Empagliflozin
Handelsnamen: Jardiance®, Glyxambi® (Kombinationspräparat)
Englisch: empagliflozin
Definition
Empagliflozin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Antidiabetika. Er gehört zu den SGLT-2-Inhibitoren und wird zur Therapie des Typ-2-Diabetes, der chronischen Herzinsuffizienz und der chronischen Nierenerkrankung eingesetzt.
Chemie
Empagliflozin hat die Summenformel C23H27CIO7 und eine molare Masse von 450,91 g/mol.
Wirkmechanismus
Empagliflozin hemmt selektiv den Natrium-Glukose-Cotransporter-2 (SGLT-2) am proximalen Tubulus des Nephrons. Dieses Transportprotein ist für die Reabsorption von Glukose in der Niere verantwortlich. Folge der medikamentösen Hemmung ist eine vermehrte Glukoseausscheidung über den Urin. Dadurch wird der Blutzuckerspiegel gesenkt und ein Kalorienverlust begünstigt. Die Wirkung ist vollständig unabhängig von Insulin und hat keinen Einfluss auf die Glukoseresorption im Darm.[1]
Zusätzlich führt die SGLT-2-Hemmung zu einer osmotischen Diurese und Natriurese. Dadurch kommt es zu einer Reduktion des intravasalen Volumens und zu einer leichten Blutdrucksenkung. Nierenprotektive Effekte werden unter anderem auf Veränderungen des tubuloglomerulären Feedbacks zurückgeführt.
Pharmakokinetik
Maximale Plasmaspiegel werden etwa 1,5 Stunden nach oraler Einnahme erreicht. Die Eliminationshalbwertszeit liegt bei rund 12 Stunden. Empagliflozin wird überwiegend hepatisch über Glukuronidierung metabolisiert und nur in geringem Umfang über Cytochrom-P450-Enzyme verstoffwechselt. Die glykämische Wirksamkeit nimmt mit abnehmender Nierenfunktion ab.
Indikationen
- Typ-2-Diabetes
- Monotherapie bei erwachsenen Typ-2-Diabetikern, wenn Diät und Bewegung den Blutzucker nicht ausreichend senken und die Anwendung von Metformin aufgrund von Unverträglichkeiten ungeeignet ist
- Kombinationstherapie mit anderen blutzuckersenkenden Medikamenten, wenn diese den Blutzucker nicht ausreichend kontrollieren
- Herzinsuffizenz: Therapie von Erwachsenen mit symptomatischer, chronischer Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (Herzinsuffizienz vom HFrEF-Typ), leicht reduzierter Ejektionsfraktion (Herzinsuffizienz vom HFmrEF-Typ) und erhaltener Ejektionsfraktion (Herzinsuffizienz vom HFpEF-Typ)
- chronische Niereninsuffizienz
Dosierung
Die empfohlene Startdosis von Empagliflozin beträgt einmal täglich 10 mg. Die Tablette kann zu oder unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Bei Typ-2-Diabetes kann zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle eine Dosissteigerung auf 25 mg einmal täglich erfolgen. Bei Herzinsuffizienz und chronischer Nierenerkrankung beträgt die empfohlene Dosis in der Regel 10 mg einmal täglich.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Folgende Nebenwirkungen treten unter Empagliflozin sehr häufig (≥ 1:10) oder häufig (≥ 1:100, < 1:10) auf:
- Infektionen: Harnwegsinfekte, Vaginale Pilzinfektionen
- Stoffwechsel: Hypoglykämie, Durst
- Haut: Pruritus
- Harnwege: verstärkter Harndrang
Hypoglykämien treten insbesondere bei Kombination mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen auf. Unter Monotherapie ist das Hypoglykämierisiko gering.
Wechselwirkungen
Empaglifllozin kann den diuretischen Effekt von Thiazid- und Schleifendiuretika verstärken und das Risiko einer Dehydrierung und Hypotonie erhöhen.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
Besondere Hinweise
Unter der Einnahme von Empagliflozin wurden seltene Fälle einer diabetischen Ketoazidose berichtet. Das Risiko einer Ketoazidose muss beim Auftreten unspezifischer Symptome wie Übelkeit oder Erbrechen in Betracht gezogen werden.
Die FDA warnt vor der sogenannten Fournier-Gangrän. Dabei handelt es sich um eine Entzündung des Genitals und/oder Perineums, die lebensbedrohlich sein kann. Entsprechende Warnhinweise sollen in die Fachinformationen aufgenommen werden.[2]
Zulassung
Empagliflozin ist in der EU seit 2014 zugelassen und wird von Boehringer Ingelheim vermarktet.
Kosten
Die Jahrestherapiekosten betragen pro Patient rund 400 €.[3]
Nutzenbewertung
Der Zusatznutzen einer Therapie mit Empagliflozin wird vom G-BA trotz der vom IQWiG negativ evaluierten Studienergebnisse wie folgt eingeordnet:[3]
- Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen in Kombination mit einem anderen blutzuckersenkenden Arzneimittel gegenüber Metformin und einem Sulfonylharnstoff
Virtuelle Patientin
Quellen
- ↑ Fachinformation Empagliflozin, abgerufen am 19.02.2026
- ↑ FDA warns about rare occurrences of a serious infection of the genital area with SGLT2 inhibitors for diabetes, abgerufen am 10.8.2018
- ↑ 3,0 3,1 Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses Änderung der Arzneimittel-Richtlinie: Beschlüsse über die Nutzenbewertung von Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen nach § 35a SGB V – Empagliflozin abgerufen am 15.10.2018