Opioidanalgetikum
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenSynonyme: Opioid, Opioid-Analgetikum
Englisch: opioid analgesic
Definition
Opioidanalgetika sind stark wirksame Analgetika aus der Gruppe der Opioide. Sie entfalten ihre Wirkung an Opioidrezeptoren des ZNS und hemmen dort die Entstehung und Weiterleitung von Schmerzen.
Wirkungen
Opioidanalgetika wirken direkt am zentralen Nervensystem, blockieren gezielt die Schaltstellen der Nervenzellen und verhindern dadurch die Weiterleitung der Schmerzbotschaft. Die charakteristisch starke schmerzstillende Wirkung der Opioidanalgetika wird über μ-Rezeptoren (einen Subtyp der Opioidrezeptoren) vermittelt. Über den gleichen Rezeptor und weitere Subtypen der Opioidrezeptoren werden jedoch auch andere potenziell lebensgefährliche Nebenwirkungen vermittelt.
Die Nebenwirkungen der Opioidanalgetika sind im Allgemeinen gruppenspezifisch und werden stets in Relation zum klassischen Opioidanalgetikum Morphin gesetzt. Zu den Nebenwirkungen zählen:
- zentral
- Atemdepression
- Miosis
- Euphorie
- Hustenstillung (antitussiv)
- Erbrechen
- Verminderung der Diurese
- opioidinduzierter Hypogonadismus (OIH)
- peripher
- Erhöhung des Muskeltonus in der glatten Muskulatur des Gastrointestinaltraktes und der Harnwege – opioidinduzierte Obstipation (OIC) und Harnverhalt als Folge
- Histaminfreisetzung aus Mastzellen
Gewöhnung
Bei wiederholter Gabe tritt eine Gewöhnung an Opioidanalgetika ein, die einzelne Wirkungen in unterschiedlicher Stärke betrifft. Beispielsweise wird die Atemdepression bei wiederholter Gabe stark abgeschwächt, während die Miosis kaum von der Toleranzentwicklung betroffen ist.
Opioid-Abhängigkeit
Opioidanalgetika erzeugen physische und psychische Abhängigkeit. Beim Entzug von Opioiden treten charakteristische körperliche Entzugserscheinungen auf:
Subjektive Symptome
- Frieren
- kalter Schweiß
- motorische Unruhe
- Schmerzen
- Muskelschmerzen
- Opiatverlangen
- Schlafstörungen
- Übelkeit
Objektivierbare Symptome
- Mydriasis
- Hypertonie
- Tachykardie
- vermehrter Tränenfluss
- Niesen
- Erbrechen
- Diarrhoe
- Tachypnoe
- Gänsehaut
- häufiges Gähnen
Die körperlichen Entzugserscheinungen verschwinden in der Regel binnen einiger Wochen. Über längere Zeit besteht eine psychische Komponente der Abhängigkeit, die offenbar eng mit der euphorisierenden und dopaminerg aktivierenden Wirkung der Opioide zusammenhängt. So verspüren Abhängige auch nach Jahren der Abstinenz bei sich bietender Gelegenheit ein scheinbar unstillbares Verlangen nach dem Konsum (Craving).
Das Abhängigkeitspotenzial ist bei Substanzen, die schnell im Gehirn anfluten, am höchsten. Die bekannteste Form der Opioid-Abhängigkeit ist die Heroinsucht.
Anwendungsgebiete
Opioidanalgetika sind bei schweren Schmerzzuständen indiziert und ein fester Bestandteil der Schmerztherapie. Bei sachgemäßer Anwendung ist bei behandelten Patienten die Entwicklung einer Abhängigkeit kaum zu befürchten. Eine Abhängigkeit wird begünstigt, wenn Opioide in ihrer Anwendung als Erlösung erscheinen. Daher sollte in der Schmerztherapie versucht werden, möglichst vor Schmerzbeginn mit den Opioiden einzusetzen und das Auftreten neuer Schmerzen durch ein passendes Dosierungsschema zu verhindern.
Einen besonderen Stellenwert haben Opioidanalgetika bei der schmerzstillenden Behandlung von Krebspatienten mit finaler Prognose.
Kontraindikationen
Opioidanalgetika sind kontraindiziert bzw. mit besonderer Vorsicht anzuwenden bei:
- Schwangerschaft (Risiko eines neonatalen Entzugssyndroms und neonataler Atemdepression)
- Lungenerkrankungen mit eingeschränkter Lungenfunktion (z.B. Asthma bronchiale, Emphysem)
- akuter Pankreatitis
- Porphyrie
- Hirndruck
Einzelsubstanzen
Grundsubstanz für die Herstellung der Opioidanalgetika ist das Opium, der Milchsaft der Pflanzenart Papaver somniferum (Schlafmohn). Er enthält 2 Arten von Alkaloiden:
- Phenanthrene
- Morphin (Anwendung als Analgetikum)
- Codein (Anwendung als Analgetikum und Antitussivum)
- Thebain
- Benzylisochinoline
Opium wurde früher therapeutisch als Tinctura opii zur Behandlung von Diarrhöen verwendet.
Die therapeutisch verwendeten Opioidanalgetika umfassen natürliche Opioide, halbsynthetische Derivate natürlicher Opiumalkaloide sowie vollständig synthetische Wirkstoffe. Ihre analgetische Wirkung beruht überwiegend auf agonistischen oder partiell agonistischen Effekten an Opioidrezeptoren (insbesondere μ-, κ- und δ-Rezeptoren).
Zu den gebräuchlichen Opioidanalgetika zählen:
- Alfentanil
- Buprenorphin
- Diamorphin (Heroin)
- Fentanyl
- Hydromorphon
- Levomethadon
- Meptazinol
- Nalbuphin
- Oxycodon
- Pentazocin
- Pethidin
- Piritramid
- Remifentanil
- Sufentanil
- Tilidin
- Tramadol
Die meisten Opioidanalgetika unterliegen in Deutschland den Vorschriften des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG). Ausnahmen sind unter anderem Tramadol und Nalbuphin. Bestimmte Tilidin/Naloxon-Kombinationspräparate (insbesondere orale Retardformulierungen) sind ebenfalls von den BtMG-Vorschriften ausgenommen und können auf einem regulären Rezept verordnet werden.
Antagonisten
Zur Behandlung von Opiatintoxikationen und zur Erzeugung von Entzugszuständen stehen Antagonisten an Opioidrezeptoren zur Verfügung, die mit hoher Affinität an den Rezeptoren binden und die Wirkung der agonistischen Opioide aufheben.
Die beiden verfügbaren Antagonisten sind:
Darreichungsformen
Opioidanalgetika sind in vielen Darreichungsformen verfügbar: zur Injektion i.v. und subkutan, zur oralen Einnahme in Form von Tropfen, Retardkapseln und Sublingualtabletten, als rektal zu verabreichende Zäpfchen sowie in Form von transdermal wirksamen Pflastern.