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Pituitary pars intermedia dysfunction (Pferd)

Synonyme: PPID, Equines Cushing-Syndrom
Englisch: equine Cushing's disease

1 Definition

Die Pituitary pars intermedia dysfunction, kurz PPID, ist die häufigste Endokrinopathie beim Pferd.

2 Ätiologie

PPID entwickelt sich aufgrund eines Adenoms der Adenohypophyse. Die Adenohypophyse ist maßgeblich an der Regulation von Kortisol und anderen Hormonen beteiligt, wodurch es zu einem Anstieg dieser Botenstoffe kommt.

3 Vorkommen

Die Endokrinopathie ist eine typische Erkrankung alter Pferde. Das mittlere Alter liegt zwischen 18 und 20 Jahren.[1]

4 Pathomechanismus

Der genaue Pathomechanismus ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass einerseits durch genetische Prädisposition, andererseits auch durch chronischen oxidativen Stress Schäden an den dopaminergen Neuronen des Hypothalamus entstehen. Infolge der Neurodegeneration kommt es zu einer herabgesetzten Dopaminausschüttung mit daraus resultierender Aufhebung der inhibitorischen Dopamineffekte. In weiterer Folge wird eine ungehemmte Proliferation der Zellen in der Pars intermedia der Hypophyse ermöglicht, was zur Bildung eines Hypophysenadenoms führt.

Durch die exzessive ACTH-Produktion des Tumors resultiert eine Nebennierenrinden-Hypertrophie und eine gestörte Kortisol-Sekretion. Da die entarteten melanotropen Zellen der Pars intermedia keine Kortisolrezeptoren besitzen, kommt es auch nicht zu einem Feedback-Mechanismus der Glukokortikoide auf den Plasma-ACTH-Spiegel.

Die Adenohyphophyse produziert noch eine Reihe weiterer Hormone, weshalb die Folgen eines Adenoms in diesem Bereich weitaus weitreichender sind. Neben ACTH werden auch noch andere, von Proopiomelanocortin (POMC) abgeleitete Peptide ausgeschüttet, z.B. α-MSH und β-Endorphin.[2][1]

5 Klinik

Leitsymptom der Endokrinopathie ist Hypertrichose. Betroffene Pferde durchlaufen keinen vollständigen Fellwechsel. Pathohistologische Untersuchungen zeigen, dass bei PPID ein Großteil der Haare in der Anagenphase verbleiben, weshalb das typische lange, gelockte Haar auch im Sommer bestehen bleibt.[3]

Viele der erkrankten Tiere entwickeln eine Laminitis (Hufrehe). Die Entzündung der Huflederhaut soll in Verbindung mit einer Insulindysregulation bzw. Insulinresistenz (equines metabolisches Syndrom) sowie chronischer Hyperinsulinämie stehen. Weitere typische Symptome einer PPID sind Polyurie und Polydipsie - vermutlich aufgrund einer verminderten ADH-Sekretion bei gleichzeitiger Hyperglykämie. Dazu kommen Gewichtsverlust und unphysiologische Körperfett-Umverteilung (Stammfettsucht, supraorbitale Fettpolster), Muskelschwund, Lethargie, Hyperhidrose, reduzierte Fruchtbarkeit und Indolenz. Durch die massive Größenzunahme der Adenome können auch umliegende Hirnstrukturen in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Kompression des Chiasma opticum führt zur Erblindung, die Verdrängung anderer Hirnteile zu epileptischen Anfällen und Narkolepsie.

Machmal kommt es aufgrund der Immunsuppression auch zu Hautinfektionen (Dermatophilose, Pyodermie), Sinusitiden, Pneumonien sowie multiplen Abszessen.[4]

6 Diagnose

Die Diagnose wird mithilfe der Anamnese, der klinischen Untersuchung sowie verschiedener Testverfahren gestellt.

Im Blutbild fallen v.a. eine Anämie, Neutrophilie, Lymphopenie, Eosinopenie, Hyperglykämie, Hyperlipidämie und erhöhte Leberenzyme auf. Bei der Urinanalyse lässt sich eine Glukosurie nachweisen.

Derzeit existiert noch kein Goldstandard zur Diagnosesicherung einer PPID. Aufgrund der saisonal abhängigen ACTH-Sekretion gestaltet sich die Diagnostik schwierig. In der Literatur sind verschiedene Messverfahren und Funktionststests beschrieben, u.a.:[4]

7 Therapie

Die Therapie setzt sich aus symptomatischen Maßnahmen und medikamentöser Behandlung zusammen.

Durch regelmäßiges Scheren kann ein übermäßiges Schwitzen verhindert werden. Zusätzlich sollten die Zähne ein- bis zweimal jährlich einer Korrektur unterzogen werden. Durch vierteljährliche Kotuntersuchungen (Parasitenprophylaxe), Gewichtsreduktion, gezielten Muskelaufbau, Reheprophylaxe und die frühzeitige adäquate Behandlung von Infektionskrankheiten werden Komplikationen weitgehend verhindert.

Die medikamentöse Therapie besteht aus der peroralen Gabe von Pergolid (z.B. 0,5 mg/Pferd/Tag, nach 4 Wochen ACTH- und Insulin bestimmen und Dosis anpassen[5]). Pergolid ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Dopaminantagonisten, der v.a. an D2-Rezeptoren bindet und so das Defizit an Dopamin ausgleicht. Es kommt zum Abfall der funktionellen Aktivität der hyperplastischen Pars intermedia der Hypophyse, sodass es bei rund 85 % der behandelten Pferde zu einer deutlichen Verbesserung der klinischen Symptome kommt.[5]

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8 Quellen

  1. 1,0 1,1 Laboklin News. Endokrinopathien beim Pferd Laboklin GmbH & Co. KG. (abgerufen am 08.02.2020)
  2. Heinrichs M et al. Immunocytochemical demonstration of proopiomelanocortin-derived peptides in pituitary adenomas of the pars intermedia in horses. Vet Pathol. 1990 Nov;27(6):419-25. (abgerufen am 08.02.2020)
  3. Innerå M et al. Comparison of hair follicle histology between horses with pituitary pars intermedia dysfunction and excessive hair growth and normal aged horses. Vet Dermatol. 2013 Feb;24(1):212-7.e46-7. (abgerufen am 08.02.2020)
  4. 4,0 4,1 Reed SM, Bayly WM, Sellon DC. Equine internal medicine. 4th edition. Elsevier, 2018
  5. 5,0 5,1 CliniPharm CliniTox. Pergolid CliniPharm Wirkstoffdaten (abgerufen am 08.02.2020)

Diese Seite wurde zuletzt am 10. Februar 2020 um 19:38 Uhr bearbeitet.

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