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Sulfonylharnstoff

Englisch: sulfonylurea, sulphonylurea

1 Definition

Sulfonylharnstoffe sind Medikamente, die zur Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt werden. Sie zählen zur Klasse der so genannten oralen Antidiabetika. Sulfonylharnstoffe erhöhen die Sekretion von Insulin durch B-Zellen des Pankreas und senken so den Blutzucker.

Von den Sulfonylharnstoffen ist die Substanzgruppe der Glinide abzugrenzen. Glinide haben einen ähnlichen Wirkmechanismus, jedoch ein unterschiedliches Wirkprofil.

2 Wirkmechanismus

Sulfonylharnstoffe gehören zu den Kaliumkanalblockern, d.h. sie schränken die Durchgängigkeit der Kaliumkanäle in der B-Zelle ein. Sie ahmen damit den Effekt einer erhöhten ATP-Konzentration in der Zelle nach.

Diesen Mimikryeffekt kann Sulfonylharnstoff erzielen durch gezielt an einem ATP-sensitiven Kaliumkanal mit als Untereinheit dem "sulfonylurea receptor 1" (SUR1) zu binden. Diese Bindung und die daran gekoppelte Weitergabe über den "inward rectifying potassium channel" (Kir6.2) hat eine Potentialisierung der Insulinesekretion zu Folge.

Durch die Blockade der Kaliumkanäle kommt es zu einer Depolarisation der Zellmembran und einer Aktivierung spannungsgesteuerter Calciumkanäle. Letztlich resultiert durch die erhöhte cytosolische Calciumkonzentration eine Insulinausschüttung.

Verschiedene Substanzen aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe binden an unterschiedliche Untereinheiten des Kaliumkanalproteins. Dies bedingt Unterschiede bezüglich des Wirkungseintritts und der Wirkungsstärke zwischen einzelnen Substanzen.

Zu beachten ist, dass Sulfonylharnstoffe nur dann wirken, wenn B-Zellen des Pankreas vorhanden sind. Eine körpereigene Fähigkeit zur Insulinsekretion ist daher Voraussetzung für die Wirksamkeit.

3 Pharmakokinetik

Sulfonylharnstoffe besitzen generell eine hohe Plasmaproteinbindung. Nach oraler Gabe werden sie ausreichend resorbiert.

Bei der Elimination unterscheiden sich ältere Sulfonylharnstoffe von neueren Substanzen teilweise erheblich.

4 Substanzen

Einzelne Substanzen unterscheiden sich wesentlich hinsichtlich Wirkungsdauer und Dosierung. Diese Unterschiede müssen bei der Anordnung patientenspezifisch berücksichtigt werden.

Häufig eingesetzte Substanzen sind:

5 Gruppenspezifische Nebenwirkungen

Die wichtigste Nebenwirkung von Sulfonylharnstoffen ist die durch Insulin ausgelöste Hypoglykämie. Das Auftreten einer Hypoglykämie ist bei Subtanzen mit einer langen Wirkungsdauer (z.B. Glibenclamid) häufiger als bei kürzer wirksamen Substanzen (z.B. Tolbutamid).

Eine weitere wichtige Nebenwirkung ist die Alkoholunverträglichkeit. Ähnlich wie das zur Therapie der Alkoholsucht eingesetzte Disulfiram hemmen Sulfonylharnstoffe die Aldehyddehydrogenase. Bei Konsum von alkoholhaltigen Getränken kommt es daher zur Akkumulation des toxischen Acetaldehyd (Acetaldehydsyndrom).

Unter der Therapie mit Sulfonylharnstoffen kommt es zu einer Gewichtszunahme von durchschnittlich 2 kg.

Weitere, seltener auftretende Nebenwirkungen sind:

6 Indikation

Sulfonylharnstoffe sind für die Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 indiziert. Sie werden vor allem zur Therapie von normalgewichtigen (BMI) Typ 2 - Diabetikern und bei Vorliegen von Kontraindikationen gegen eine Therapie mit Metformin (Biguanidderivat) als Erstmedikation bevorzugt.

Sulfonylharnstoffe sollten nicht eingesetzt werden, wenn durch ihren Einsatz keine ausreichende Einstellung des Blutzuckers erfolgt. Bei einer Dauertherapie sollte zur Klärung der Notwendigkeit einer weiteren Therapie alle 2 Jahre ein Auslassversuch unternommen werden.

Kommt es bei der Behandlung mit Sulfonylharnstoffen zu einer sekundären Insuffizienz der B-Zellen, können sie mit Glitazonen oder Insulin kombiniert werden. Bei völligem Sistieren der Insulinsekretion erfolgt eine vollständige Umstellung auf Insulin.

7 Kontraindikationen

8 Wechselwirkungen

Sulfonylharnstoffe besitzen eine Vielzahl von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die vor Anordnung beachtet und möglichst vermieden werden sollten.

Die Wirkung von Sulfonylharnstoffen wird verstärkt durch:

Eine verminderte Wirksamkeit ergibt sich bei der Einnahme von:

Betablocker sind in Zusammenhang mit der Einnahme von Sulfonylharnstoffen als risikoreich zu betrachten. Neben der Wirkungsverstärkung sind die über den β-Rezeptor vermittelten Warnsymptome einer Hypoglykämie verschleiert.

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