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SGLT-2-Inhibitor

(Weitergeleitet von SGLT-2-Hemmer)

Synonyme: SGLT-2-Hemmer, SGLT2-Inhibitor, SGLT2-Hemmer, Gliflozine
Englisch: SGLT2-inhibitor

1 Definition

Die SGLT-2-Inhibitoren sind Arzneistoffe aus der Gruppe der Antidiabetika.

2 Präparate

Bisher in Deutschland zugelassene SGLT-2-Inhibitoren sind:

Außerdem existieren weitere, bisher (2019) in Deutschland nicht zugelassene Präparate:

3 Wirkmechanismus

SGLT2-Inhibitoren hemmen spezifisch den renalen, natriumabhängigen Glukosetransporter SGLT-2 (Sodium dependent glucose co-transporter 2). Dieses Transportprotein befindet sich im proximalen Tubulus der Niere und ist für ca. 90 % der Glukoserückresorption verantwortlich. Als Folge kommt es zur vermehrten Glukoseausscheidung über den Harn (Glukosurie).

Die SGLT-2-Inhibitoren wirken also unabhängig vom Insulinstoffwechsel. Der SGLT-1-Transporter, der u.a. im Darm für die Absorption der Glukose zuständig ist, wird i.d.R. nicht gehemmt. Eine Ausnahme stellt z.B. Sotagliflozin dar, welches beide Transporter hemmt.

4 Wirkung

SGLT-2-Inhibitoren können die Blutglukosewerte um bis zu 30 mg/dl und den HbA1c-Wert um ca. 0,6 % in drei Monaten senken. Dabei besteht weder ein Risiko einer Hypoglykämie noch einer Störung im Elektrolythaushalt.

Weiterhin bewirken SGLT-2-Hemmer eine leichte Gewichtsabnahme (ca. 1,3 bis 2,0 kg) und eine Blutdrucksenkung. Außerdem scheinen SGLT-2-Hemmer eine kardioprotektive und eine nephroprotektive Wirkung zu haben.

5 Indikation

Der Einsatz von SGLT-2-Inhibitoren bei Patienten mit Herzinsuffizienz sowie bei chronischer Nierenerkrankung wird derzeit (2019) in Studien überprüft.

6 Nebenwirkungen

SGLT2-Inhibitoren haben eine Reihe von Nebenwirkungen, u.a.:

7 Kontraindikationen

SGLT-2-Inhibitoren sind u.a. kontraindiziert bei einer Niereninsuffizienz (GFR < 45 ml/min) sowie bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen.

8 Klinische Studien

8.1 Kardioprotektion

2015 wurde EMPA-REG-Studie Empagliflozin bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und hohem kardiovaskulärem Risiko getestet. Hierbei zeigte sich eine Reduktion von kardiovaskulären Endpunkten (Auftreten eines Schlaganfalls, Myokardinfarkts oder der kardiovaskulär bedingte Tod und Häufigkeit stationärer Aufnahmen aufgrund von Herzinsuffizienz), unabhängig von der HbA1c-Senkung.[3] Die 2018 veröffentlichten Ergebnisse der EMPA-REG-Outcome-Studie konnten diesen kardiovaskulären Benefit auch bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion reproduzieren.[4][5]

Weiterhin konnte die CANVAS-Studie eine Reduktion der kardiovaskulären Mortalität für Canagliflozin zeigen.[6][7]

Eine weitere Phase-3-Studie (DECLARE-TIMI 58) untersuchte den kardiovaskulären Benefit von Dapagliflozin: [8] Hierbei zeigte sich eine Reduktion der stationären Aufnahmen wegen kardialer Dekompensation, wobei im Gegensatz zu den anderen zwei Studien keine Senkung atherosklerotischer Ereignisse (Myokardinfarkt, Apoplex) festgestellt werden konnte.

In der DAPA-HF-Studie wurde erstmals Dapagliflozin bei Patienten mit Herzinsuffizienz (ab Stadium NYHA II) getestet. Hierbei zeigte sich eine siginifikante Reduktion des primären Endpunktes (kardiovaskulärer Tod, Hospitalisierung aufgrund der Herzinsuffizienz), auch bei Patienten ohne Diabetes mellitus.[9]

8.2 Nephroprotektion

In den Studien CANVAS, EMPA-REG-Outcome und DECLARE-TIMI konnte bereits eine Nephroprotektion beobachtet werden, jedoch handelte es sich nur um einen sekundären Endpunkt.[10]

Die CREDENCE-Studie konnte 2019 einen nephroprotektiven Effekt von Canagliflozin bei chronisch nierenkranken Patienten mit Diabetes mellitus und Albuminurie aufzeigen.[11] Außerdem zeigte sich eine Reduktion der nieren- und herzspezifischen Endpunkte (terminales Nierenversagen, Verdopplung des Kreatininwertes oder renal-bedingter Tod sowie terminales Nierenversagen allein bzw. kardiovaskulär-bedingter Tod, Myokardinfarkt oder Schlaganfall sowie Hospitalisierung aufgrund von Herzversagen).

Nach Ergebnissen der RED-Studie wird pathophysiologisch eine Dilatation des Vas efferens vermutet.[12]

Inzwischen wird der frühe Einsatz von SGLT-2-Inhibitoren bei Typ-2-Diabetikern mit hohem kardialen oder renalen Risiko von der American Diabetes Association (ADA), der European Association for the Study of Diabetes (EASD) und des American College of Cardiology (ACC) empfohlen. Dabei wird Empafliglozin präferiert. Die European Society of Cardiology (ESC) empfiehlt in der aktuellen (2019) Leitlinie sogar erstmals den Einsatz von SGLT-2-Inhibitoren bei Diabetikern mit hohem kardiovaskulärem Risiko vor einer Metformin-Therapie.[13]

8.3 Diabetes mellitus Typ 1

2017 wurde Sotagliflozin im Rahmen der klinischen Studie InTandem-3 erstmals bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 eingesetzt. Insgesamt wurde in dieser Placebo-kontrollierten Phase-3-Studie im Vergleich zur regulären Insulintherapie der primäre kombinierte Endpunkt (HbA1c-Wert < 7 % ohne schwere Hypoglykämien oder diabetische Ketoazidosen) signifikant häufiger erreicht. Weiterhin zeigte sich eine Reduktion des systolischen Blutdrucks, des Gewichts und der täglichen Insulindosis. Weiterhin traten schwere Hypoglykämien seltener, diabetische Ketoazidosen jedoch häufiger auf.[14] Auf Basis dieser Studie erfolgte 2019 die Zulassung von Sotagliflozin für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 mit einem BMI über 27 kg/m2, bei denen durch die Insulintherapie keine ausreichende Blutzuckerkontrolle erreicht werden kann.

9 Quellen

  1. Rote-Hand-Brief 21.01.2019, abgerufen am 11.11.2019
  2. Rote-Hand-Brief 09.07.2019, abgerufen am 11.11.2019
  3. Zinman B et al. Empagliflozin, Cardiovascular Outcomes, and Mortality in Type 2 Diabetes, N Engl J Med 2015; 373:2117-2128, abgerufen am 11.11.2019
  4. Wanner C et al. Empagliflozin and Clinical Outcomes in Patients With Type 2 Diabetes Mellitus, Established Cardiovascular Disease, and Chronic Kidney Disease, Circulation. 2018;137:119–129, abgerufen am 11.11.2019
  5. Inzucchi SE et al. Improvement in Cardiovascular Outcomes With Empagliflozin Is Independent of Glycemic Control, Circulation. 2018;138:1904–1907, abgerufen am 11.11.2019
  6. Neal B et al. Rationale, design, and baseline characteristics of the Canagliflozin Cardiovascular Assessment Study (CANVAS)—A randomized placebo-controlled trial, American Heart Journal. Band 166, Nummer 2, 2013, abgerufen am 11.11.2019
  7. Radholm K et al. Canagliflozin and Heart Failure in Type 2 Diabetes Mellitus: Results From the CANVAS Program (Canagliflozin Cardiovascular Assessment Study), Circulation. 2018, abgerufen am 11.11.2019
  8. Wiviott SD et al. Dapagliflozin and Cardiovascular Outcomes in Type 2 Diabetes, N Engl J Med 2019; 380:347-357, abgerufen am 11.11.2019
  9. McMurray JJV et al. The Dapagliflozin And Prevention of Adverse‐outcomes in Heart Failure (DAPA‐HF) trial: baseline characteristics, European Journal of Heart Failure. 2019, abgerufen am 11.11.2019
  10. Herrington WG et al. The potential for improving cardio-renal outcomes by sodium-glucose co-transporter-2 inhibition in people with chronic kidney disease: a rationale for the EMPA-KIDNEY study, Clinical Kidney Journal, Volume 11, Issue 6, December 2018, Pages 749–761, abgerufen am 11.11.2019
  11. Perkovic V et al. Canagliflozin and Renal Outcomes in Type 2 Diabetes and Nephropathy, N Engl J Med 2019; 380:2295-2306, abgerufen am 11.11.2019
  12. van Bommel EJM et al. The renal hemodynamic effects of the SGLT2 inhibitor dapagliflozin are caused by post-glomerular vasodilatation rather than pre-glomerular vasoconstriction in metformin-treated patients with type 2 diabetes in the randomized, double-blind RED trial, Kidney International, 2019
  13. Cosentino F et al. 2019 ESC Guidelines on diabetes, pre-diabetes, and cardiovascular diseases developed in collaboration with the EASD: The Task Force for diabetes, pre-diabetes, and cardiovascular diseases of the European Society of Cardiology (ESC) and the European Association for the Study of Diabetes (EASD), European Heart Journal. 2019, abgerufen am 11.11.2019
  14. Garg SK et al. Effects of Sotagliflozin Added to Insulin in Patients with Type 1 Diabetes, N Engl J Med 2017; 377:2337-2348, abgerufen am 11.11.2019
Hallo Herr Kreimann, danke für den Hinweis. Ich habe den Abschnitt angepasst. Sie können übrigens auch gerne selbst Artikel korrigieren. Einfach auf den roten "Bearbeiten"-Button klicken und den Text editieren. Viele Grüße
#2 am 16.11.2016 von Dr. Carina Hönscher
Die Zulassung in den USA ist inzwischen erfolgt: http://www.fda.gov/NewsEvents/Newsroom/PressAnnouncements/ucm380829.htm
#1 am 16.11.2016 von Dr. rer. nat. Martin Kreimann (Apotheker/in)

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