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Prostatitis (Hund)

Synonym: Prostataentzündung
Englisch: prostatitis

1 Definition

Als Prostatitis bezeichnet man eine Entzündung der Prostata beim Hund.

2 Ätiologie

Sowohl die Prostata als auch die proximale Urethra sind normalerweise steril. Im Gegensatz dazu finden sich in der distalen Harnröhre zahlreiche Bakterien, die unter physiologischen Bedingungen nicht pathogen sind.

Die häufigsten Erreger, die bei einer Prostatitis nachgewiesen werden können, sind:

3 Pathogenese

Die krankheitsverursachenden Bakterien gelangen meist mit infiziertem Harn oder über Sperma in die Prostata. Durch begünstigende Faktoren kommt es in den meisten Fällen zu einem retrograden Aufstieg der Bakterien in die Prostata, sodass es zur Ausbildung einer klinisch manifesten Prostatitis kommt.

Zu den prädisponierenden Faktoren zählen:

In seltenen Fällen entwickelt sich eine Prostatitis infolge einer hämatogenen Streuung von Bakterien aus einem anderen Entzündungsort im Organismus.

4 Klinik

Anhand des Krankheitsverlaufes unterscheidet man zwischen einer akuten und einer chronischen Prostatitis.

4.1 Akute Prostatitis

Eine akute Prostatitis präsentiert sich als systemische Erkrankung infolge einer fokalen oder generalisierten Peritonitis. Die Leitsymptome sind:

Weiterhin kann die akute Prostatitis eventuell mit Erbrechen und Ikterus sowie mit Erhöhung der alkalischen Phosphatase (AP) einhergehen. Des Weiteren zeigen betroffene Hunde Symptome wie Hämaturie, Dysurie, Obstipation und Tenesmus. Außerdem kann ein steifes Gangbild auffallen. Am Penis ist oftmals ein konstanter oder intermittierender, blutig bis mukopurulenter Ausfluss sichtbar.

Bei Palpation des kaudalen Abdomens lassen sich hochgradige druckdolente Schmerzen feststellen. Bei der rektalen Palpation ist die Prostata normal oder vergrößert und oftmals schmerzhaft. Im Blutbild zeigt sich eine Neutrophilie mit Linksverschiebung. Bei der Ultraschalluntersuchung sind fokale hyperechogene Zonen im Bereich der Prostata darstellbar und im Röntgenbild erscheint der Prostataschatten infolge lokaler Peritonitis unscharf abgrenzbar und vergrößert.

4.2 Chronische Prostatitis

Die chronische Prostatitis kann entweder asymptomatisch verlaufen oder mit Hämaturie und Dysurie infolge einer Zystitis in Erscheinung treten. Die Erkrankung geht meist mit intermittierendem Ausfluss aus der Harnröhre und Infertilität einher. Aufgrund der chronischen Entzündungsprozesse ist die Prostata meist stark fibrotisch verändert und deutlich verkleinert. Bei der rektalen Palpation ist die Drüse nicht druckdolent und in Abhängigkeit vom Grad der benignen Hyperplasie oder Fibrose variabel in der Größe.

Zusätzlich kann eine Bakteriurie und eine Pyurie nachgewiesen werden. Im Prostatasekret dominieren Bakterien, Makrophagen und neutrophile Granulozyten. Im Gegensatz dazu zeigt das Blutbild keine Abweichungen von der Norm.

5 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch müssen folgende krankhaften Veränderungen der Prostata berücksichtigt werden:

6 Diagnose

Die Diagnose wird anhand der klinischen, labordiagnostischen, radiologischen und sonographischen Befunde gestellt. Durch eine bakteriologische Untersuchung des Urins und Prostatasekrets kann Aufschluss über die beteiligten Erreger gewonnen werden.

7 Therapie

7.1 Akute Prostatitis

Die akute Prostatitis wird initial mit einer intravenösen Antibiotikatherapie behandelt. Bis zum Vorliegen der Ergebnisse des Antibiogramms sollte ein Breitspektrumantibiotikum verwendet werden. Da jedoch im Fall einer akuten Prostatitis die Blut-Drüsen-Schranke aufgehoben ist, stehen verschiedene Präparate zur Verfügung, z.B. Enrofloxacin (10 mg/kgKG), Trimethoprim-Sulfonamid (Dosis abhängig von der Wirkstoffkombination) oder Chloramphenicol (30-50 mg/kgKG 3x täglich).

Sobald sich der Zustand des Patienten gebessert hat, kann entsprechend dem Antibiogramm auf ein oral zu verabreichendes Medikament gewechselt werden. Empfohlen werden hier Chloramphenicol (30-50 mg/kgKG TID), Enrofloxacin (10 mg/kgKG SID), Norfloxacin (20 mg/kgKG BID) oder Erythromycin (10-20 mg/kgKG TID).

Die antibiotische Behandlung sollte insgesamt für 4 Wochen fortgesetzt werden, da die akute Prostatitis zu Rezidiven neigt. Aufgrund dessen ist eine Woche nach Behandlungsende eine Nachkontrolle durchzuführen.

7.2 Chronische Prostatitis

Die Therapie einer chronischen Prostatitis gestaltet sich meist schwierig, da die Blut-Drüsen-Schranke intakt ist und die Wirkstoffe schlecht in das Entzündungsgebiet diffundieren können. Unter Berücksichtigung pharmakokinetischer Eigenschaften werden in der Literatur folgende Empfehlungen abgegeben:

  • Sind grampositive Erreger vorhanden, sollte (nach Abgleich mit dem Antibiogramm) Erythromycin (10-20 mg/kgKG p.o. TID) oder Chloramphenicol (30-50 mg/kgKG p.o. TID) verabreicht werden.
  • Sind gramnegative Erreger dominierend, sollte Chloramphenicol (o.g. Dosierung und Verabreichung) oder Enrofloxacin (10 mg/kgKG p.o. SID) angewendet werden.

Die antibiotische Behandlung sollte für mindestens 6 Wochen fortgeführt werden. Anschließend sind die Patienten regelmäßig im Halbjahresrythmus zu untersuchen, damit eventuelle Rezidive frühzeitig erfasst und adäquat behandelt werden können. Gleichzeitig ist eine Kastration indiziert, da so die Rezidivneigung vermindert werden kann.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8 Literatur

  • Hans G. Niemand (Begründer), Peter F. Suter, Barbara Kohn, Günter Schwarz (Herausgeber). Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Enke-Verlag, 2012.

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