der lymphatische Abfluss ist ebenfalls recht variabel, sodass sich die Lymphe auch in benachbarte Lymphknoten oder, wie beim Rind, direkt in die Lendenzisterne (Cisterna chyli) ergießt.

2.5 Nervenversorgung

Die Nebennieren der Haussäugetiere liegen in unmittelbarer Nähe zum Plexus coeliacus und Plexus mesentericus cranialis. Die Nervenfasern entstammen dem Ganglion coeliacum, den Nervi splanchnici, dem Plexus renalis und dem Nervus vagus. Letzter spielt funktionell eine untergeordnete Rolle in der Nebenniereninnervation.

2.5.1 Nebennierenrinde

In der Nebennierenkapsel ist ein dichtes, aus marklosen und markhaltigen Fasern und eingestreuten multipolaren Nervenzellen bestehendes Geflecht ausgebildet. Von diesem ausgehend ziehen mit zarten Bindegewebssepten Nervenfaserbündel in die Rinde, wo sie wiederum in der Zona arcuata (bzw. Zona glomerulosa) und Zona reticularis ein dichtes Netz bilden.

2.5.2 Nebennierenmark

Das Nebennierenmark sowie die Mark-Rinden-Grenze ist besonders reich an weitmaschigen Fasernetzen. In diese sind mehr oder weniger reichlich multipolare Nervenzellen eingestreut. Dieses dichte Geflecht an Nervenfasern und -zellen steht in enger Beziehung mit den chromaffinen Zellen. Aufgrund der vernetzten Struktur zwischen Nervensystem und endokrinen Zellen ist das Nebennierenmark ein eindrucksvolles Beispiel für ein Paraganglion.

3 Histologie

Die Nebenniere kann aufgrund ihres Aufbaus sowie ihrer endokrinen Funktion in zwei Anteile gegliedert werden.

3.1 Nebennierenrinde

Die Nebennierenrinde (Cortex glandulae suprarenalis) ist mesodermalen Ursprungs und entwickelt letztendlich sich aus dem Coelomepithel bzw. dem darunter gelegenen Mesenchym. Sie ist mikroskopisch durch einen charakteristischen Feinbau aus radiär gruppierten Epithelzellen aufgebaut und eindeutig von ihrer Umgebung abzugrenzen. Histologisch kann die Nebennierenrinde in drei Schichten gegliedert werden:

  • Zona arcuata (Fleischfresser, Pferd) oder Zona glomerulosa (Wiederkäuer, Schwein): außen liegende, schmale Schicht aus arkadenartigen (Zona arcuata) bzw. geknäulten Zellen (Zona glomerulosa)
  • Zona fasciculata: mittlere, breite Schicht aus radiär angelegten Zellen
  • Zona reticularis: innen liegende, diffus verteilte Schicht aus netzförmig angeordneten Zellen

Die Nebennieren werden von einer dünnen Bindegewebskapsel umhüllt, von der aus zarte Septen mit relativ weitlumigen Kapillaren in die Tiefe des Organs strahlen.

3.2 Nebennierenmark

Das Nebennierenmark (Medulla glandulae suprarenalis) entwickelt sich aus der neuroekdermalen Sympathikusanlage. Es ist aus mit Chromsalzen spezifisch braun anfärbbaren, chromaffinen Zellen aufgebaut, die zwischen nervenzellhaltigen sympathischen Geflechten eingestreut sind. Die chromaffinen Zellen ordnen sich so an, dass sie Knäuel und netzartige Zellstränge bilden, die weitlumige Kapillaren umschließen. Diese Gefäße wiederum münden in eine das Mark in der Längsachse durchziehenden Zentralvene und machen so aus dem Nebennierenmark ein Paraganglion. Die chromaffinen Zellen können anhand ihrer Funktion und ihrer Anfärbbarkeit deutlich voneinander unterschieden werden:

4 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band IV: Nervensystem. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.
  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band II: Organsysteme. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.
  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band III: Kreislaufsystem. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.
  • Egerbacher, Monika, Gabner, Simone et al., Gewebelehre und mikroskopische Anatomie. Skriptum für Übungen und Konversatorien der Histologie. Veterinärmedizinische Universität Wien. Stand: 01.10.2015

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