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Vitamin-B12-Mangel

Inhaltsverzeichnis

1 Definition [bearbeiten]

Ein Vitamin-B12-Mangel ist ein Zustand, in welchem der Körper weder genügend biologisch aktives Vitamin B12 (Cobalamin) gespeichert hat, noch zugeführt bekommt.

1.1 Bedarf [bearbeiten]

Der durchschnittliche tägliche Bedarf an Vitamin B12 beträgt etwa 2 Mikrogramm.

Das Vitamin wird bei mehr als 100 Vorgängen im Körper gebraucht. Eine wichtige Rolle spielt es u.A. bei der Blutbildung (Erythropoese), Wachstum, der Zellteilung und Zellreifung, Methionin-/Homocysteinstoffwechsel (als Cofaktor), der Nukleinsäuresynthese, und Aminosäure-. Kohlenhydrat- und Fettsäurestoffwechsel.

Bei Gesunden ist in den Körpergeweben (vor allem in der Leber) eine Menge an Vitamin B12 gespeichert, die den Bedarf für durchschnittlich 2 bis 3 Jahre deckt. Dadurch kann der direkte Zusammenhang zwischen Ursache und Symptomen eines Vitamin-B12-Mangels manchmal schwer erkennbar sein. Der Mangel tritt verzögert und schleichend auf.

2 Epidemiologie [bearbeiten]

Gesamtbevölkerung: 5 - 10 %

Ein Vitamin B12 Mangel ist weniger selten als allgemein angenommen, und beschränkt sich nicht nur hauptsächlich auf Personen im hohen Alter.

Riskiogruppen (sehe dazu auch Ätiologie):

Bei Personen im hohen Alter tritt der Mangel oft auf auf Grund einer verminderte Resorption. Ein Vitamin B12 Mangel äussert sich in etwa zwei Drittel der Fälle zunächst oder hauptsächlich mit neurologischen und/oder neuropsychiatrischen Symptome (vs. Anämie). In dieser Patientengruppe wäre es also ratsam bei Anzeichen von Altersdemenz und/oder Depression an Vitamin B12 Mangel als Ursache zu denken.

Gleiches trifft allgemein zu bei Patienten mit neurologischen Symptomen unklarer Ätiologie. Oft beeinträchtigen die neurogische Symptome des Mangels den Patienten subjektiv schon stark, bevor diese mit objektiven Messmethoden festgestellt werden können.

Da ein Mangel nicht selten auch psychische Symptome oder ausgeprägtere psychiatrische Symptome (u.A. Depression) und eine vielzahl an diffuse Beschwerden auslöst, droht Betroffene oft eine falsche Diagnose.

3 Ätiologie [bearbeiten]

Es gibt mehrere Ursachen eines Vitamin B12 Mangels: Die bisher bekannteste Ursache des Mangels ist die Bildung von Autoantikörpern gegen Parietalzellen oder den Intrinsic factor, der zur Aufnahme des Vitamins im Darm benötigt wird. Ebenso kann eine chronische Gastritis Ursache des Mangels sein.

Ein anderer Grund kann eine Magenresektion sein, wodurch kein Intrinsic factor mehr gebildet wird und das Vitamin nicht mehr aufgenommen werden kann. Neben Magenveränderungen ist auch an den eigentlichen Resorptionsort, das terminale Ileum zu denken, das durch Morbus Crohn oder natürlich durch Resektion ausfallen kann.

Auch unterschiedliche Medikamente können auf Dauer einen Vitamin- B12-Mangel verursachen. Einige davon sind: Protonenpumpenhemmer, H2-Antihistaminikum, Metformin.

Weitere Ursachen des Mangels können u.A. sein:

Während oder nach einer Schwangerschaft kann ein latenter Vitamin-B12-Mangel plötzlich symptomatisch werden, gleiches kann auch durch Lachgas (N2O) bei einer Vollnarkose passieren (Inaktivierung des Vitamins durch N20).

4 Symptome und Folgen [bearbeiten]

Bei einem Vitamin-B12-Mangel kommt es in einem späteren Stadium zu einer perniziösen Anämie, einer Form der megaloblastären Anämie. Sie entsteht durch eine mangelnde DNA-Synthese, für die Vitamin B12 essentiell ist.

Ebenso wichtig ist das Vitamin B12 für die Nerven, das es essentiell für die Myelinhüllen ist. Oft tritt eine periphere Neuropathie auch vor einer Anämie auf. Sie kann sich als Störung der Tiefensensibilität und des Vibrationsempfindens, als unangenehme schmerzhafte Parästhesie oder als motorischer Ausfall bis hin zur Lähmung manifestieren (Funikuläre Myelose). Wegen der allgemeinen Bedeutung für die Zellneubildung sind prinzipiell alle stark proliferierenden Gewebe von dem Mangel beeinträchtigt. So kommt es auch in Haut und Schleimhäuten zu schweren Zellteilungsstörungen. Dies hat meistens gastrointestinale (durch Schleimhautveränderungen) sowie neurologische Symptome (Verlust der oder des Vibrationsempfindens) zur Folge.

Neurologische Symptome, können, durchaus und öfter als allgemein angenommen, auftreten ohne dass eine Anämie vorliegt!


Der perniziösen Anämie oder den ausgeprägten neurologischen Störungen geht oft eine längere Periode mit diffusen Symptomen voraus. Als frühe Symptome können unter anderem Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisschwäche, Depression, Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Migräne (ohne Aura), Nahrungsmittelunvertäglichkeiten, Allergien, Parästhesien, Rückenschmerzen, Muskelschwäche, Inappetenz, Burning-Mouth-Syndrom, Aphthen oder Glossitis auftreten. Der Verlauf ist oft langsam progressiv und Symptome vielfältig und können von Person zu Person sehr unterschiedlich sein.

Oft haben Patienten mit Vitamin-B12-Mangel eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit.

Bei Säuglingen äußert sich der Mangel durch häufiges Schreien (sog. "Schrei-Baby") und es können (z.T. schwere und irreversibele) Entwicklungsstörungen auftreten. Obwohl die Ursache hier fast immer ein maternaler Mangel ist, kann die Mutter frei von klinischen Symptomen sein.

Ein unbehandelter Vitamin B12 Mangel geht oft auch einher mit ein erhöhtes Risiko auf Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs.

5 Diagnose [bearbeiten]

Die alleinige Messung und Betrachtung des Gesamt-Vitamin B12 gibt keine zuverlässige Auskunft darüber, ob ein Mangel an Vitamin B12 vorliegt.

6 Therapie [bearbeiten]

Nach sichergestellter Diagnose wird Vitamin B12 entweder oral als Nahrungsergänzung genommen (nur bei Mangel durch Fehlernährung) oder mehrmals pro Jahr intramuskulär gegeben. Resorptionsstörungen (Magen, terminales Ileum) kann man auch durch orale Dosiserhöhung auf das 1000-fache überwinden, also Milligram statt Mikrogramm, um die dauerhaften Injektionen zu vermeiden. Es sollte immer zusammen mit Folsäure verabreicht werden.

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Sebastian Merz

Student der Humanmedizin

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Prof. Dr. O. Michel schreibt seit dem 12.02.2004 im Flexikon, hat bereits 144 neue Artikel publiziert und 218 Artikeldetails verbessert.

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