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Insulinom (Hund)

Englisch: insulinoma

1 Definition

Als Insulinome bezeichnet man Tumoren der β-Zellen des Pankreas (Bauchspeicheldrüse), die vermehrt Insulin produzieren und rezidivierende Hypoglykämien beim Hund verursachen.

2 Vorkommen

Hauptsächlich erkranken mittelalte bis alte Tiere (durchschnittlich 8 bis 10 Jahre). Rüden und Hündinnen sind gleichermaßen häufig betroffen. Mittelgroße bis große Rassen erkranken deutlich häufiger als kleine Hunde.

Neben Deutschen Schäferhunden scheinen auch Irisch Setter, Golden Retriever, Labrador Retriever, Königspudel, Boxer, Collie, Weimaraner, Deutsch-Kurzhaar und Fox Terrier eine Prädisposition für die Erkrankung aufzuweisen.

3 Ätiologie

Insulinome sind Neoplasien der β-Zellen des Pankreas. Sie sind zu einem hohen Prozentsatz maligne und neigen zur Metastasierung in regionäre Lymphknoten, Mesenterium, Omentum majus und Leber.

Neben Insulin produzieren diese Tumore noch eine Reihe anderer Hormone, z.B. Glukagon, Somatostatin, pankreatisches Polypeptid u.ä.

4 Physiologie

Die Regulation der Insulin- und Blutglukosekonzentration erfolgt bei gesunden Tieren innerhalb enger Grenzen. Das Insulin wird dabei vorwiegend postprandial als Reaktion auf den Anstieg von Blutglukose und Aminosäuren ausgeschüttet und bewirkt die Aufnahme der Glukose in die Zellen und somit einen Abfall der Blutglukosekonzentration. Adrenalin, Glukagon, STH und Kortisol hingegen wirken zwischen den einzelnen Mahlzeiten und erhöhen den Blutglukoseanteil.

Das Verhältnis zwischen Blutglukose und Insulin bleibt dabei weitgehend konstant.

5 Pathogenese

Insulinome sezernieren Insulin autonom. Das heißt, dass unabhängig von der Höhe des momentanen Blutglukosespiegels Insulin ausgeschüttet wird. Die Aufrechterhaltung der physiologischen Blutglukosekonzentration durch gegenregulatorische Maßnahmen wie etwa die Sekretion von Glukagon, Katecholaminen, Kortisol und STH ist nicht in ausreichender Menge möglich.

Da sowohl das ZNS (v.a. der Kortex) als auch die Erythrozyten, das Knochenmark und das Nierenmark auf eine kontinuierliche Glukosezufuhr angewiesen sind, reagieren besonders diese Organe besonders empfindlich auf den Blutglukoseabfall. Die daraus resultierenden Symptome sind v.a. die Folgeerscheinungen eines Glukosemangels im Gehirn (Neuroglykopenie) und einer Sympathikusaktivierung.

6 Klinik

Das klinische Bild wird maßgeblich von der Hypoglykämie geprägt, die durch eine inadäquate Hyperinsulinämie hervorgerufen wird.

Zu Beginn der Erkrankung sind die Symptome häufig subtil, sodass die chronische Hypoglykämie oftmals Wochen bis Monate unentdeckt bleibt. Typisch ist ein episodisches Auftreten der Symptome - manchmal auch in zeitlichen Zusammenhang mit Fasten, Anstrengung, Aufregung oder Futteraufnahme. Häufige Krankheitszeichen sind Unruhe, Nervosität, Muskelzittern, Hunger und Verhaltensänderungen. Zusätzlich werden Apathie, Schwäche, Ataxie, Zusammenbrechen, Krämpfe, Stupor und fallweise auch Koma beobachtet.

Meistens überdauern die Symptome nur wenige Sekunden bis Minuten, weshalb nur äußerst selten Patienten im Status epilepticus in einer Klinik vorgestellt werden. Zwischen den einzelnen Episoden sind die meisten Hunde klinisch unauffällig.

Aufgrund der anabolen Wirkung von Insulin können die Tiere auch eine geringe bis mäßige Adipositas aufweisen. In äußerst seltenen Fällen wird auch eine paraneoplastische periphere Neuropathie beobachtet. Diese zeigt sich als Muskelschwäche, Muskelatrophie, Para- oder Tetraparese bzw. -paralyse oder auch Fazialisparese. Auch autonome Dysfunktionen wie z.B. eine reduzierte Ösophagusmotilität sowie Harnblasen- und Darmparalysen kommen vor.

7 Labormedizin

Neben einer ausgeprägten Hypoglykämie sind oftmals keine weiteren Veränderungen im Blutbild nachweisbar.

8 Differenzialdiagnosen

Als Differenzialdiagnosen sind Hypoglykämien aufgrund extrahepatischen Tumoren, portosystemischen Shunts, Leberversagen, Hypoadrenokortizismus, Sepsis, Polyzythämie und Kachexie auszuschließen.

9 Diagnose

Die Verdachtsdiagnose wird am gefasteten Tier mittels mehrmaliger Blutglukose- sowie Insulinspiegelmessung bestätigt. Sobald die Glukosekonzentration auf < 3 mmol/l (< 60 mg/dl) abgesunken ist, wird aus derselben Blutprobe der Insulinspiegel bestimmt. Bei Insulinomen ist die Insulinkonzentration typischerweise erhöht oder im oberen Referenzbereich. Bei einem erniedrigten Insulinspiegel kann ein Insulinom mit größter Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.

Um die Diagnose zu sichern, sind bildgebende Verfahren indiziert. Neben Röntgenuntersuchungen (v.a. zur Metastasensuche) sollte v.a. eine Computertomographie durchgeführt werden. Zusätzlich kann auch eine Ultraschalluntersuchung des Abdomens erfolgen. Bei Möglichkeit kann auch eine Somatostatin-Rezeptor-Szintigrafie durchgeführt werden.

10 Therapie

Im Notfall ist der Hund parenteral mit einer Glukoselösung (1 bis 2 ml/kgKG 50%iger Lösung i.v.) zu versorgen. Anschließend wird auf eine Dauertropfinfusion (2,5 bis 5%ige Glukoselösung) umgestellt. Ziel ist die Kontrolle der klinischen Symptome. Bei Bedarf sind auch Antikonvulsiva (z.B. Diazepam oder Propofol) sowie Mannitol und Dexamethason (bei Hypoglykämie-assoziiertem Hirnödem) indiziert.

Therapie der Wahl ist die chirurgische Resektion des Tumors. Bis zur Operation können die Tiere konservativ behandelt werden: Anstrengungen vermeiden, mehrmals täglich füttern, Prednisolon (0,25 mg/kgKG BID p.o.) und Diazoxid (5 mg/kgKG BID p.o.).

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

11 Prognose

Die Langzeitprognose ist mäßig bis schlecht. Hunde, welche die perioperative Phase überstehen, weisen eine mittlere Überlebenszeit von 1 bis 1,5 Jahren auf. Diese Zeit kann manchmal durch medikamentöse Maßnahmen (Fütterung, Prednisolon, Diazoxid) auf > 3 Jahre verlängert werden.

Eine rein konservative Behandlung geht häufig mit einer deutlich kürzeren Überlebenszeit (< 1 Jahr) einher.

12 Literatur

  • Niemand HG (Begr.). Suter PF, Kohn B, Schwarz G (Hrsg.). 2012. Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke-Verlag in MVS Medizinverlag Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1125-3

Diese Seite wurde zuletzt am 14. Mai 2021 um 10:28 Uhr bearbeitet.

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