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Salmonellose (Schwein)

Synonym: Salmonelleninfektion des Schweins
Englisch: salmonellosis in pigs

1 Definition

Als Salmonellosen bezeichnet man Infektionskrankheiten beim Schwein, die durch Bakterien der Gattung Salmonella verursacht werden.

2 Erreger

Salmonellen sind gramnegative, fakultativ anaerob und intrazellulär lebende Stäbchenbakterien, die zwischen 0,7 und 5 µm lang sind. Aufgrund ihrer peritrichen Begeißelung sind sie zur aktiven Bewegung befähigt. In der Literatur sind mehr als 200 virulenz-assoziierte Faktoren beschrieben, darunter Lipopolysaccharide und verschiedene Toxine.

Von den über 2.000 Serovaren sind an das Schwein Salmonella Choleraesuis und Salmonella Typhisuis adaptiert. Zwar können auch andere Serovare (z.B. Salmonella Typhimurium) Schweine infizieren, diese führen aber deutlich seltener zu klinisch manifesten Erkrankungen.

3 Epidemiologie

Salmonellen führen hauptsächlich bei Absetzferkeln und jungen Mastschweinen zu Erkrankungen. In selten Fällen sind auch Zuchtsauen und Saugferkel betroffen.

Die Bakterien werden oral aufgenommen. Anschließend kommt es zu einer massenhaften Vermehrung im Magen-Darm-Trakt. Die Erregerausscheidung erfolgt über den Kot. Sowohl die Übertragung als auch die Erregerverbreitung erfolgt zum überwiegenden Teil durch latent infizierte Tiere. Mechanische Vektoren, Futter, Wasser, Körpersekrete und -exkrete (Kot, Speichel, Nasensekret) sowie Jauche, Mist, Siedlungsabwässer, Vögel und Nager können eine Verschleppung der Erreger begünstigen.

Neben einer oralen Übertragung sind auch aerogene sowie konjunktivale Infektionen möglich (Aerosole, Staub).

4 Pathogenese

Nach der Infektion heften sich die Bakterien an die Epithelzellen des Dünn- und Dickdarms an, um dann in die Mukosa einzudringen. In der Lamina propria werden sie dann von Makrophagen und neutrophilen Granulozyten aufgenommen und in die umliegenden mesenterialen Lymphknoten transportiert.

Der weitere Krankheitsverlauf ist von verschiedenen Faktoren abhängig:

Bei einer Infektion mit Salmonella Choleraesuis kommt es zu einer lymphogenen und hämatogenen Ausbreitung der Erreger. Die Bakterien können schon wenige Stunden p.i. in den Lymphknoten nachgewiesen werden. Im Zuge der Bakteriämie kommt es zu pathologischen Veränderungen an Lunge, Meningen, Darm (Schleimbeimengungen, Fibrinauflagerungen), Nieren (petechiale Blutungen an der Oberfläche), Leber (Nekrosen) und Milz (Nekrosen).

Bei einer Infektion mit Salmonella Typhimurium manifestieren sich die Bakterien hauptsächlich im Darm und in den Darmlymphknoten. Nach dem Eindringen in die Darmepithelzellen kommt es zu einer ausgeprägten Nekrose.

5 Klinik

Je nach Stamm entwickeln sich unterschiedliche klinische Bilder:

S. Choleraesuis (Salmonellenseptikämie) S. Typhisuis S. Typhimurium (Enterokolitis)
  • chronischer Verlauf
  • Diarrhö
  • Kümmern
  • verkäsend-nekrotisierende Läsionen im Colon
  • Lymphknotenabszesse
  • Lungenabszesse

6 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch müssen anhand der Symptome und der Verlaufsform verschiedene Erreger sowie Erkrankungen berücksichtigt werden. Bei einem septikämischen Krankheitsverlauf kommen u.a. folgende Erreger in Frage:

Bei einer Enterocolitis sind folgende Erreger zu berücksichtigen:

7 Diagnose

Die Verdachtsdiagnose ergibt sich aus der Anamnese und der Klinik. Um die Diagnose sichern zu können, sind weiterführende Untersuchungsmaßnahmen notwendig, wie etwa ein kultureller Nachweis sowie die Sektion frisch verendeter Tiere.

8 Therapie

Die Therapie richtet sich einerseits gegen den Erreger (Antibiose nach Antibiogramm), andererseits gegen die Symptome (Flüssigkeitstherapie, intraperitoneale Applikation von Glukoselösung, u.ä.).

Bei einem akut-septikämischen Verlauf bzw. bei chronisch erkankten und kümmernden Tieren ist kein Behandlungserfolg zu erwarten. In diesen Fällen ist eine Euthanasie indiziert.

9 Prophylaxe

Neben einer Optimierung der Hygiene- und Haltungsbedingungen (Rein-Raus-Verfahren, kleine Gruppen, Reinigung und Desinfektion, Personenverkehr limitieren, Stressreduktion) muss auch die Fütterung angepasst werden (grobe Struktur, Zusatz von organischen Säuren, Probiotika).

Zusätzlich können attenuierte Lebendimpfstoffe gegen Sylmonella Tymphimurium eingesetzt werden. Hierzu werden trächtige Sauen ca. 6 und 3 Wochen ante partum geimpft, wobei die Immunität etwa 24 Monate anhält. Auf diese Weise kann der Infektionsdruck innerhalb eines Bestandes auf die Ferkel deutlich reduziert werden.[1]

10 Literatur

  • Skriptum, Universitätsklinik für Schweine. Veterinärmedizinische Universität Wien. Salmonellose. Version 1.
  • Mayr, Anton, Rolle, Michael. Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. 8., überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2007.

11 Quelle

  1. [1] Maternal vaccination as a Salmonella Typhimurium reduction strategy on pig farms. J Appl Microbiol. 2018 Jan;124(1):274-285. doi: 10.1111/jam.13609. Epub 2017 Nov 27.

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