Menorrhagie
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LoslegenEnglisch: menorrhagia
Definition
Als Menorrhagie wird eine zu starke und zu lange andauernde Menstruation bezeichnet. Die Menorrhagie ist eine Form der Zyklusstörung und gehört zu den abnormen uterinen Blutungen (AUB).
Wenn die Dauer der Menstruation normal ist, und nur die Blutung deutlich stärker ausfällt, spricht man von einer Hypermenorrhoe. Klinisch werden diese Begriffe häufig synonym verwendet.
Terminologie
Die Definition der Menorrhagie ist in der medizinischen Literatur uneinheitlich. Einige Quellen definieren eine Menorrhagie als einen Blutverlust von mehr als 80 ml, andere als eine Menstruationsdauer von mehr als 7 Tagen.
Nach den Empfehlungen der FIGO von 2018[1] soll der unscharf definierte Begriff "Menorrhagie" verlassen werden. Stattdessen wird die Bezeichnung "Heavy Menstrual Bleeding" (HMB) für verstärkte Monatsblutungen vorgeschlagen. Eine Blutungsdauer von mehr als 8 Tagen gilt dabei als verlängert.
Zudem weisen die Autoren darauf hin, dass verstärkte Monatsblutungen in der Regel überschätzt werden, da zum Teil mehr als 50% des Menstruationsbluts aus Endometrium-Transsudaten besteht. Im deutschen Sprachraum hat sich diese Empfehlung bislang (2026) nicht durchgesetzt.
Ursachen
Die Ursachen einer Menorrhagie sind vielfältig.
Gynäkologische Ursachen
Häufige Ursachen sind eine vergrößerte oder gestörte Endometriumoberfläche, Kontraktionsstörungen der glatten Muskulatur des Uterus sowie lokale Störungen der Hämostase und Prostaglandinbalance. Zu den möglichen gynäkologischen Ursachen zählen:
- Uterusmyome
- Endometriumpolypen
- Endometriumkarzinome
- Adenomyose
- Endometriose
- Genitaltuberkulose (in D selten)
Auch ein Intrauterinpessar (IUP) kann eine Menorrhagie verursachen.
Systemische Ursachen
Neben gynäkologischen Erkrankungen muss an das Vorliegen einer hämatologischen Grunderkrankung gedacht werden (hämorrhagische Diathese) bzw. an die Einnahme von Antikoagulantien oder anderen gerinnungshemmenden Arzneimitteln. Als weitere systemische Ursachen kommen in Frage:
- Hypothyreose
- polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS)
- Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
- Chronische Lebererkrankungen
Funktionelle Ursachen
Kann keine strukturelle Ursache identifiziert werden, sollte die Blutungsstörung anhand des FIGO-AUB-Systems weiter klassifiziert werden. Der unscharfe Sammelbegriff „dysfunktionelle uterine Blutung" soll nicht mehr verwendet werden.[1]
Differentialdiagnose
- Extrauteringravidität
- Inkompletter Abort
Risiken
Durch eine länger bestehende Menorrhagie kann es zu deutlichen Blutverlusten kommen, die zur Entstehung eines Eisenmangels bis hin zur Eisenmangelanämie führen. Ein Eisenmangel kann dabei bereits vor Entwicklung einer manifesten Anämie bestehen. Bei länger anhaltenden oder ausgeprägten Blutungen ist daher eine Kontrolle von Hämoglobin und Serum-Ferritin sinnvoll.
Das Ausmaß des menstruationsbedingten Blut- und Eisenverlustes kann anhand der verwendeten Menstruationsprodukte näherungsweise abgeschätzt werden.[2]
Diagnostik
- gynäkologische Untersuchung
- Sonografie des Uterus
- Hysteroskopie
- Endometriumbiopsie
- Labordiagnostik mit Blutbild und Serum-Ferritin bei Verdacht auf Eisenmangel bzw. Eisenmangelanämie
Therapie
Die Therapie ist abhängig von der auslösenden Ursache und erfolgt, wenn möglich, kausal. Es stehen unter anderem folgende Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, wobei ein ggf. bestehender Schwangerschaftswunsch über die genaue Wahl der Methoden entscheidet.
Nicht-hormonelle Therapie
Tranexamsäure ist ein Antifibrinolytikum und kann zur Reduktion des menstruellen Blutverlustes eingesetzt werden. Sie stellt insbesondere bei fehlendem Wunsch nach einer hormonellen Behandlung eine nicht-hormonelle Therapieoption dar.
Hormonelle Therapie
Minimal-invasive Therapie
- Radiofrequenzablation der Uterusschleimhaut mittels Netzelektrode (nach abgeschlossener Familienplanung)[3]
Chirurgische Therapie
Eine Abrasio kann in Einzelfällen diagnostisch oder kurzfristig blutungsstillend eingesetzt werden. Sie stellt jedoch keine Standardtherapie der Menorrhagie dar.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Munro et al, The two FIGO systems for normal and abnormal uterine bleeding symptoms and classification of causes of abnormal uterine bleeding in the reproductive years: 2018 revisions, International Journal of Gynecology & Obstetrics, 2018
- ↑ Menstruations- und Eisenverlust-Rechner, Hausarztpraxis am Romanplatz, abgerufen am 06.09.2026
- ↑ IQWiG Bericht, Stand 11.2021, abgerufen am 06.06.2022