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Ohrentropfen

Synonyme: Otoguttae, Auricularium
Englisch: ear drops

1 Definition

Als Ohrentropfen werden Arzneimittel für die Applikation ins Ohr in Form von Lösungen, leicht aufschüttelbaren Suspensionen oder Emulsionen bezeichnet. Sie werden als lokale Therapie bei Entzündungen, Schmerzen, Infektionen oder zur Erweichung von verhärtetem Cerumen eingesetzt.

2 Inhaltsstoffe und Wirkstoffe

Meist sind Ohrentropfen als wässrige, wässrig-ethanolische oder wässrig-glykolische Lösungen zubereitet. Zur Aufweichung von eingetrocknetem Cerumen (Cerumenolytika) kommen auch Glycerol oder fette Öle zum Einsatz. Je nach Indikation können Ohrentropfen Antibiotika, Antimykotika, Lokalanästhetika, Corticoide, Alkohole oder Tenside zugesetzt werden. Für das Gehörgangsmilieu ist ein saurer pH-Wert der Lösung wichtig.

Ohrentropfen sollten in der Regel nur bei intaktem Trommelfell angewendet werden. Bei Trommelfellperforation ist auf die Anwendung nicht-ototoxischer Bestandteile zu achten.

2.1 Antibiotika

Für die lokale Behandlung werden Antibiotika mit breitem antimikrobiellen Spektrum eingesetzt, die möglichst selten oder nie systemisch gegeben werden, um eine Allergisierung zu verhindern. Gebräuchlich sind u.a. Chloramphenicol, Neomycin, Polymyxin-B, Bacitracin und desinfizierende Zusätze wie Ethacridinlactat. Dennoch werden auch Fluorchinolone wie Ofloxacin oder Ciprofloxacin angewendet, deren Wirksamkeit gegen gramnegative und grampositive Erreger nachgewiesen ist.

Polymyxin-B und Bacitracin werden häufig in Kombination eingesetzt, da beide Substanzen unterschiedliche Wirkmechanismen besitzen. Damit wird einerseits ein ausreichendes antimikrobielles Wirkspektrum erreicht - vor allem gegen grampositive Bakterien sowie gramnegative Kokken und einige andere gramnegative Bakterien erreicht, andererseits ergibt sich eine verminderte Resistenzentwicklung. Das Wirkspektrum entspricht dem des Penicillins, wobei allerdings die für Penicillin typische Allergisierung vermieden wird.

2.2 Antimykotika

Der Verlust des sauren Milieus verbessert die Lebensbedingungen für Pilze. Neben dem Einsatz von Antimykotika in Tropfen- und Salbenform, ist es bei Pilzinfektionen besonders wichtig, den Gehörgang zu säubern und trocken zu halten. Im Anschluss der Behandlung ist für die Säuerung des Gehörganges sorgen. Die Maßnahme kann auch Reinfektionen vorbeugen

2.3 Lokalanästhetika

Lokalanästhetika wie Lidocain, Cinchocain, Procain-HCl oder Tetracain bewirken im Gehörgang eine Schmerzstillung. Die Kombination von Phenazon (einem wasserlöslichen, nicht-steroidalen Schmerzmittel) und Procain kommt fast ausschließlich bei Ohrentropfen vor.

2.4 Dekongestiva

Zur initialen Gewebeabschwellung hat sich 70%iges Isopropanol bewährt, auf dem viele Rezepte für Ohrentropfen basieren. Allerdings reizt Alkohol auch die Gehörgangshaut (initiales brennendes Gefühl), entfettet sie, trocknet aus und macht sie empfindlicher. Daher Alkohol nur kurz geben, bis die Abschwellung eingetreten ist.

3 Applikation

Vor Anwendung sollten die Ohrentropfen auf Körpertemperatur aufgewärmt werden (z.B. Tropfenbehälter einige Minuten lang in der Hand halten od. ggf. Erwärmung im Wasserbad).

Nach Händedesinfektion und Aufklärung des Patienten wird dessen Oberkörper hoch gelagert und wenn möglich der Kopf zur Seite geneigt. Zum Strecken des Gehörgangs wird die Ohrmuschel am oberen Pol erfasst und leicht nach hinten oben gezogen. Anschließend wird die verordnete Dosis vorsichtig in den Gehörgang eingetropft. Der Patient sollte noch 10-20 Minuten auf der Seite liegen zu bleiben, um ein Herauslaufen der Tropfen zu verhindern.

Von einem Verschluss des Gehörgangs durch Watte sollte Abstand genommen werden, da sich eine feuchte Kammer bilden kann, welche Infektionen begünstigt.

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