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Krebs

(Weitergeleitet von Maligner Tumor)

Englisch: cancer

1. Definition

Die Bezeichnung Krebs ist ein Sammelbegriff für die Gruppe der malignen (bösartigen) Tumorerkrankungen. Ihr gemeinsames Merkmal ist das unkontrollierte Wachstum von Tumorzellen, die invasiv gesundes Gewebe verdrängen und zerstören können.

2. Medizingeschichte

Der Begriff "Krebs" lässt sich auf den griechischen Arzt Hippokrates zurückführen. Er betrachtete bestimmte Wucherungen von Körperstrukturen und benannte diese nach den phänotypisch ähnlichen Tieren Karkinos.

In der älteren Literatur, z.B. bei Paracelsus, wurde der Begriff Krebs für Ulcera verwendet.

3. Ursachen

Die Ätiologie und pathogenetische Mechanismen verschiedener Krebserkrankungen sind Gegenstand intensiver Grundlagenforschung. Alle Mechanismen führen jedoch letztlich zu einer Störung des genetisch geregelten Gleichgewichts zwischen Zellzyklus (Wachstum und Teilung) und Zelltod (Apoptose).

4. Vorkommen

Prinzipiell können alle Gewebe bzw. Organe des menschlichen Körpers von Krebs befallen werden.

5. Epidemiologie

Krebs ist nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Es erkranken in Deutschland jährlich rund 173.000 Frauen an Krebs. Mit 45.000 Neuerkrankungen bleibt der Brustkrebs das häufigste Tumorleiden bei Frauen - bei weiter zunehmender Tendenz. Die Verbreitung von Brustkrebs wird von Frauen stark überschätzt (Black 1995) und zudem noch oft fälschlicherweise mit einer Brustkrebs-Sterblichkeit gleichgesetzt. Das häufigste Tumorleiden beim Mann ist das Prostatakarzinom.

Statistisch betrachtet ist Krebs eine Krankheit des älteren und alten Menschen. Krebs bei jungen Menschen gibt es zwar, aber er kommt vergleichsweise selten vor. In Deutschland erkranken etwa 340.000 Menschen jährlich an Krebs. Die meisten Fälle treten im Alter von über 60 Jahren auf. Die unter 60-jährigen machen mit etwa 90.400 Fällen nur rund ein Viertel der Krebs-Neuerkrankungen aus.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 1.750 Kinder unter 15 Jahren an Krebs. Am häufigsten werden in dieser Altersgruppe Leukämien, Tumore des Gehirns und des Rückenmarks sowie Lymphknotenkrebs diagnostiziert.

Im Durchschnitt werden derzeit ca. 30% aller Krebspatienten von ihrer Krankheit geheilt. Von allen Krebsheilungen werden ca. 90% ausschließlich durch die lokoregionäre Behandlung, also durch Operation und Strahlentherapie ("Stahl und Strahl") erreicht.

Ganz selten gibt es auch Spontanremissionen: "Als Spontanremission bezeichnet man ein komplettes oder teilweises Verschwinden eines bösartigen Tumors in Abwesenheit aller Behandlungen oder mit Behandlungen, für die bisher kein Wirksamkeitsnachweis geführt werden konnte."

6. Krebsauslöser

Mögliche Auslöser für Krebs sind:

Neben den identifizierten Risikofaktoren entscheidet auch der Zufall darüber, ob eine Zelle maligne entartet. Bei jeder Zellteilung kommt es zu Replikationsfehlern beim Kopiervorgang der DNA. Studien konnten ein starke Korrelation zwischen der Anzahl der Zellteilungen einer normalen Stammzelle und dem Krebsrisiko nachweisen. Demnach könnten Replikationsfehler während der Zellteilung für bis zu 2/3 aller kanzerogenen Mutationen verantwortlich sein.[1]

6.1. Krebshäufungen bei bestimmten Berufen

Jahr der
 Beschreibung 
KrebsartBeruf
1775    HodenkrebsSchornsteinfeger (Kontakt mit Ruß)
1820   HautkrebsBraunkohlearbeiter
1879   LungenkrebsBergleute
1894   HautkrebsSeeleute
1895   BlasenkrebsArbeiter mit Kontakt zu Fuchsin
1902   HautkrebsRöntgen-Personal
1912   LungenkrebsBerufe mit Chromat-Kontakt
1922   Skrotal- und HautkrebsBerufe mit Kontakt zu Schieferölen
1928   LeukämieBerufe mit Kontakt zu Benzen
1933   Nasen- und LungenkrebsBerufe mit Kontakt zu Nickel
1933   LungenkrebsBerufe mit Kontakt zu Asbest
1938   PleuramesotheliomBerufe mit Kontakt zu Asbest
1954   PeritonealmesotheliomBerufe mit Kontakt zu Asbest
1972   LungenkrebsBerufe mit Kontakt zu Haloether
1974   LeberangiosarkomBerufe mit Kontakt zu Vinylchlorid

7. Krebsentstehung

Bei einem biologisch hoch komplexen Organismus wie dem menschlichen Körper, der aus Milliarden von lebenden Zellen besteht, ist eine gegenseitige Abstimmung der Zellen untereinander notwendig, um das Gesamtziel, nämlich das Überleben des Körpers bzw. die Reproduktion der Gene zu erreichen. Insbesondere bei Wachstums-, Differenzierungs- und Reparaturvorgängen müssen die einzelnen Zellverbände untereinander kommunizieren, um einen geordneten Ablauf dieser Prozesse zu garantieren. Bei der Wundheilung beispielsweise soll das Wachstum möglichst schnell ablaufen, um die Wunde zu schließen. Ist der Wundverschluss erreicht, muss die Vermehrungsrate der Reparaturzellen wieder stark gebremst werden, da ein weiteres Wachstum nicht mehr notwendig ist.

Bei Krebszellen ist diese gegenseitige Abstimmung und Beeinflussung im Zellverband außer Kraft gesetzt. Sie beeinflussen diurch Signalmoleküle ihre Gewebeumgebung und schaffen so ein günstiges Tumormikromilieu bzw. Tumorstroma. Die Krebszellen teilen sich unkontrolliert immer weiter, obwohl keine Notwendigkeit mehr dazu besteht. Die Bremssignale des Gesamtsystem an die Tumorzellen werden nicht mehr erkannt und befolgt, da sie den genetischen Code für den Informationsempfang verloren oder abgeschaltet haben.

Auch das Immunsystem des Gesamtorganismus versucht diese unkontrolliert wachsenden Zellen zu attackieren. Die Reaktion des Immunsystems auf die Tumorzellen ist sehr komplex - ein Vorgang der als Immunoediting bezeichnet wird. Da Tumorzellen in vieler Hinsicht aber noch normalen Körperzellen ähneln, fallen die Abwehrmechanismen häufig zu schwach aus, um den sinnlosen Wachstumsprozess zu stoppen. Aus einem örtlich begrenzten Tumor entsteht ein Tumorherd, der Gewebsgrenzen durchdringt, in andere Organe einwuchert und sich selbst sogar neue Blutgefäße bildet. Schließlich werden kleine Zellverbände der Ausgangsherdes z.B. über das Blut auch in entfernt liegende Organe verschleppt, wo sie Tumorabsiedlungen (Metastasen) bilden, die oft noch schneller als der ursprüngliche Ausgangsherd wachsen.

Die Entstehung von Krebs ist also oft ein Mehrstufenprozess, der durch evolutionäre Mechanismen der zunehmenden genetischen Entartung an Fahrt gewinnt.

8. Malignitätskriterien

Kriterien um einen Tumor als bösartig (maligne), d.h. als Krebs zu bezeichnen

  • Einbrechen und Zerstörung des umgebenden Gewebes mit oder ohne Gefäßinvasion (Kriterium: Durchbrechung der Basalmembran)
  • Anaplasie des Tumorgewebes (mehr oder weniger deutliche Abweichung von bekanntem Normalgewebe)
  • Anaplasie der Tumorzellen und Zellkerne, unnötig häufige Zellteilungen
  • Metastasierung (Absiedlung in andere Organe)

9. Die häufigsten Krebserkrankungen

10. Vergleich der diagnostizierten und der tödlichen Krebserkrankungen

Amerikanisches Krebsregister vom Jahr 2002

Auch wenn die Tabelle nicht ganz vollständig ist, kann man trotzdem die Heilungschancen bei den einzelnen Krebsarten erkennen. Eine sehr schlechte Heilungschance haben immer noch der Lungenkrebs und der Bauchspeicheldrüsenkrebs. Hier sind die diagnostizierten Fälle und die gestorbenen Fälle von der Zahl her fast gleich, bei Brust-, Darm- und Prostatakrebserkrankung ist die Krebsdiagnose nicht mir der Krebssterblichkeit gleichzusetzen, sie unterscheiden sich hier deutlich.

10.1. Krebs bei Frauen

Krebsart  diagnostiziert   verstorben 
Brustkrebs 203.500 39.600
Lungenkrebs 79.200 65.700
Darmkrebs 75.700 28.800
Uteruskorpus 39.300 6.600
NHL 25.700 11.700
Melanom 23.500
Ovar 23.300 13.900
Schilddrüse 15.800
Pankreas 15.600 15.200
Harnblase 15.000
Alle 647.400 267.300

10.2. Krebs bei Männern

Krebsart  diagnostiziert   verstorben 
Prostata   189.000 30.200
Lungenkrebs 90.200 89.200
Darmkrebs 72.600 27.800
Harnblase 41.500 8.600
Melanom 30.100 11.700
NHL 28.200 12.700
Niere 19.100 7.200
Mundhöhle 18.900
Leukämie 17.600 12.100
Pankreas 14.700 14.500
Alle 637.500 288.200

11. Organe, die häufig von Metastasen betroffen sind

12. Organe, die selten von Krebs betroffen sind

13. Behandlungsmöglichkeiten bei Krebs

Die derzeitige Heilungsrate bei Krebs liegt bei ca. 30 bis 40%, wenn man alle verschiedenen Krebserkrankungen zusammenfasst. Solange eine Krebskrankheit örtlich begrenzt bleibt, sind die Heilungschancen besser, als wenn der Tumor sich bereits in mehreren Organen des Körpers ausgebreitet hat.

In der medizinischen Statistik werden die Heilungschancen einzelner Tumorformen oft in Form der 5- oder 10-Jahres-Überlebensrate angegeben.

14. Krebsvorbeugung

  • Zigarettenrauchen einstellen - Rauchen ist eine Hauptursachen des Bronchialkarzinoms und anderer Tumoren
  • Vermeidung von Alkohol, vor allem von hochprozentigen Spirituosen
  • Überernährung und falsche Ernährung
    • Erhöhen Sie Ihren täglichen Verzehr an frischem Obst und Gemüse sowie an ballaststoffreichen Getreideprodukten.
    • Vermeiden Sie Übergewicht; sorgen Sie für mehr körperliche Bewegung und begrenzen Sie die Aufnahme fettreicher Nahrungsmittel
    • Vermeidung von zu viel Sonnenlicht
    • Vermeiden Sie übermäßige Sonnenbestrahlung und Sonnenbrände; dies gilt insbesondere für Kinder.
    • Halten Sie genauestens Vorschriften ein, durch die Sie vor einem Kontakt mit krebserregenden Stoffen geschützt werden sollen. Folgen Sie genau den Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften über Substanzen, die Krebs verursachen können.
  • Vermeidung von radioaktiven Belastungen

15. Früherkennung

Je eher die Krebserkrankung erkannt wird, desto besser sind ihre Heilungsaussichten. Das Spektrum der verfügbaren Untersuchungen für die Krebsvorsorge ist umfangreich. Es umfasst unter anderem:

Der sinnvolle Umfang von Krebsvorsorgeuntersuchungen ist umstritten, insbesondere die isolierte Bewertung von Tumormarkern.

Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland bieten in der Regel nur einen eingeschränkten Katalog an Vorsorgeuntersuchungen an. Er wird vom Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen festgelegt und ist in den Krebsfrüherkennungs-Richtlinien dokumentiert.

16. Quellen

  1. Cristian Tomasetti , Lu Li, Bert Vogelstein: Stem cell divisions, somatic mutations, cancer etiology, and cancer prevention. Science 24 Mar 2017: Vol. 355, Issue 6331, pp. 1330-1334; DOI: 10.1126/science.aaf9011
  • W.C. Black, R.F. Nease, Jr, and AN Tosteson: Perceptions of breast cancer risk and screening effectiveness in women younger than 50 years of age J Natl Cancer Inst 1995; 87: 720-731 [1]
  • Robert A. Weinberg:Krieg der Zellen
  • Onkologie für Pflegeberufe, hrsg. v. Agnes Glaus, Walter F. Jungi u. Hans-Jörg Senn, Thieme flexible Taschenbücher, ISBN 3-13-620305-4
  • Checkliste Onkologie, Reihe begr. v. Felix Largiader, Alexander Sturm u.Otto Wicki; Von Hans-Jörg Senn, Peter Drings, Agnes Glaus, ISBN 3-13-685505-1

17. Weblinks

Stichworte: Krebs, Tumor
Fachgebiete: Onkologie

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