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Männliche Kastration bei Hund und Katze

von lateinisch: castrare - entmannen

1 Definition

Die Kastration ist die operative Entfernung der Gonaden, die auch als Gonadektomie bezeichnet wird. Es gibt verschiedene Formen der Kastration, dieser Artikel beschäftigt sich mit der männlichen Gonadektomie bei Hund oder Katze.

2 Vorteile und Nachteile

  • Vorteile: Minderung des Aggressions- und Territorialverhaltens, Ausschalten des Geschlechtstriebes, dauerhafte Unfruchtbarkeit, Erkrankungsgefahr von Prostata erniedrigt, längere Lebenserwartung
  • Nachteile: nicht reversibel, gewisses Narkoserisiko, Gefahr von Schwellungen, postoperativen Komplikationen, Harninkontinenz, Haarkleidsveränderung, ständige Unfruchtbarkeit

3 Formen der Kastration

4 Techniken der Orchiektomie

  • Bedeckte Kastration: Processus vaginalis und damit die Bauchhöhle werden nicht eröffnet.
  • Unbedeckte Kastration: Processus vaginalis, genauer die Fascia spermatica interna und die Lamina parietalis der Tunica vaginalis und damit auch die Bauchhöhle werden eröffnet.

5 Tierärztliche Besonderheit

Rüde: Enger Leistenring

6 Allgemeiner Untersuchungsgang

Körpertemperatur, Allg. bef., Atmung (ruhig oder flach etc.), Schleimhäute (ggf. kapilläre Füllungszeit), Maulhöhle, Ohren, Nase, Augen inkl. SH, Lymphknoten (Lnn. mandibulares, axillares, poplitei, inguinales superficiales), Auskult. Herz und Lunge, Durchtasten Bauch

7 Operationsdurchführung

  1. Vorbereitungen: mind. 12 h Nahrungkarenz!!
  2. Analgetikum präoperativ / Allgemeinanästhesie
  3. Injektions- bzw. Inhalationsnarkose
  4. Narkose ist atemdepressiv: Beatmungsmethode
  5. Intubation
  6. Bei Krank-OP evtl. Venenkatheter und Infusion legen.
  7. Augentropfen zum Feuchthalten der Augen (Tränenflüssigkeitsersatz)
  8. Rasur/Schurr: großzügig im peritonealen Bereich, Rasur verursacht ungünstige kleine Hautverletzungen
  9. Lagerung: Hinterextremitäten nach oben, bei Linea alba Zugang auf dem Rücken legen, wenn möglich schräg, Kopf nach unten, Darmkonvolut, Milz und Netz rutscht nach vorn, Arbeitsfeld frei
  10. Desinfektion mit Jodpräparaten (z.B. Braunol 2000)

7.1 Präskrotale bedeckte und unbedeckte Kastration

  1. Hautschnitt kranial des Skrotums, ca. 2 cm lang bzw. Anpassung an die Länge der herauszubringenden Testes
  2. Nach Schnitt wird der erste Hoden herausgedrückt, samt Verbindung des Processus vaginalis, erste Ansicht auf die Fascia spermatica externe
  3. Scharfe Durchtrennung der ersten Schicht
  4. Aufsicht auf die glänzende Hodenhülle, Tunica vaginalis, wird bei der bedeckten Kastration nicht eröffnet.
  5. Größtmögliche Vorlagerung des Hodens, Abpräparation des restlichen Bindegewebes und des Ligamentum caudae epidymidis des Samenstranges
  6. Ergebnis: Scheidenhautfortsatz und Testes weit vorgelagert, Musculus cremaster wird auf der Oberfläche sichtbar

Auf den oberen aufbauend:

Bedeckte Kastration

  • Empfehlung bei Patienten unter 20 kg
  1. Scheidenhautfortsatz samt Inhalt wird dreifach abgeklemmt
  2. Oberhalb der ersten Ligatur nach proximal erfolgt eine Absetzung mit Nahtmaterial
  3. Absetzen der ersten Klemme, setzen einer zweiten Ligatur an der Quetschstelle
  4. Zwischen den beiden verbliebenen Klemmen wird P. vaginalis samt Hoden abgesetzt.

Unbedeckte Kastration

  • Empfehlung bei Hunden über 20 kg
  1. gleiche Vorgehensweise wie bei bedeckter
  2. Processus vaginalis wird scharf eröffnet und der Hoden im eingehüllten viszeralen Lamina der Tunica vaginalis mit dem Mesorchium eingehüllt
  3. Entfernung der distalen Anteile des Samenstranges samt M. cremaster
  4. Separate Ligation
  5. Hoden-Absetzung mit der 3-Klammer-Technik

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