Vom 13. bis 26. Juni steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.
Bearbeiten

Vom 13. bis 26. Juni steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.

Liebe Autoren,

Wir sind gen Süden gefahren und machen eine Pause. Deswegen steht das Flexikon vom 13. bis 26. Juni 2022 nur im Lesemodus zur Verfügung. Ab dem 27. Juni könnt ihr wieder mit voller Kraft losschreiben.

Unser Tipp: Genießt die Sonne! Wir freuen uns auf jeden Fall, wenn ihr frisch erholt wiederkommt!

Bis bald
Euer Flexikon-Team

Allergische Kontaktdermatitis

Synonyme: Kontaktallergie, allergisches Kontaktekzem
Englisch: allergic contact dermatitis, ACD

1 Definition

Die allergische Kontaktdermatitis, auch allergisches Kontaktekzem genannt, ist eine entzündliche Hautveränderung (Ekzem), die durch eine allergische Reaktion vom Typ IV (Typ-IV-Allergie, "verzögerter Typ") ausgelöst wird. Sie stellt die häufigste Hauterkrankung in Deutschland dar.

2 Epidemiologie

Mit einer Lebenszeitprävalenz von etwa 15 % zählen Kontaktallergien zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Die Häufigkeit ist durchaus auf dem Niveau einer Volkskrankheit, wie zum Beispiel des Diabetes mellitus. Der "Vorteil" einer Kontaktallergie gegenüber anderen chronischen Erkrankungen ist jedoch, dass bei konsequenter Allergenkarenz Symptomfreiheit besteht.

3 Auslöser

Stoffe bzw. Substanzen, die eine allergische Kontaktallergie auslösen, bezeichnet man als Kontaktallergene. Viele im Alltagsleben gebräuchliche und anzutreffende Stoffe können eine allergische Kontaktdermatitis auslösen. Dabei kann es sich ebenso um Naturstoffe handeln, wie um chemisch bzw. synthetisch hergestellte Substanzen.

Wichtige Antigene sind Nickelsulfat (häufigstes Allergen, in Schmuck, BH-Verschlüsen, Brillengestellen, Hosenknöpfen, etc.), Chromsalze (Bestandteil von vielen Baustoffen und Leder), Kobaltchlorid (Bestandteil von Zement und Farben), Arzneistoffe (Antibiotika), diverse Naturstoffe (z.B. Latex), Formaldehyd und viele mehr.

4 Ätiopathogenese

Bei vielen Kontaktallergenen handelt es sich um niedermolekulare Haptene (z.B. Nickel), die erst nach Reaktion mit körpereigenen Proteinen zu Allergenen werden. Der dabei entstehende Komplex verfügt über die notwendigen molekularen Eigenschaften, um vom Immunsystem als Antigen erkannt werden. Im Rahmen der komplexen immunologischen Abläufe werden u.a. die T-Zellen (T-Lymphozyten) sensibilisiert.

Beim Erstkontakt kommt es zunächst zu einer klinisch stummen Sensibilisierungsphase, bei der lediglich leichtere Hautirritationen auftreten. Bei erneutem direkten oder indirekten Kontakt mit dem Antigen bildet sich dann in der Auslösephase mit einer Verzögerung von 24 bis 72 Stunden eine manifeste allergische Kontaktdermatitis aus.

5 Klinik

5.1 Verlauf

Der klinische Verlauf ist abhängig von Sensibilisierungsgrad, Penetranz und Einwirkdauer des Allergens. Man unterscheidet die drei Verlaufsformen akut, subakut und chronisch.

5.1.1 Akute Form

Bei hoher Sensibilisierungsgrad und hoher Penetranz zeigt sich ein akuter phasenhafter Verlauf mit folgenden Stadien:

  • Stadium erythematosum et oedematosum
  • Stadium vesiculosum et bullosum
  • Stadium medidans
  • Stadium squamosum

5.1.2 Subakute Form

Bei mittlerem Sensibilisierungsgrad und mäßiger Penetranz kommt es zu einem subakuten Verlauf mit vielgestaltigen Effloreszenzen, u.a. Erythemen, Ödemen, Papeln (Knötchen) Vesikeln (Bläschen) und Schuppung.

5.1.3 Chronische Form

Ein fortdauernder Allergenkontakt bei geringer Sensibilisierung und Penetranz unterhält eine chronische Kontaktdermatitis mit trockenem Ekzem, ausgeprägter Lichenifikation, Rhagaden, Hyperkeratose und geringem Erythem.

5.2 Prädilektionsstellen

Körperregion Allergen Mögliche Auslöser
Gesicht Konservierungsmittel, Duftstoffe, Pflanzenstoffe Kosmetika, Sonnenschutzmittel
Kopfhaut Phenylendiamin, Ammoniumpersulfat u.v.a. Haarfärbemittel, Tönungen
Periorbitalregion Konservierungsmittel, Duftstoffe, Arzneistoffe, Metallionen, Weichmacher Kosmetika, Augentropfen, Brillen
Perioralregion Kunststoffe, Latex Schnuller, Flaschensauger usw.
Ohren Nickel, Kobalt, Konservierungsmittel Ohrschmuck, Ohrentropfen
Gesicht, Dekolleté, Hände aerogene Kontaktallergene Lacke, Aerosole, Stäube
Handgelenke Nickel, Kobalt, Kaliumdichromat, Weichmacher Schmuck, Uhren, Armbänder
Achseln Duftstoffe, Konservierungsmittel Deodorantien
Brust Textilfarbstoffe, Kleber, Nickel Büstenhalter
Arme Konservierungsmittel, Inhaltsstoffe, Duftstoffe Körperpflegeprodukte, Sonnenschutzmittel
Beine Textilfarbstoffe Hosen
Oberschenkel Kunststoffe, Kunstharze, Desinfektionsmittel Toilettensitze, Haushaltsreiniger
Unterschenkel Pflanzenstoffe, Weichmacher, Kaliumdichromat, Gummi-Inhaltsstoffe Gräser, Schienbeinschoner, Strümpfe, Lederstiefel
Nabel Nickel, Kobalt Piercings
Subumbilikalregion Nickel, Kobalt Hosenknöpfe, Gürtelschnallen
Windelbereich Konservierungsmittel, Duftstoffe, Klebstoffe Windeln, Körperpflegeprodukte
Perianalregion Arzneistoffe, Lubrikantien, Duftstoffe Suppositorien, Gleitmittel, Toilettenpapier
Füße Gummi-Inhaltsstoffe, Kaliumdichromat Schuhe, Strümpfe, Sandalen

6 Diagnostik

  • Anamnese, Berufsanamnese und genaue Erhebung der Lokalisation der Dermatitis zur Identifikation des auslösenden Kontaktallergens
  • Nachweis einer Kontaktallergie durch einen Epikutantest

7 Differentialdiagnosen

Wichtige Differentialdiagnosen sind:

8 Therapie

Die Therapie der Wahl ist die – wenn möglich – vollständige Vermeidung des auslösenden Kontaktallergens. Es existieren heutzutage für zahlreiche Substanzen entsprechende Ersatzstoffe für Allergiker. Bei Vermeidung der auslösenden Allergene bildet sich die Erkrankung selbstlimitierend im Laufe der Zeit zurück.

Alkalische Seifen und Waschmittel reduzieren den Lipidfilm der Haut und können das Symptombild verschlechtern. Die Haut sollte daher mit ölhaltigen Zusätzen und unter Verwendung rückfettender Cremes gereinigt werden.

Die medikamentöse Therapie erfolgt mit glukokortikoidhaltigen Salben oder Cremes, ggf. mit Zusatz von Keratolytika wie Salizylsäure oder Harnstoff. Der Einsatz muss umsichtig erfolgen, nicht im Sinne einer Symptomkaschierung. Bei dauerhafter topischer Glukokortikoidanwendung kommt es zur Hautatrophie. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass Steroidexterna selbst eine allergische Kontaktdermatitis unterhalten können.

Ggf. helfen Antihistaminika und Phototherapie. Im Gegensatz zu einer Allergie vom Soforttyp gibt es keine Möglichkeit der Desensibilisierung.

Diese Seite wurde zuletzt am 4. Juni 2022 um 15:05 Uhr bearbeitet.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

11 Wertungen (3.91 ø)

88.050 Aufrufe

Copyright ©2022 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: