Tetracain
eHandelsnamen: Ophtocain, Eludril (Tetracain-haltig), Acoin, Gramicidine, Tyrothricine, Rapydan
Synonyme: Tetracainum, 2-Dimethylaminoethyl-(4-butylaminobenzoat)-Hydrochlorid
Englisch: Tetracaine
Definition
Tetracain ist ein Lokalanästhetikum, das zur kurzfristigen Betäubung von bestimmten Körperoberflächen angewendet wird (Oberflächenanästhetikum). Es eignet sich insbesondere für die lokale Schmerzausschaltung an Schleimhäuten. Tetracain wird v. a. von der Zahnheilkunde, der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde für kleinere Eingriffe in der Mundhöhle und an den Zähnen verwendet.
Chemie
Das Lokalanästhetikum besitzt die chemische Summenformel
- C15H24N2O2 * HCl
wobei die korrekte chemische Bezeichnung des Moleküls wie folgt lautet: 2-Dimethylaminoethyl-(4-butylaminobenzoat)-Hydrochlorid. Es handelt sich um ein Lokalanästhetikum vom Ester-Typ. Innerhalb der Strukturformel findet sich ein Benzolring; Tetracain ist demnach eine aromatische Verbindung. Bei Zimmertemperatur liegt das Lokalanästhetikum in Form der Base als wachsartige Substanz vor, als Salz der Salzsäure ist es kristallin. Der Schmelzpunkt der Tetracain-Base liegt bei etwa 40 – 64 °C und in der Hydrochlorid-Form liegt dieser bei rund 150 °C.
Anwendung
Dosierung
- Augentropfen (6 mg Tetracainhydrochlorid/g): 1 Tropfen in den Bindehautsack applizieren, anschließend Augenlider kurz schließen. Für subkonjunktivale und retrobulbäre Injektionen ist eine Wiederholung nach 30 Sekunden ausreichend. Vor kleineren Eingriffen kann 1 Tropfen alle 30 Sekunden über insgesamt 5–7 Applikationen verabreicht werden.
- Topische Creme (70 mg Lidocain + 70 mg Tetracain/g): Auf intakte Haut ca. 1 mm dick auftragen (≈1,3 g/10 cm²). Die Standard-Einwirkzeit liegt bei ca. 30 Minuten. Vor dermatologischen Eingriffen sollte der Cremefilm 60 Minuten auf dem Hautareal belassen werden. Vor dem Eingriff muss der Cremefilm entfernt werden.
- Schleimhautspray (Tetracain): In der Regel werden 2 Sprühstöße auf die zu anästhesierende Schleimhaut appliziert. 1 Sprühstoß enspricht ca. 0,7 mg Tetracain-Base. Die maximale Gesamtdosis liegt bei 20 mg.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Wirkungsmechanismus
Die Tetracain-Moleküle blockieren bereits kurz nach der Aufnahme die Natriumkanäle am Axon der sensiblen Nervenfaser. Dadurch entfällt der Natrium-Einstrom, die Bildung eines Aktionspotenzials ist nicht möglich und es gelangt keine Information zum ZNS. Die Schmerzwahrnehmung ist ausgeschaltet. Die Wirkung hält einige Stunden an.
Nebenwirkungen
Tetracain kann lokal Reizungen und bei längerer Anwendung, insbesondere am Auge, relevante Gewebeschäden (z.B. Hornhautulzerationen) verursachen. Systemisch droht bei Resorption eine Lokalanästhetika-Intoxikation. Aufgrund der ungünstigeren Steuerbarkeit und Nebenwirkungsprofile wurde Tetracain (z.B. zu Regional- oder Spinalanästhesie) in der Anästhesiologie weitgehend durch Amid-Lokalanästhetika ersetzt.
Quellen
- Rote Liste; Pliaglis 70 mg/g + 70 mg/g Creme; abgerufen am 19.03.2026
- eu.levkovi.org; Ophtocain®-N; abgerufen am 19.03.2026
- Sanofi; Fachinformation Gingcain; abgerufen am 19.03.2026