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Nervus facialis (Veterinärmedizin)

Synonyme: Nervus intermediofacialis, 7. Hirnnerv, Nervus VII

1 Definition

Der Nervus facialis ist der 7. Hirnnerv der Haussäugetiere. Er führt gemischte Nervenfasern und ist hauptsächlich für die mimischen Muskeln zuständig.

2 Anatomie

Der Nervus facialis besteht aus zwei verschiedenen funktionellen Komponenten:

Aufgrund der engen Verbindung beider Nerven wird der Nervus facialis oft Nervus intermediofacialis genannt.

2.1 Ursprung

Sowohl der Nervus facialis als auch der Nervus intermedius entspringen am hinteren Rand der Brücke (Pons) aus dem verlängerten Mark (Medulla oblongata). Beim Wiederkäuer und Schwein sind sie (wie beim Menschen) in ihrem Ursprungsabschnitt voneinander getrennt. Bei diesen Tierarten vereinigen sich beide Nervenbündel erst im Meatus acusticus internus zu einem einheitlichen Stamm.

2.2 Verlauf

Da der Nervus facialis enge topographische Beziehungen zum Nervus vestibulocochlearis hat, ziehen sie gemeinsam zum Meatus acusticus internus. Dort angekommen, tritt der Nervus facialis in den Canalis nervi facialis des Felsenbeins (Pars petrosa ossis temporalis) ein. Noch innerhalb des knöchernen Kanals wendet er sich annähernd senkrecht nach kaudal und bildet so das periphere Fazialisknie (Geniculum nervi facialis). Im Knick eingebettet liegt das Ganglion geniculi.

Der Nervus facialis verlässt das Felsenbein und somit auch die Schädelhöhle über das Foramen stylomastoideum im Bereich der Glandula parotis.

2.3 Ganglion geniculi

Das Ganglion geniculi beherbergt Perikaryen pseudounipolarer afferenter Neurone, welche die Geschmacksknospen der vorderen zwei Drittel der Zunge innervieren. Diese Nervenfasern verlaufen anfangs mit dem Nervus lingualis und erreichen letztendlich über die Chorda tympani (Paukensaite) den Nervus facialis.

Die Afferenzen, die den überwiegenden Anteil des Nervus intermedius ausmachen, schließen sich in der Medulla oblongata an den Tractus solitarius an. Das erste Neuron endet dabei im Nucleus tractus solitarii.

Ob die Chorda tympani der Haussäugetiere auch propriozeptive (aus der Fazialismuskulatur stammend) und andere somatoviszerale Afferenzen (Haut, Schleimhaut) enthält, ist bis dato (2018) noch nicht vollständig geklärt. Bis jetzt konnten mit Hilfe neuer Techniken aberrante Nervenzellen im Nervus facialis nachgewiesen werden, die im Dienste der Hautsensibilität stehen sollen.

2.4 Nervus intermedius

Im Canalis nervi facialis entlässt der Nervus facialis seinen Intermediusanteil.

Nerv bzw. Ast: Versorgungsgebiet:
Nervus petrosus major verbindet sich mit den sympathischen Fasern des Nervus petrosus profundus zum Nervus canalis pterygoidei und führt so vegetativ gemischte Fasern dem Ganglion pterygopalatinum zu
Nervus stapedius innerviert motorisch den Musculus stapedius des Mittelohrs
Ast zur Fenestra vestibuli
Ramus communicans zum Nervus petrosus minor
Chorda tympani liefert dem Nervus lingualis sensorische Fasern, um die vorderen zwei Drittel der Zunge zu versorgen; versorgt alle Drüsen des Kopfes (mit Ausnahme der Ohrspeicheldrüse) mit sekretorischen und parasympathischen Fasern

Die noch innerhalb der Schädelhöhle abzweigenden Fazialisanteile versorgen einerseits die vorderen zwei Drittel der Zunge, andererseits den Großteil der Drüsen am Kopf. Die sekretorischen Parasympathikusanteile verkörpern dabei präganglionäre Fasern, die dem Ganglion pterygopalatinum über den Nervus petrosus major und dem Ganglion mandibulare über die Chorda tympani zugeführt werden.

2.5 Nervus facialis

Nachdem der Nervus facialis über das Foramen stylomastoideum die Schädelhöhle verlassen hat, führt er im Wesentlichen nur noch motorische Fasern. Nachdem er bereits im Canalis nervi facialis den Nervus stapedius an den gleichnamigen Muskel abgegeben hat, innerviert er die gesamte mimische Muskulatur des Kopfes (Fazialismuskulatur). Gleichzeitig ist er für die motorische Versorgung des kaudalen Bauches des Musculus digastricus mit der Pars occipitomandibularis (Pferd) und des Musculus stylohyoideus verantwortlich.

Alle hierfür notwendigen motorischen Fasern entstammen dem Nucleus motorius nervi facialis. Nach deren Ursprung erreichen sie die Oberfläche des verlängerten Markes - nachdem sie das innere Fazialisknie um den Abduzenskern (Nucleus nervi abducentis) gebildet haben.

Unmittelbar nach dem Austritt aus dem Foramen stylomastoideum zweigen schon die ersten Äste des eigentlichen Nervus facialis ab. In weiterer Folge ästelt sich der Nervenstamm in seine Endzweige tierartlich verschieden auf.

Nerv bzw. Ast:  Versorgungsgebiet:
Ramus auricularis internus zieht kaudal um den äußeren Gehörgang herum zur Ohrmuschel und innerviert angrenzende Muskeln am Muschelrücken und die Haut an der Innenfläche der Ohrmuschel (beim Pferd)
Nervus auricularis caudalis isoliert sich vom hinteren Rand des Nervus facialis (beim Hund doppelt angelegt) und zieht (von der Ohrspeicheldrüse bedeckt) in kaudodorsaler Richtung zum Genick, um sich mit den ersten zwei Halsnerven zum Plexus auricularis caudalis zu verbinden; innerviert letztendlich Teile der Ohrmuschelmuskeln
Ramus digastricus entspringt am unteren Rand des Fazialisstammes und schlägt sich um die Arteria auricularis caudalis herum (bildet dabei beim Pferd die Digastricusschleife); verbindet sich anschließend wieder mit dem Nervus facialis und zieht dann unter der Ohrspeicheldrüse nach ventral und innerviert den kaudalen Bauch des Musculus digastricus sowie dessen Pars occipitomandibularis (Pferd); gibt beim Hund den Ramus stylohyoideus an den gleichnamigen Muskel und den Musculus occipitohyoideus ab
Rami parotidei bilden mit den entsprechenden Ästen des Nervus auriculotemporalis den Plexus parotideus (enthält beim Rind zum Teil auch Äste des Nervus auriculopalpebralis)
Nervus auriculopalpebralis zweigt vom dorsalen Rand des Nervus facialis unter dem Ohrmuschelgesäß ab und schlägt sich in rostrodorsaler Richtung um den Muschelgrund herum; zieht anschließend über den Jochbogen hinweg zur Scheitelgegend; spaltet sich in den Ramus auricularis rostralis und den Ramus zygomaticus auf
Ramus auricularis rostralis zieht am rostromedialen Rand des Muschelknorpels scheitelwärts und verbindet sich mit Zweigen des Ramus zygomaticus und dem Nervus auriculotemporalis zum Plexus auricularis rostralis
Ramus zygomaticus zieht über den Jochbogen hinweg zum Tuber frontale und zu den Augenlidern; verbindet sich mit verschiedenen Ästen zum Plexus auricularis rostralis; verbindet sich ebenso mit Ästen des Nervus frontalis in der Gegend des Augenbogens und zieht beim Hund bis zu den Muskeln des Nasenrückens und entlässt dabei Zweige an den Musculus frontoscutularis sowie an die Musculi orbicularis oculi und levator anguli oculi medialis
Ramus colli geht gegenüber der Abgangsstelle des Nervus auriculopalpebralis am unteren Rand des Nervus facialis hervor; zweigt beim Hund vom Ramus buccalis ventralis ab; zieht durch die Ohrspeicheldrüse in kaudoventraler Richtung hindurch zur Drosselrinne und verbindet sich mit Zweigen der Ventraläste des 2. Halsnerven (manchmal auch mit weiteren); beim Rind versorgt ein Ast des Nervus auriculopalpebralis die entsprechenden Muskeln
Rami buccales sind die nach rostral ziehenden Endäste des Fazialisstamms, die sich tierartlich verschieden verhalten; werden bei allen Tieren in einen Ramus buccalis ventralis und dorsalis unterteilt, die vorwiegend die oberflächlich liegende Fazialismuskulatur mit motorischen Fasern versorgen

3 Link

4 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band VI: Nervensystem. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004
  • König, Horst Erich, and Hans-Georg Liebich. Anatomie der Haussäugetiere: Lehrbuch und Farbatlas für Studium und Praxis. Schattauer Verlag, 2014.

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