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Naltrexon

Handelsnamen: u.a. Adepend®, Mysimba®, Nalorex Emra®, Naltrexon-HCl neuraxpharm®, Nemexin®
Synonyme: Naltrexonum
Englisch: naltrexone

1 Definition

Naltrexon ist ein hochwirksamer Opioidantagonist, der u.a. bei Alkohol- und Opioidmissbrauch eingesetzt wird.

2 Chemie

Nach der IUPAC-Nomenklatur wird Naltrexon als (5R,9R,13S,14S)-17- Cyclopropylmethyl- 3,14-dihydroxy-4,5- epoxymorphinan-6-on bezeichnet. Seine Summenformel lautet C20H23NO4. Der Schmelzpunkt liegt bei ungefähr 169 - 171 °C, die molare Masse beträgt 341,40 g/mol. In Wasser besteht eine relativ gute Löslichkeit.

Naltrexon kann auch als Salz (Naltrexonhydrochlorid) vorliegen.

3 Wirkmechanismus

Naltrexon besitzt eine hohe Bindungsaffinität zu allen Opioidrezeptoren und hemmt diese kompetitiv.

4 Pharmakokinetik

Im Gegensatz zu Naloxon besitzt Naltrexon eine höhere Bioverfügbarkeit und kann daher oral verabreicht werden. Anschließend wird es in der Leber zum aktiven Metaboliten 6-β-Naltrexol und z.T. zu 2-Hydroxy-3-methoxy-6-β-Naltrexol metabolisiert.

Die Plasmahalbwertszeit von Naltrexon beträgt ca. 4 Stunden bei einer Plasmaproteinbindung von ungefähr 21 %. Die Plasmahalbwertszeit von 6-β-Naltrexol beträgt 13 Stunden, die Wirkdauer bis zu 24 Stunden.

Naltrexon wird primär renal innerhalb von 48 Stunden als 6-β-Naltrexol- und Naltrexonglucuronid ausgeschieden.

5 Indikationen

5.1 Opioidabhängigkeit

Naltrexon wird zur Unterstützung einer psychotherapeutisch bzw. psychologisch geführten Entwöhnungsbehandlung Opioidabhängiger nach erfolgter Opioidentgiftung (z.B. von Heroin) eingesetzt. Es stillt nicht das Verlangen nach Opioiden und mildert nicht die Entzugssymptomatik. Wenn der Patient nicht opioidfrei ist, löst es sogar eine Entzugssymptomatik aus. Eine vergleichbare Studienlage zur Therapie Heroinsüchtiger mit Naloxon liegt allerdings für Naltrexon noch nicht vor.

Ferner kann Naltrexon grundsätzlich zum kontrollierten Opioidentzug in Narkose ("Turbo-Entzug") eingesetzt werden, dieses Verfahren wird jedoch bei hohem Aufwand und Kosten nur selten empfohlen.

5.2 Alkoholabhängigkeit

Naltrexon wird in weiten Teilen der Welt – insbesondere im europäischen Raum und den USA – zur unterstützenden Behandlung von alkoholabhängigen Personen eingesetzt. Hierbei soll der Opioidantagonist insbesondere prophylaktisch bezüglich einer eventuellen Rückfallreaktion wirken. Insgesamt schreibt man dem Naltrexon eine Wirkung zu, in dessen Rahmen es zu einem langsamen Nachlassen des Verlangens nach Alkohol (Craving) kommen soll.

In Deutschland erfolgte die Zulassung für diese Indikation im Mai 2010. Im Rahmen eines umfassenden Therapieprogramms zur Entwöhnung von Alkoholabhängigkeit findet Naltrexon nach erfolgtem Entzug Anwendung. Dabei dient es als medikamentöse Unterstützung bei der Umsetzung der Abstinenz oder bei der Trinkmengenreduktion von Alkohol. Bei alkoholkranken Menschen unter 20 Jahren liegen bisher wenige Daten vor, weswegen hier auf eine Therapie mit Naltrexon verzichtet werden sollte.

5.3 Adipositas

In Kombination mit Bupropion (Mysimba®) soll Naltrexon appetitreduzierend wirken. Entsprechend ist die Kombination bei Adipositas ergänzend zur Diät und Bewegungstherapie zugelassen.[1]

5.4 Weitere Krankheitsbilder

Neben ihrer suchtbekämpfenden Wirkung werden Naltrexon-haltige Präparate z.T. in Off-Label-Use auch bei einer Reihe von anderen Erkrankungen angewendet. So soll der Opioidrezeptor-Antagonist in niedrigen Dosierungen eine positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose haben. Offensichtlich wirkt er hier hemmend auf die Entzündungsschübe.

Weiterhin erfolgt eine Anwendung bei:

6 Dosierung

Zur Entwöhnungstherapie bei Opiatabhängigkeit wird Naltrexon initial in einer Dosis von 25 mg p.o. eingesetzt. Sofern nach einer Stunde keine Entzugssymptome auftreten, werden weitere 25 mg appliziert und die Therapie mit 50 mg/d fortgesetzt.

Bei Alkoholabhängigkeit bzw. zur Reduktion des Rückfallrisikos wird Naltrexon in einer Dosis von 50 mg/d verabreicht.

Bei Adipositas wird initial eine Tablette Naltrexon/Bupropion à 8 mg/90 mg pro Tag verabreicht. Die Dosis wird wöchentlich gesteigert, bis ab der 4. Woche zweimal 2 Tabletten eingenommen werden. Die Therapie sollte nur fortgesetzt werden, wenn es innerhalb von 4 Monaten nach Behandlungsbeginn zu einer Gewichtsreduktion von mindestens 5 % gekommen ist.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

7 Nebenwirkungen

Da Naltrexon bei Opiatmissbrauch zu akuten Entzugssymptomen bis hin zur Atemdepression führen kann, muss vorher ein Urintest oder ein Provokationstest durchgeführt werden.

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind z.B.:

8 Kontraindikationen

In Kombination mit Bupropion gelten weitere Kontraindikationen, u.a.:[2]

9 Quellen

  1. EMA Zusammenfassung EPAR für Mysimba, abgerufen am 06.04.2020
  2. Fachinformation Mysimba, abgerufen am 06.04.2020

Diese Seite wurde zuletzt am 2. Mai 2020 um 13:23 Uhr bearbeitet.

Cave bei Patienten mit (fortgeschrittenen) Lebererkrankungen, kann (in höheren Dosen) Hepatotoxisch wirken!
#1 am 24.06.2015 von Philipp Heider (Student/in der Humanmedizin)

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