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Progesteron

Synonym: Corpus-luteum-Hormon
Englisch: progesterone

1 Definition

Progesteron ist ein weibliches Geschlechtshormon, das vom Corpus luteum (Gelbkörper) in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus und, in wesentlich höheren Mengen, während der Schwangerschaft von der Plazenta gebildet wird. Geringe Progesteronmengen werden bei Frauen und Männern auch von der Nebennierenrinde synthetisiert.

2 Chemie

Progesteron hat die Summenformel C21H30O2 und eine molare Masse von 314,47 g/mol.

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3 Struktur

Progesteron ist als Steroidhormon ein Derivat des Cholesterins, aus dem es auch im menschlichen Organismus synthetisiert wird; es hat die Summenformel C21H30O2.

4 Physiologie

Progesteron wird vor allem im Corpus luteum und in der Plazenta synthetisiert und ausgeschüttet, in geringeren Mengen auch von anderen Geweben. Im Gelbkörper findet die Synthese vor allem in den Granulosaluteinzellen statt.

Die Ausschüttung des Hormons wird durch LH stimuliert. Die Freisetzung bewirkt eine für die Nidation benötigte Modifikation des proliferierten Endometriums, besonders der Lamina functionalis in die drüsenreiche und stark durchblutete Decidua sowie eine Anpassung der Uterusmuskulatur an den wachsenden Embryo. Dieser Vorgang wird auch als Dezidualisierung bezeichnet.

Progesteron hat einen sogenannten thermogenetischen Effekt. Erhöhte Konzentrationen des Hormons führen zur einer Erhöhung der Basaltemperatur um 0,2 bis 0,5°C. Obwohl dieser Effekt schon lange bekannt ist, ist sein genauer physiologischer Mechanismus weitgehend unerforscht, wird aber zur natürlichen Empfängnisverhütung eingesetzt.

In manchen steroidproduzierenden Zellen der Gonaden fungiert das Progesteron als Ausgangsstoff für die Synthese von Androgenen (männliche Geschlechtshormone) und Östrogenen (weibliche Geschlechtshormone).

Progesteron wird zu Pregnandiol metabolisiert und nach Glucuronidierung über den Urin eliminiert.

5 Pathophysiologie

Erhöhte Progesteronwerte ergeben sich neben der Schwangerschaft vor allem bei Eierstocktumoren und beim adrenogenitalen Syndrom (AGS). Bei Zyklusstörungen und beim sog. Hypogonadismus, einer Unterentwicklung der Eierstöcke, ist die Progesteronkonzentration erniedrigt.

6 Labordiagnostik

Der Progesteronspiegel im Serum wird häufig im Rahmen der Fertilitätsdiagnostik gemessen. Darüber hinaus ist die Bestimmung u.a. bei Zyklusstörungen, Beurteilung der Gelbkörperfunktion, Hypogonadismus, adrenogenitalem Syndrom und der Diagnostik von Ovarialkarzinomen indiziert. In der Frühschwangerschaft wird die Bestimmung wegen der erheblichen Schwankungsbreiten und der fehlenden Validierung zurzeit (2021) nicht empfohlen.

6.1 Material

Für die Untersuchung wird 1 ml Blutserum oder Blutplasma benötigt.

6.2 Referenzbereich

Klientel Phase Norm
Frauen Follikelphase < 0,1 ng/ml
Ovulation 1 bis 2 ng/ml
Frühe Lutealphase > 5 ng/ml
Mittlere Lutealphase > 12 ng/ml
Postmenopausal < 1 ng/ml
Präpubertär 0 bis 2 ng/ml
Frauen in der Schwangerschaft 1. Trimester 10 bis 50 ng/ml
2. Trimester 20 bis 130 ng/ml
3. Trimester 130 bis 423 ng/ml
Männer 0,3 bis 1,2 ng/ml

Die Referenzbereiche variieren labor- und methodenspezifisch und sollten dem jeweiligen Befundausdruck entnommen werden.

6.3 Interpretation

6.3.1 Erhöhtes Progesteron

Eine Erhöhung der Progesteronkonzentration kann durch folgende Ursachen ausgelöst sein:

Normalhohe Progesteronkonzentrationen in der zweiten Zyklushälfte weisen auf eine stattgefundene Ovulation hin

6.3.2 Erniedrigtes Progesteron

Eine Erniedrigung der Progesteronkonzentration kann durch folgende Ursachen ausgelöst sein:

6.3.3 Hinweise

Eine umfassende Beurteilung des Progesteronspiegels ist nur im Kontext mit dem übrigen Hormonstatus möglich.

Zur Abklärung der Gelbkörperfunktion ist die wiederholte Bestimmung des Progesterons in der zweiten Zyklusphase sinnvoll. Progesteron wird in Abhängigkeit von der episodischen LH-Sekretion intermittierend aus dem Corpus luteum freigesetzt. Dadurch ergeben sich beträchtliche Serumschwankungen für Progesteron besonders in der mittleren Lutealphase.

7 Quellen

  • Laborlexikon.de, abgerufen am 27.04.2021

Diese Seite wurde zuletzt am 27. April 2021 um 18:33 Uhr bearbeitet.

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