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Morbus Castleman

(Weitergeleitet von Castleman-Krankheit)

Synonyme: Castleman-Krankheit, Castleman-Lymphom, angiofollikuläre Lymphknotenhyperplasie Englisch: Castleman disease

1 Definition

Bei dem Morbus Castleman handelt es sich um eine lymphoproliferative Erkrankung, bei der die Lymphknoten uni- oder multizentrisch anschwellen.

2 Einteilung

Grundsätzlich unterscheidet den unizentrischen (uCD) vom multizentrischen Morbus Castleman (mCD). Da besonders der multizentrische Morbus Castleman mit dem Humanen Herpesvirus 8 assoziiert ist, kann man die Erkrankung weiter als HHV-8-positiv oder HHV-8-negativ einteilen. Histologisch unterscheidet zwischen dem hyalin-vaskulären, dem plasmazellulären sowie dem Mischtyp [1].

3 Epidemiologie

Es gibt keine sicheren Daten zur Häufigkeit des Morbus Castleman[2], jedoch scheint der mCD mit ca. 5 Fällen pro 1.000.000 Patientenjahre seltener aufzutreten als der uCD mit 15 Fällen pro 1.000.000 Patientenjahre.[3] Die Erkrankung tritt besonders im Erwachsenenalter auf, wobei HIV-infizierte Patienten eine höhere Inzidenz aufweisen.

4 Ätiologie

Die Ursache des Morbus Castlemans ist bislang (2021) noch ungeklärt. Man vermutet eine Entzündungsreaktion, die mit einer Überproduktion von Interleukin-6 einhergeht beispielsweise durch maligne Zellen oder im Rahmen einer viralen Infektion. Das Auftreten des multizentrischen Morbus Castleman ist mit einer HIV- sowie einer HHV-8-Infektion assoziiert.

5 Pathophysiologie

Die Pathophysiologie ist nicht für alle Erscheinungsformen klar definiert. Eine klare Gemeinsamkeit scheint die übermäßige Ausschüttung von IL-6 zu sein. Für den HHV-8-positiven mCD gilt, dass das Humane Herpesvirus 8 die Synthese eines, dem humanen IL-6 sehr ähnlichen, viralen IL-6 induzieren kann. Dieses benötigt lediglich eine Bindungsstelle des IL-6-Rezeptors und befällt primär Plasmablasten der Lymphfollikel.[4] Bei der Pathogenese des HHV-8-negativen mCD spielen höchstwahrscheinlich neben dem IL-6 auch VEGF, TNF-α und Interleukin-1 eine wichtige Rolle.

6 Diagnostik

Die Diagnose des Morbus Castelmans wird anhand des histopathologisch Befundes gestellt, wodurch die Unterscheidung zwischen dem hyalin-vaskulären, plasmazellulären und Mischtyp ermöglicht wird. Während man beim HHV-8-positiven mCD den plasmazelluläre Typ besonders häufig beobachtet, treten beim HHV-8-negativen mCD alle drei Subtypen in ungefähr gleicher Häufigkeit auf.

7 Symptome

Je nach Subtypus kann sich die Symptomatik unterscheiden. Klassische Symptome, die schubweise auftreten, sind unter anderem[4]:

Zudem zeigt sich im Laborbefund meist eine Anämie und ein erhöhter CRP- und IL-6-Wert. Die Krankheitsschübe dauern in der Regel mehrere Wochen an. Während beim HHV-8-positivem mCD zusätzlich die Patienten an einer B-Symptomatik und einer Hypalbuminämie mit Ödemen und respiratorischen Symptomen leiden, steht beim HHV-8-negativen mCD besonders das Fatigue-Syndrom im Vordergrund. Als Komplikation kann sich bei HHV-8-negativen Patienten das sogenannte TAFRO-Syndrom entwickeln, das sich aus Thrombozytopenie, Aszites, Fieber, retikulärer Fibrose im Knochenmark und Organomegalie bei normalem γ-Globulin zusammensetzt. Zudem gibt es eine Assoziation mit dem POEMS-Syndrom. Dabei entwickeln die Patienten eine periphere Neuropathie, Organomegalie, Endokrinopathie, monoklonale Gammopathie und Hautveränderungen.

8 Therapie

Bei dem unizentrischen Morbus Castleman ist die operative Entfernung die geläufigste Therapieoption. Im Falle eines HHV-8-positiven mCD wird in der Regel konservativ therapiert. Dabei verabreicht man dem Patienten Rituximab ggf. in Kombination mit einer zytotoxischen Chemotherapie. Patienten mit HHV-8-negativem mCD werden in erster Linie mit Siltuximab, alternativ mit Tocilizumab oder Rituximab therapiert. Unter Umständen können zusätzlich Steroide verabreicht werden. Sollte die Erkrankung nicht auf die Therapie ansprechen, erfolgt ein Therapieversuch mit Rituximab, Steroiden und Immunmodulatoren. Bei einem schweren Krankheitsverlauf und einem Nicht-Ansprechen auf die Therapie, erhält der Patient in der Regel eine zytotoxische Chemotherapie.

9 Prognose

Während der unizentrische Morbus Castleman nach operativer Therapie eine gute Prognose aufweist, ist die Prognose beim multizentrischen Morbus Castleman weniger gut. Obwohl einige selbstlimitierende Verläufe beobachtet wurden, liegt das krankheitsfreie Überleben nach 3 Jahren im Falle eines HHV-8-positiven mCD bei ca. 27,8% und im Falle eines HHV-8-negativen mCD bei 45,7%. Bei Patienten, die am HHV-8-positiven mCD leiden, ist das Risiko ein malignes Lymphom zu entwickeln erhöht.

10 Quellen

  1. Schrock et al. Morbus Castleman- Eine Erkrankung für den HNO-Arzt?, HNO, 2007
  2. Haap et al. Clinical, laboratory and imaging findings in Castleman's disease – The subtype decides, Blood Reviews, 2018
  3. Simpsons Epidemiology of Castleman Disease, Hematology/Oncology Clinics of North America, 2018
  4. 4,0 4,1 Hoffmann, Tiemann Multizentrischer Morbus Castleman: Selten korrekt diagnostiziert, Deutsches Ärzteblatt, 2019

11 Literatur

  • Bieber, C. (2018). Duale Reihe Innere Medizin (4. überarbeitete Aufl.). Thieme.

Diese Seite wurde zuletzt am 8. Oktober 2021 um 13:50 Uhr bearbeitet.

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