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Zytomegalievirus

(Weitergeleitet von Zytomegalie-Virus)

Synonyme: Cytomegalievirus, CMV, Humanes Herpesvirus 5, HHV 5
Englisch: human cytomegalovirus, HCMV, CMV, human herpesvirus-5, HHV-5

1 Definition

Das Zytomegalievirus, kurz CMV, ist ein Virus, das zu den Herpesviridae gehört und auch als HHV 5 (Humanes Herpesvirus 5) bezeichnet wird.

2 Taxonomie

siehe Hauptartikel: Virustaxonomie

3 Merkmale

CMV weist als Betaherpesvirus eine langsame, schwache Zytopathologie und ein enges Wirtsspektrum auf. Es besitzt eine doppelsträngige DNA (dsDNA), ist ikosaedrisch aufgebaut und mit einer Virushülle ausgestattet. Die Reifung des Virus erfolgt im Zellkern. Es persistiert lebenslang im Körper.

4 Epidemiologie

CMV ist weltweit verbreitet. Die Übertragung erfolgt als Tröpfchen- oder Schmierinfektion über Speichel, Blut, Muttermilch, Samenflüssigkeit und Zervixsekret. Außerdem ist eine Infektion über Blutkonserven oder Gewebetransplantate möglich. Die Durchseuchung in Industrieländern liegt bei Erwachsenen bei ca. 70 %.

5 Pathogenese

Das Virus befällt vorwiegend die duktalen Epithelzellen der Speicheldrüsen. Im Mikroskop sehen die befallenen Zellen aufgrund von Einschlusskörperchen wie Eulenaugen aus (Eulenaugenzellen). Es ist von einer lebenslangen Persistenz des Virus im Körper des Wirts auszugehen.

6 Klinik

Die Primärinfektion mit CMV verläuft in den meisten Fällen inapparent, sofern der Betroffene immunkompetent ist, d.h. über ein funktionierendes Immunsystem verfügt. Sofern klinische Symptome vorliegen, beträgt die Inkubationszeit einer Primärinfektion etwa 4 bis 6 Wochen.

6.1 Pränatale Infektion

In etwa 40% der Fälle wird bei einer Primärinfektion pränatal, d.h. während der Schwangerschaft auch das ungeborene Kind infiziert. In den meisten Fällen bleibt diese Infektion symptomlos, jedoch sind in etwa 10 % der Fälle mit Komplikationen beim Kind zu rechnen. Dabei können unter anderem Hörschäden, geringes Geburtsgewicht, Hepatosplenomegalie, Gerinnungsstörungen, Mikrozephalie, Ventrikeleinblutungen, Retinitis, Ikterus sowie geistige oder körperliche Behinderungen auftreten

6.2 Perinatale Infektion

Oft beobachtet man die Reaktivierung einer CMV-Infektion der Mutter während der Schwangerschaft. Deshalb ist es möglich, dass Neugeborene perinatal, d.h. während der Geburt mit CMV infiziert werden. Diese Infektion verläuft meist symptomlos, Komplikationen kann es z.B. bei Frühgeborenen geben.

6.3 Postnatale Infektion

Während eine Erstinfektion mit CMV bei Kindern meist symptomlos verläuft, entwickeln Erwachsene meist unspezifische, milde Symptome ähnlich eines grippalen Infekts. In seltenen Fällen können Lungenentzündungen (Pneumonie) oder Leberenzündungen (Hepatitis) auftreten. Gefährlich ist eine CMV-Infektion für Personen mit geschwächtem Immunsystem (Immunsuppression), z.B. nach Transplantationen, bei einer Krebserkrankung oder HIV-positiven Patienten (AIDS). In diesen Fällen kann eine CMV-Infektion tödlich enden. Symptome sind oft Fieber, Pneumonie, Darmentzündung (Colitis), Gehirnentzündung (Enzephalitis), Ösophagitis oder Hepatitis. Charakteristisch ist eine Retinitis bei AIDS-Kranken.

7 Komplikationen

Nach einer CMV-Infektion (häufig Erstinfektion) kann es zur Ausbildung eines Guillain-Barré-Syndroms kommen.

8 Diagnostik

8.1 Direkter Erregernachweis

Eine zuverlässige Diagnostik anhand der Klinik ist meist nicht möglich. Die Virusisolierung bzw. der Nachweis von CMV-Antigenen (Immunoassay) oder DNA (Realtime-PCR) aus geeignetem Material sind derzeit die diagnostischen Methoden der Wahl zum Nachweis einer CMV-Infektion. Die Virusisolation aus Urin, Stuhl oder Speichel ist jedoch nicht beweisend für eine akute Infektion mit CMV, hierzu sind der Nachweis von CMV-Antigen oder DNA im Serum oder Liquor deutlich besser geeignet.

Auch die Kultivierung von Zytomegalieviren auf einem Spezialnährmedium ist möglich und lässt eine Virusausscheidung oder Virämie nachweisen. Weiterhin lässt sich unter Mikroskopie ein zytopathischer Effekt (Eulenaugenzellen) beobachten, der je nach Viruslast und Immunkompetenz verschiedene Ausprägungsgrade und Ausbreitungsgeschwindigkeiten aufweisen kann.

8.2 Indirekter Erregernachweis

Neben den direkten Nachweismethoden stehen auch verschiedene serologische Verfahren zur Verfügung. Hierbei werden spezifische Antikörper gegen CMV im Blutplasma oder Serum mittels Immunoassay (z.B. ELISA) nachgewiesen. Hierzu zählen:

  • CMV-IgM-Antikörper: Sie geben den Hinweis auf eine Primärinfektion und sind bereits vor CMV-IgG-Antikörpern positiv. Die IgM-Antikörper persistieren einige Wochen bis Monate. Nach einiger Zeit findet dann eine Serokonversion zu IgG-Antikörpern statt.
  • CMV-IgG-Antikörper: Sie werden erst im späteren Verlauf einer Erkrankung positiv oder bei bereits durchgemachter Erkrankung. Nach durchstandener Infektion haben sie eine lebenslange Persistenz. Ein Anstieg des IgG-Titer kann ein Hinweis auf eine Primärinfektion mit CMV oder eine Reaktivierung sein.

8.3 Referenzbereiche

8.3.1 CMV-IgG-ELISA

  • negativ: bis 0,7 U/ml
  • schwach positiv: 0,7 bis 1,2 U/ml (Kontrolle empfohlen)
  • positiv: ab 1,2 U/ml

8.3.2 CMV-IgM-ELISA

  • negativ: bis 100 U/ml
  • schwach positiv: 100 bis 150 U/ml (Kontrolle empfohlen)
  • positiv: ab 150 U/ml

9 Therapie

CMV kann virustatisch mit Ganciclovir oder Valganciclovir behandelt werden. Außerdem stehen alternativ Cidofovir oder Foscarnet zur Therapie zur Verfügung.

Zur Prophylaxe immunsupprimierter Personen sind Hyperimmunseren verfügbar. Es wird empfohlen in der Schwangerschaft eine CMV-Antikörperbestimmung durchzuführen, um Schäden des Feten zu verhindern.

10 Literatur

Fachgebiete: Virologie

Diese Seite wurde zuletzt am 28. Februar 2021 um 22:44 Uhr bearbeitet.

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