Zyklusstörung
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LoslegenSynonyme: Zyklusanomalie, Menstruationsstörung, Regelstörung
Englisch: menstruation disorder
Definition
Als Zyklusstörung bezeichnet man Unregelmäßigkeiten des Menstruationszyklus. Sie können die Frequenz, die Dauer und Stärke oder die Begleitumstände der Menstruationsblutung betreffen.
Nomenklatur
Im klinischen Sprachgebrauch wird statt von einer Zyklusstörung häufig auch symptomorientiert von einer "abnormen uterinen Blutung" (AUB) gesprochen. "Zyklusstörung" ist jedoch der weiterreichende Begriff, da er auch ausbleibende Blutungen (Amenorrhöen, Prämature Ovarialinsuffizienz (POI)[1]) sowie das prämenstruelle Syndrom (PMS) und Dysmenorrhöen umfasst.
Ursachen
Die Ursachen von Zyklusstörungen sind vielfältig. Es können gynäkologische, endokrine, systemische oder genetische Störungen sowie Fehlbildungen vorliegen. Darüber hinaus können dysfunktionelle Blutungen ohne organische Ursache auftreten.
Gynäkologische Ursachen
Zu den gynäkologischen Ursachen zählen:
- Uterusmyome
- Endometriumpolypen
- Endometriose
- Adenomyose
- Uteruskarzinome
- Plazentarest
- Abort
- Ovarialtumoren (zum Beispiel Thekom)
- Extrauteringravidität (EUG)
- Infektionen (z.B. Endometritis, Zervizitis)
- Intrauterinpessar (IUP)
Endokrine Ursachen
Zu den endokrinen Ursachen zählen:
- Hypothyreose
- Hyperprolaktinämie
- Ovarialinsuffizienz
- Hypophyseninsuffizienz
- Hypophysentumoren
- Nebenniereninsuffizienz
- PMO-Syndrom
Systemische Ursachen
Zu den systemischen Ursachen zählen:
- hämorrhagische Diathesen
- Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
- Leberzirrhose
- Anorexie
- Leistungssport
- Arzneimittel (Antikoagulantien, Antipsychotika, Kontrazeptiva, Tamoxifen sowie weitere Arzneimittel)
Genetische Ursachen
Zu den genetischen Ursachen zählen:
- Chromosomenanomalien (z.B. Ullrich-Turner-Syndrom, Swyer-Syndrom, Mayer-von-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom)
- Adrenogenitales Syndrom
Fehlbildungen
Zu den Fehlbildungen zählen:
- Agenesie oder Hypoplasie der Genitalien
- Asherman-Syndrom
Einteilung
Zyklusstörungen können in Typusanomalien und Tempoanomalien eingeordnet werden – je nachdem, ob die Quantität bzw. Dauer (Blutungsmuster) oder die Frequenz der Blutung betroffen ist.
Formen
Die folgende Übersicht enthält auch traditionelle Bezeichnungen. Begriffe wie Menorrhagie, Metrorrhagie, Oligomenorrhö und dysfunktionelle uterine Blutung (DUB) werden in der standardisierten FIGO-Nomenklatur nicht mehr empfohlen; bevorzugt werden beschreibende Begriffe für die jeweiligen Blutungsauffälligkeiten (siehe abnorme uterine Blutung).[2]
Zyklusstörungen können sich in folgenden Formen manifestieren:
- Amenorrhö: Ausbleiben der Monatsblutung
- Abnorme uterine Blutung (AUB): Veränderung von Blutungsmuster und/oder -frequenz
- Menorrhagie: Abnorm starke und lang anhaltende Menstruationsblutungen (> 8 Tage)
- Metrorrhagie: Unregelmäßige Blutungen außerhalb des normalen Zyklus
- Menometrorrhagie: Kombination aus Meno- und Metrorrhagie
- Hypomenorrhö: zu schwache Menstruationsblutung (< 5 ml pro Zyklus)
- Hypermenorrhö: zu starke Menstruationsblutung (> 80 ml pro Zyklus)
- Brachymenorrhö: Blutungsdauer kürzer als 3 Tage
- Polymenorrhö: Zykluslänge unter 24 Tagen[3]
- Oligomenorrhö: Zykluslänge über 38 Tagen[3]
- Zwischenblutung: Irreguläre Blutung zwischen zwei erwarteten Menstruationen
- Schmierblutung (Spotting): kleinere Blutung, die nicht die Anwendung eines Tampons oder einer Vorlage erfordert
- Dysfunktionelle uterine Blutung (DUB): unregelmäßige Blutungen, die sich nicht zuordnen lassen
- Postmenopausale Blutungen: Blutungen, die nach der Menopause auftreten
- Dysmenorrhö: Schmerzen während der Menstruation
- Prämenstruelles Syndrom (PMS)
- Prämature Ovarialinsuffizienz (POI)[1]
Pathophysiologie
Der Menstruationszyklus wird durch die hypothalamisch-hypophysär-ovarielle Achse gesteuert. Die pulsatile GnRH-Sekretion führt zu einer Freisetzung von FSH und LH. Dadurch reifen Follikel heran, es kommt zum Ovulationspeak und anschließend unter Progesteroneinfluss zur sekretorischen Umwandlung des Endometriums.[4] Störungen der HHO-Achse können zu Anovulation oder Oligoovulation mit unregelmäßiger, prolongierter oder ausbleibender Blutung führen.[4]
Neben hormonellen Ursachen können auch endometriale Mechanismen gestört sein, etwa die normale Prostaglandin- und Matrixmetalloproteinase-vermittelte Ablösung und Regeneration der funktionellen Schleimhaut sowie die lokale Vasokonstriktion und Thrombenbildung zur Blutstillung.[4]
Defekte der Hämostase oder strukturelle uterine Veränderungen können diese Blutstillung zusätzlich beeinträchtigen und so starke oder anhaltende Blutungen begünstigen.[5]
Komplikationen
Starke oder lang anhaltende Blutungen können zu Eisenmangel und Anämie führen. Ein ausgeprägter Blutverlust ist auch hämodynamisch relevant.[6][5]
Chronische Zyklusstörungen beeinträchtigen die Fertilität, vor allem, wenn sie mit Anovulation oder einer Störung der endokrinen Regulation einhergehen.[5]
Persistierende Blutungen nach der Menopause gelten als abklärungsbedürftig, da ein maligner Tumor ursächlich sein kann.[7][8]
Diagnostik
Für die differentialdiagnostische Abklärung einer Zyklusstörung kommen neben der allgemeinen Anamnese und der ausführlichen Zyklusanamnese unter anderem folgende Maßnahmen in Betracht:
- Gynäkologische Untersuchung einschließlich Inspektion mit Spekulum und bimanueller Palpation
- Kolposkopie, Hysteroskopie
- Bildgebung
- Abdomen-Sonographie
- transvaginale Sonographie (TVUS)
- Hydrosonographie (HUS)
- Labor
- Schwangerschaftstest, Beta-HCG
- Gerinnungsstatus
- Hormonstatus: FSH, LH, Östradiol, Progesteron, Prolaktin, TSH, Testosteron, DHEAS
Bei verdächtigem Befund kann eine Endometriumbiopsie mit anschließender Pathohistologie indiziert sein. Auch bei Ausschöpfung aller diagnostischen Möglichkeiten lassen sich die Ursachen einer Zyklusstörung nicht immer eindeutig identifizieren.
Therapie
Die Therapie einer Zyklusstörung ist abhängig von der auslösenden Ursache. Sie kann konservative und/oder chirurgische Maßnahmen umfassen.
Fortbildung
Quiz
Bildquelle
- Bildquelle für Flexikon-Quiz: ©Jamin Mahmood of Vulvani / Wikimedia Commons
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 ESHRE, ASRM, CRE-WHiRL und IMS: International Guideline on Premature Ovarian Insufficiency, 2024, abgerufen am 05.10.2026
- ↑ Munro et al., The two FIGO systems for normal and abnormal uterine bleeding symptoms and classification of causes of abnormal uterine bleeding in the reproductive years: 2018 revisions, International Journal of Gynecology & Obstetrics, 2018
- ↑ 3,0 3,1 Jain et al., Contemporary evaluation of women and girls with abnormal uterine bleeding: FIGO Systems 1 and 2, International Journal of Gynecology & Obstetrics, 2023
- ↑ 4,0 4,1 4,2 StatPearls, Abnormal Uterine Bleeding, NCBI Bookshelf, 2025
- ↑ 5,0 5,1 5,2 StatPearls, Abnormal Uterine Bleeding, NCBI Bookshelf, 2023
- ↑ MSD Manual, Abnorme Gebärmutterblutungen, 2024
- ↑ National Clinical Practice Guideline, abgerufen am 05.10.2026
- ↑ Leitlinie (Kurzversion), abgerufen am 05.10.2026